Lutherischer Kirchentag


Ermutigung zum fröhlichen Christenleben

Kirchentag

Das Programm des Lutherischen Kirchentages der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) vom 25.-27. Mai 2018 in Erfurt steht. Prof. Dr. Achim Behrens von der Lutherischen Theologischen Hochschule der SELK in Oberursel, der es maßgeblich mitgeplant hat, umreißt im Interview die Themenvielfalt in den Veranstaltungen und macht schon mal neugierig auf einen spannenden, attraktiven Kirchentag.

selk.de: Das Motto des Lutherischen Kirchentags 2018 lautet: „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt“. Warum gerade dieses Zitat aus dem Matthäus-Evangelium?

Behrens: Das Wort treibt mich schon seit meiner Studentenzeit um. Jesus weist seine Leute an diese Welt; denn Salz ist für sich allein ja ziemlich nutzlos. Es muss in die Suppe! Wir können der Welt nicht ihre Fadheit vorwerfen, wenn wir uns nicht einbringen. Und wenn wir das Licht der Welt sind, dann sind wir ja eigentlich Spiegel des Lichtes Gottes; wir geben das, was wir von ihm empfangen, weiter: die frohe Botschaft seiner Liebe und unserer Erlösung. So finde ich in diesem Wort christliches Engagement für die Welt, Mission und Diakonie. Zugleich ist das Wort auch eine ungeheure Ermutigung. Denn Christus sagt ja nicht „Ihr sollt Salz und Licht sein“, sondern: „Ihr seid das längst“. Das ist kein Befehl, sondern ein Zuspruch! Das, was unser Herr uns zutraut, sollten wir neu entdecken. Ich finde, in einer Zeit, in der viele in der Kirche die Köpfe hängen lassen, ist das ein ermutigender Schubser. Und das soll ein Kirchentag vor allem sein: Ermutigung zum fröhlichen Christenleben!

selk.de: So einen Kirchentag inhaltlich zu füllen, ist sicher sehr aufwändig. Sie arbeiten im Hauptausschuss mit und sind für das inhaltliche Programm verantwortlich – wie „macht“ man so ein Programm?

Behrens: Ich habe mich tatsächlich zuerst an Stichworten aus Matthäus 5,13–14 orientiert: „Salz“ – Christsein in der Welt; „Licht“ – Glaube, Spiritualität, Gemeinde...; „Stadt auf dem Berge“ – Ausstrahlung, Mission; „leuchtet allen im Hause“ – auch den Kindern; „gute Werke sehen“ – Nächstenliebe und Diakonie und schließlich. „euren Vater im Himmel preisen“ – Gottesdienste und Kirchenmusik. Da steckt doch schon eine ganze Menge drin.
Dann haben wir nach spannenden Referentinnen und Referenten gesucht. Da spielt immer auch ein bisschen der Zufall mit – wen man kennt und wer sich gewinnen lässt. Aber wir sind reichlich fündig geworden und haben ein spannendes und attraktives Programm zusammengestellt. Dabei ist es erstaunlich, wie viele Gaben es innerhalb der SELK gibt. Aber auch interessante Referenten aus anderen Bereichen werden uns besuchen. Einige haben sich auch selbst gemeldet und gesagt: „Guck mal, das kann ich! Wäre das nichts für den Kirchentag?“ Jetzt steht das Programm aber.
Vor allem haben wir vom Hauptausschuss unterschiedliche Teilbereiche in die Verantwortung einzelner Mitarbeiter gestellt. Viele helfen mit und organisieren ein beeindruckendes kirchenmusikalisches Programm, die Gottesdienste, die Bibelarbeiten, den Kinderkirchentag oder das Jugendcamp. Die Jugend wird übrigens die kürzesten Wege haben; denn das Camp liegt direkt auf dem Erfurter Messegelände.

selk.de: Welche Zielgruppen soll der Kirchentag ansprechen?

Behrens: Grundsätzlich hoffen wir auf viele Menschen, denen ihre Kirche wichtig ist und die sich vielleicht wieder neu mit ihr auseinandersetzen wollen! Das Angebot ist ziemlich breit. Wer möchte, kann sich ganz der Kirchenmusik hingeben, einen Gospelworkshop machen oder schon mal ins neue Gesangbuch reinschnuppern. Wir haben theologische und gesellschaftlich relevante Themen, die durchaus auch zur kontroversen Auseinandersetzung einladen. Singen, Beten und der gemeinsame Gottesdienst sollen nicht zu kurz kommen. Und in einem „Markt der Möglichkeiten“ wird auch viel Gelegenheit zur Begegnung, zur Information oder einfach nur zum Wiedersehen und Klönen sein.

selk.de: Für viele ist der Kirchentag der SELK so etwas wie ein großes Familientreffen. Trifft diese Beschreibung die Intention der Organisatoren?

Behrens: Na ja, vom Wiedersehen und Klönen habe ich ja eben schon geredet. Kirche lebt eben immer auch von den Menschen und ihrer Gemeinschaft. Das soll so sein! Aber wir wollen noch anderes. Da ist zum einen das Nachdenken über oder das Vertiefen von theologischen Fragen. Wie geht es weiter mit unserer lutherischen Kirche auch nach dem turbulenten Reformationsgedenken? Wir alle müssen nach Wegen suchen, wie wir in unserer Zeit Kirche gestalten können. Wenn von einem Kirchentag in die eine oder andere Gemeinde Impulse ausgehen, wenn hinterher noch etwas weiterwirkt – dann wäre das eigentlich ein Ziel, das mir vorschwebt.

selk.de: Was sind die zentralen Veranstaltungen in Erfurt?

Behrens: Zuerst sehe ich da zwei Gottesdienste zu Beginn und zum Abschluss des Kirchentages. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber die werden etwas Besonderes! Dann haben wir gleich am Freitagabend eine Podiumsdiskussion, für die wir den Ministerpräsidenten des Landes Thüringen, Bodo Ramelow von DER LINKEN, gewinnen konnten, aber auch seine Vorgängerin Christine Lieberknecht (CDU). Mitreden wird auch der Journalist Sergej Lochthofen, der ein Erfurter ist und Kirche und Glaube durchaus auch mit Skepsis begegnet, wenn ich das recht sehe. Ebenso hören wir aber auch Sibylle Heicke, die Kommunikationspsychologin und Pfarrfrau ist oder Anja Diesel, der das Thema Religionsunterricht als Schulreferentin der Rheinischen Kirche besonders am Herzen liegt. Unser Bischof ist auch mit von der Partie. Für die Kinder gibt es einen Ausflug von der Messe in den nahe gelegenen Ega-Park – sicher ein Highlight für die Kleinen. Am Freitag gibt es ein Konzert in der Luther-Kirche mit anspruchsvoller Kirchenmusik. Ich freue mich sehr auf den Bunten Abend am Samstag und hoffe auf viele kreative, lustige, kritische, interessante Beiträge aus allen Teilen der SELK.

selk.de: Auf dem Podium, das Sie eben erwähnten, werden mit Christine Lieberknecht, Bodo Ramelow und Sergej Lochthofen prominente Ostdeutsche sitzen: Wird die unterschiedliche Situation der Kirchen in Ost und West dabei im Fokus stehen?

Behrens: Das wird sicher ein Aspekt, vor allem im Hinblick auf die Kirchgliederzahlen im Osten Deutschlands, die ja dramatisch abgenommen haben. Ist das ein Trend für unser ganzes Land? Damit wird sich übrigens auch der Erfurter Professor Eberhard Tiefensee beschäftigen, der den Fragen von Glaube in einer „postchristlichen“ Zeit schon lange nachgeht. Oder man kann Carsten Rentzing begegnen, dem Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Da weitet sich der Blick in das Luthertum jenseits der SELK.

selk.de: Können Sie auch schon etwas über die Themen und Referenten der Workshops sagen?

Behrens: Ja, gern! Wir haben eine große Bandbreite. Da wird es um die Arbeit mit Geflüchteten in SELK-Gemeinden gehen und die dramatische Situation, in der sich Asylbewerber befinden, die vom Islam zum christlichen Glauben kommen. Aber wir blicken auch über unser Land hinaus. Dr. Silja Joneleit-Oesch kann kompetent über die Entwicklungszusammenarbeit mit Indien berichten. Und mit Pastor Gemah Ballah aus der lutherischen Kirche Liberias haben wir einen Gast, der vom Kampf gegen Ebola und für Bildung in seinem Land berichtet.
Dann wird es um Kirche und Gemeinde gehen: Pastor Dr. Jens-Martin Sautter arbeitet in einer sehr lebendigen Gemeinde in Mainz, die ein lutherisches Profil in einer unierten Landeskirche pflegt. Er selbst hat u.a. in Oberursel studiert und bei Prof. Dr. Michael Herbst über Glaubenskurse promoviert. Pastor Dr. Harm Cordes aus der Hannoverschen Kirche wird unter dem Stichwort „Christlich. Glauben. Leben“ ein Konzept vorstellen, das sich an Martin Luthers Katechismen orientiert und heute zum Glaubensleben anleiten will. Dr. Andrea Grünhagen fragt danach, ob „fromm“ und „lutherisch“ sein eigentlich zusammenpassen. Pastor Dr. Malte Detje geht der Frage nach, ob Gott einen Plan für mein Leben hat. Pfarrer Dr. Armin Wenz entdeckt die „figürliche Bibelauslegung“ für uns wieder.
Aber es gibt auch eine Reihe von Angeboten zum Mitmachen und Kreativwerden: Improvisationstheater, Pantomimeworkshops, Arbeiten mit Salzteig oder „Encaustic“ (musste ich auch „googlen“) oder unter dem Motto „Glaube trifft Handwerk“ Glas selbst formen und gestalten.
Zu jeder Zeit werden musikalische Workshops angeboten, vom Singen aus dem CoSi über Lieder im Kindergottesdienst, professionelle Chorleiter- und Gospelworkshops bis zu einer Vorschau auf das nächste Gesangbuch der SELK.
Dann finden sich auch kontroverse Themen, wie die Frage nach der Frauenordination oder die Auseinandersetzung mit der Ökumene oder dem Verhältnis von Seelsorge und Psychotherapie. Es wird um den christlich-jüdischen Dialog gehen, oder Joachim Lask vom „Work-Family-Institut“ wird die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf mal von der anderen Seite beleuchten: Das Leben in einer Familie oder als Eltern verleiht eine ganze Reihe von Kompetenzen und sollte eben nicht als Last betrachtet werden.
So gut wie alle Referentinnen und Referenten stellen sich auch dem Gespräch, entweder in den Veranstaltungen oder danach.
Ich kann hier unmöglich alles aufzählen! Es gibt noch mehr, und ein Blick auf die Homepage www.selk-kirchentag.de lohnt immer wieder.

selk.de: Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?

Behrens: Ich bin ein riesengroßer SELK-Kirchentag-Fan. Seit 1984 habe ich keinen lutherischen Kirchentag verpasst und war immer begeistert. Freuen würde mich am meisten, wenn am Sonntagmittag möglichst viele sagen: „Das war toll, davon kann ich was mit nachhause nehmen. Lasst uns das bald mal wieder machen!“

selk.de: Vielen Dank für das Interview!

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Die Fragen stellte Doris Michel-Schmidt.

Mehr Informationen über den Kirchentag finden Sie auf www.selk-kirchentag.de
Übrigens: Die Frühbucherpreise gelten nur noch bis zum 28. Februar!

Prof. Achim Behrens ist Lehrstuhlinhaber für Altes Testament an der Lutherischen Theologischen Hochschule der SELK in Oberursel. Im Hauptausschuss des Lutherischen Kirchentages arbeitet er als Programmverantwortlicher mit.

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