Bischof Voigt zu Kirche und Politik | 13.01.2018

"Wie politisch darf unsere Kirche sein?"
SELK-Bischof Voigt referierte in Berlin-Neukölln

Berlin/Hannover, 13.1.2018 - selk - Anfang Januar referierte der leitende Geistliche der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover), in der Paulus-Kirche Berlin-Neukölln der SELK zum Thema "Wie politisch darf unsere Kirche sein?". Der "Midlife-Kreis" der Paulus-Gemeinde, ein Gesprächskreis aktiver Gemeindeglieder, hatte sich im Vorfeld der Bundestagswahl mit der Frage an Voigt gewandt, inwiefern klare Stellungnahmen der SELK zum Beispiel zum Auftreten der "Alternative für Deutschland" (AfD) möglich oder wünschenswert wären. Aus dem Briefwechsel ging dann die Einladung des Gemeindekreises hervor, der auch zahlreiche Gäste der Gemeinde gefolgt waren.

In seinem Referat griff Voigt eine Kontroverse zwischen "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt und dem evangelischen Pfarrer Stefen Reiche über politische Haltungen in Predigten auf. Poschardt hatte getwittert: "Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?" Anhand des Johannesevangeliums arbeitete der SELK-Bischof heraus, dass Christen nicht "von der Welt", aber "in die Welt gesandt" seien. Hier werde die Spannung beschrieben, in der die Kirche stehe. Man könne sagen, dass der Evangelist hier die Spannung zwischen Steffen Reiche und Ulf Poschardt beschreibe, meinte Voigt.

Der Referent ging dann auf Artikel 16 des Augsburger Bekenntnisses ein, in dem eine Verhältnisbestimmung zwischen "geistlicher Gewalt und weltlicher Obrigkeit" vorgenommen werde. Später merkte Voigt an, dass das deutsche Verständnis von "Gehorsamspflicht" sich spätestens 1933 mit der Machtergreifung der NSDAP als Problem erwiesen habe.

Mit dem besonderen Blick auf die SELK vertrat Voigt folgende These: "Für die Situation der bekenntnislutherischen Kirchen, insbesondere der Altlutherischen Kirche, gilt zudem, dass der Widerstand in Glaubens- und Bekenntnisfragen auf der einen Seite zu einer besonderen Staatstreue mit innerer Politikferne anderseits führte."

In Bezug auf heutige Überfremdungsängste und einer daraus resultierenden Fremdenfeindlichkeit in Europa meinte Bischof Voigt, dass Nationalismus unkirchlich sei, da die Kirche nach ihrem Bekenntnis immer weltweite Kirche sei. Wenn Heimatverbundenheit sich mit Überlegenheitsgefühlen verbinde werde daraus Nationalismus. Der Kirche sei vielmehr ein das Evangelium bewahrender, also konservativer Ansatz ebenso zu eigen wie ein den Menschen in Not zugewandter sozialer Ansatz. Das Evangelium von der Liebe Gottes in Jesus Christus sei ein Gegenüber zur Politik, während der soziale Auftrag der Kirche politisch sei.

Dem Referat folgte eine über einstündige Debatte der zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung, in der unter anderem die Bedeutung des göttlichen Gesetzes, die Umweltfrage und die Predigt von Stefen Reiche erörtert wurden.

Gegenüber selk_news erklärte Voigt anschließend, dass er der unerwartet hohen Teilnehmerzahl über den Gemeindekreis hinaus und der engagierten Debatte entnommen habe, dass das Thema einer Verhältnisbestimmung zwischen Politik und Kirche hochaktuell sei.

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