SELK/UEK-Verständigungsprozess nachvollzogen | 05.06.2018

Verständigungsprozess der Trägerkirchen nachvollzogen
SELK/EKBO: Außergewöhnlicher Gemeindeabend in Guben

Guben, 5.6.2018 - selk - Am gestrigen Abend kam es unter zahlreicher Beteiligung aus den Gemeinden zu einer Begegnung zweier Gubener Kirchengemeinden und ihrer Leitungsgremien, dem Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kirchengemeinde der Region Guben (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz | EKBO) und dem Kirchenvorstand der Evangelisch-lutherischen Gemeinde Des Guten Hirten (Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche | SELK).

Ulrike Menzel, die anwesende Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Cottbus, bezeichnete das Ereignis nach der Veranstaltung nicht nur als gelungen, sondern auch als "wirklich historisch". Dass es sich dabei um eine durchaus außergewöhnliche Begegnung handelte, zeigen die beiden hochkarätigen Referenten. Jeweils aus der Sicht ihrer Kirchen referierten der Bischof der SELK, Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover), und der Stellvertreter des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Propst Dr. Christian Stäblein (Berlin), über die "Kirchwerdung selbstständiger evangelisch-lutherischer Kirchen und evangelischer Kirchen der Union". Beide Gubener Gemeinden - die evangelisch unierte und die evangelisch-lutherische (ehemals "altlutherische") - verdanken sich mit den Kirchen, zu denen sie gehören, in ihrer Entstehung dem Unionsaufruf des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III im Jahr 1817. In den sich ergänzenden Referaten kamen die Geschichte der Union und der Altlutheraner in den tradierten Geschichten vor Augen. Dass dies so möglich wurde, ist Ergebnis eines Verständigungsprozesses zwischen der Union Evangelischer Kirchen (UEK) und der SELK, der seit 2008 geführt wird, und der 2017 in einem gemeinsamen "Buß- und Dankgottesdienst" am Buß- und Bettag in Berlin zur Unterzeichnung eines ausführlichen "Gemeinsamen Wortes" und eines zusammenfassenden "Gemeinsamen Briefes an die Gemeinden" durch die beiden Kirchenleitungen führte.

Die UEK-SELK-Dokumente sind nachlesbar unter:

www.selk.de/download/UEK-SELK-2017_Gemeinsames-Wort.pdf und www.selk.de/download/SELK-UEK-2017_Brief-an-die-Gemeinden.pdf
Ein Buch mit dem Titel "Preußische Union, lutherisches Bekenntnis und kirchliche Prägungen. Theologische Ortsbestimmungen im Ringen um Anspruch und Reichweite konfessioneller Bestimmtheit der Kirche" erschien 2014 und dokumentiert die Beiträge einer im Rahmen des Verständigungsprozesses durchgeführten Fachtagung im Februar 2013: www.edition-ruprecht.de/katalog/titel.php?id=398

Wie 2017 in Berlin, so wurde auch gestern in Guben der "Gemeinsame Brief an die Gemeinden" von Mitgliedern aus dem Gemeindekirchenrat und dem Kirchenvorstand im Wechsel verlesen und die wechselseitige Vergebungsbitte und Gewährung der Vergebung aus- und zugesprochen. Obwohl keiner der heutigen Pfarrer und Gemeindeglieder eine persönliche Schuld an den Ereignissen von 1817 und seinen unmittelbaren damaligen Folgen hat, wurde doch eine wechselseitige "Verantwortung für Schuld, die in der Geschichte der Kirchen geschah", erkannt.

Symbolisch überreichten sich die Gemeinden am Ende der Verlesung des "Wortes an die Gemeinden" je eine Ausgabe ihrer aktuellen Agende. Im Streit um das 1817 neue Gottesdienstbuch - die "unierte Agende" - hatten sich einst die Wege der beiden Kirchen getrennt. Bis heute feiern sie darum nach zwei verschiedenen Agenden Gottesdienst. Heute sind diese unterschiedlichen Bücher kein Symbol des Streites mehr, sondern eröffnen die Möglichkeit, sich gegenseitig besser kennenzulernen, wie es der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Region Guben, Dschin-u Oh, formulierte.

Superintendent Michael Voigt, zugleich Pfarrer der Gemeinde Des Guten Hirten, wies in seinem Schlusswort auf die bestehenden guten Beziehungen "auf Augenhöhe" hin, die schon seit längerer Zeit innerhalb des Ökumenischen Stadtkonvents gepflegt werden. Er benannte als Beispiel das gemeinsame jeweils unter den Gemeinden vereinbarte Fürbittanliegen, das in allen Gottesdiensten der Stadt unter der Ankündigung "Mit allen Christen in unserer Stadt Guben beten wir ..." sonntäglich gehalten wird.

Beide Gemeinden vereinbarten als nächsten Schritt ein Kennenlernen zwischen Kirchenvorstand und Gemeindekirchenrat.

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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
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