US-Pfarrer-Chor zu Gast in Deutschland | 30.06.2017

Reformation 500 - aus den USA nach Deutschland
Pfarrer-Chor aus SELK-Schwesterkirche zu Gast

Groß Oesingen, 30.6.2017 - selk - Es war in mehrfacher Hinsicht eine historische Reise, zu der zwei Dutzend Pfarrer der Lutherischen Kirche-Missouri Synode (LCMS), der US-amerikanischen Schwesterkirche der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), am 12. Juni aufbrachen. Alle waren ehemals Sänger in einem der beiden professionellen Chöre der Concordia-Seminare der LCMS in Fort Wayne und St. Louis. Sie wollten dem Mutterland der lutherischen Reformation etwas von dem zurückgeben, was deutsche Auswanderer unter großem Einsatz nach Nordamerika gebracht hatten. Im Programm hatten sie neben Orgelwerken von Johann Sebastian Bach Chorsätze von Georg Böhm bis zu Komponisten des 20. Jahrhunderts - wie dem Finnen Jean Sibelius und den US-Amerikanern Craig Carnahan und Randall Thompson.

Von historischer Bedeutung waren auch die Konzertorte. Dazu zählten Oberursel mit der Lutherischen Theologischen Hochschule, deren Aufbau die LCMS nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglicht hat, und Einbeck, der Geburtsort Heinrich Melchior Mühlenbergs (1711-1787), der die erste lutherische Kirche in den USA gründete. Eine weitere Station war die Maria-Magdalenen-Kapelle der Moritzburg in Halle/Saale, die von der Ortsgemeinde der SELK genutzt wird. In der vollbesetzten Schlosskirche in Wittenberg zeigten sich internationale Touristen und einheimische Zuhörende merklich vom gottesdienstlichen Charakter des Konzerts ergriffen. Genauso wie an den anderen Orten hielten sie ihren Applaus bis zum Schluss zurück und ließen so die unterschiedlichen geistlichen Werke in ihrer Gesamtheit zur Wirkung kommen. Zum Abschluss kam die Konzertreihe am 23. Juni in der St. Michaels-Kirche in Prag, in der der Vorreformator Jan Hus (1369-1415) gewirkt hat.

Virtuos meisterten die Sänger Stücke unterschiedlicher Genres bis zum Gospel und erschlossen dabei einen beeindruckenden Tonumfang von selten zu hörenden tiefen Basslagen bis zum klaren Kontratenor. Unterstützung durch Frauenstimmen erhielten sie bei ihrer Interpretation des Chorals "Ein feste Burg ist unser Gott".

Die Reisegruppe wurde von Pfarrer Dr. Daniel Schmidt (Groß Oesingen) begleitet, der als ehemaliger Student in Fort Wayne die Leitung der täglichen Andachten und die laufende Koordination übernahm. Die europäische Kirchen- und Musikgeschichte wurde unter anderem in Fulda, Eisenach und Erfurt und mit einer Stadtführung in Halle/Saale durch Gemeindepfarrer Dr. Armin Wenz greifbar. Am Rande des Werratals kam es zu einer Begegnung mit Fabian von Berlepsch. Auf dem Familienschloss erzählte dieser spontan von seinem Vorfahren Hans Sittich von Berlepsch, der als Burghauptmann für den Aufenthalt Martin Luthers als "Junker Jörg" auf der Wartburg verantwortlich war. Ein geistlicher Höhepunkt war der Gottesdienst mit der Christus-Kirchengemeinde der SELK in Erfurt. Dort erhielten die Teilnehmer die Gewissheit der Rechtfertigung um Christi willen in der Predigt des reformatorischen Evangeliums durch Pfarrer Harald Karpe und in der persönlichen Absolution am Altar.

Chorleiter Dr. Maurice Boyer, in Frankreich aufgewachsen, hatte das Gefühl, mit seiner Europareise wieder "nach Hause zu kommen", wie er sagte. Zusammen mit Organist Dr. Steven Wente, beide Dozenten an der Concordia-Universität in Chicago, zeigte er sich dankbar für eine solche Möglichkeit der musikalischen Verkündigung, die nicht zuletzt durch die Gastfreundschaft der Ortsgemeinden möglich wurde. Gemeinsam setzten sie damit auch ein Zeichen inmitten von Lutherkrawatten, Lutherbier und Luthersocken: Die Person, um die es im Zentrum der Reformation geht, ist Christus, Erlöser und Herr der Kirche - im 16. und im 19. Jahrhundert ebenso wie im 21.

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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
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