9. Lutherischer Kirchentag (15) | 02.06.2018

Podiumsdiskussion zur Debatte um die Ordination von Frauen
SELK-Kirchentag greift umstrittenes Thema auf

Erfurt, 2.6.2018 - selk - Zur Debatte um die Ordination von Frauen in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gab es auf dem 9. Lutherischen Kirchentag der SELK, der vom 25. bis zum 27. Mai in Erfurt stattfand, eine Podiumsdiskussion. Die SELK hat in ihrer Grundordnung festgehalten, dass "das eine, von Christus gestiftete Amt der Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung . nur Männern übertragen werden (kann)." In der SELK wird die Debatte seit Jahren geführt, ob diese Festlegung verändert werden sollte, sodass auch Frauen als Pfarrerinnen in der SELK arbeiten dürfen. Das Interesse der Kirchentagsbesucherinnen und -besucher war so groß, dass es kaum noch einen Platz im Saal gab.

Auf dem Podium diskutierten die Pastoralreferentin Dr. Andrea Grünhagen (Hannover), die hinsichtlich der Ordination von Frauen das Contra vertrat, und Prof. Dr. Achim Behrens (Oberursel) der für das Pro eintrat. Rektor Pfarrer Stefan Süß (Guben) moderierte das Gespräch.

Zunächst wurde kurz die aktuelle Sachlage in dieser Frage benannt. Eine "Patt-Situation" gebe es in der SELK nicht, auch wenn heute deutlich mehr Pfarrer und Gemeindeglieder für die Ordination von Frauen eintreten würden als zu früheren Zeiten. Die Situation sei eher so zu beschreiben, dass beide Positionen einander zugestehen, ihre jeweiligen Argumente aus der Heiligen Schrift zu nehmen und somit ihrem Gewissen folgen.

Behrens und Grünhagen begannen ihre Ausführungen mit einem persönlichen Zugang zum Thema. Beide Gesprächspartner arbeiteten mehrere Fragen des Moderators sachlich ab. Es wurde deutlich, dass es nicht darum geht, die Bibel als Heilige Schrift in Frage zu stellen. Vielmehr geht es darum zu fragen, warum dieselben Schriftstellen unterschiedlich ausgelegt werden. Außerdem wurde klar, dass beide Gesprächsteilnehmer Schriftstellen unterschiedlich gewichten.

Für Behrens sind die biblischen Belege für eine Ablehnung der Ordination von Frauen nicht ausreichend, zumal es in den Textstellen nicht um das Pfarramt gehe. Für Grünhagen geht es darum, dass alle Tätigkeiten von Frauen ausgeübt werden könnten - jedoch nicht die öffentliche Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung. Diese Aufgaben seien an das Pfarramt gebunden, das sich auf das Apostelamt der zwölf Jünger zurückbeziehen lasse. Viele Aspekte des Themas wurden so nacheinander beleuchtet.

Fast am Ende der Veranstaltung wurde dem Publikum ermöglicht, Fragen an die beiden Diskutanten zu stellen. So blieb nur wenig Zeit, diesen Fragen aus dem Publikum genug Raum zu geben. Jedoch wurde an den zahlreichen Meldungen deutlich, dass dieses Thema mit viel Interesse begleitet wird. Ein Teilnehmer meinte, dass er die Sorge habe, die Kirche würde einen "geistlichen Niedergang" erleben, wenn die Ordination von Frauen eingeführt würde. Eine andere Stimme machte deutlich, dass es nicht zu verstehen sei, den Frauen diesen Beruf zu verweigern, zumal die ersten Auferstehungszeugen Frauen gewesen seien - und nicht die Jünger.

Abschließend wurde betont, dass die SELK als Kirche trotz dieser strittigen Lehrfrage in vielen theologischen Themen mit einer Stimme spreche. So gebe es in der Tauf- und der Abendmahlstheologie eine große Einheit. Ebenso sei in der SELK deutlich, was Jesus Christus als wahrer Mensch und wahrer Gott für die Menschen getan habe. Immer wieder wurde deutlich, dass es nicht zuletzt um die Frage gehe, wieviel Einheit die Kirche brauche und wieviel Vielfalt sie auch in theologischen Fragen tragen könne.

Behrens betonte zum Schluss, dass gerade auch diese Podiumsdiskussion mit so vielen Zuhörerinnen und Zuhörern den im Vorjahr erklärten Willen des Allgemeinen Pfarrkonventes aufnehme, die Gemeinden und die Kirchglieder in der SELK weiterhin mit in die Debatte einzubeziehen und die Argumente auszutauschen.

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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
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