Louis-Harms-Konferenz in Farven | 02.12.2018

"Der Heilige Geist ist kein Skeptiker"
SELK an Louis-Harms-Konferenz beteiligt

Farven, 2.12.2018 - selk - Immer am 2. Samstag im Monat November füllt sich das Gemeindezentrum der Pella-Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) im norddeutschen Farven (bei Bremervörde) mit Besucherinnen und Besuchern aus nah und fern: Die Louis-Harms-Konferenz lädt zu ihrer alljährlichen Tagung ein, in diesem Jahr schon zum 41. Mal. Die Konferenz ist nach dem Erweckungsprediger und Missionsgründer aus Hermannsburg benannt und möchte die von ihm ausgegangene erwecklich geprägte Frömmigkeit und die damit verbundene missionarische Ausrichtung für die lutherischen Gemeinden in heutiger Zeit fruchtbar machen und nach Gottes Auftrag unter veränderten Bedingungen fragen.

Im Vorbereitungskreis sowie bei den Teilnehmenden arbeiten landeskirchliche und Vertreter der SELK eng und vertrauensvoll zusammen.

"Kirche im Geist des Erfinders" war das diesjährige Thema, wobei die Bedeutung des Heiligen Geistes in der biblischen Botschaft und im eigenen persönlichen Leben im Fokus stand.

Pastor i.R. Hans-Werner Mehnert (Hermannsburg) ging in seiner Bibelarbeit vor allem auf die verschiedenen Sichtweisen des Neuen Testaments ein: Der Heilige Geist wird bei Lukas als "souveräner Dirigent" beschrieben, bei Johannes als "liebevoller Tröster" und bei Paulus als der "heimliche Begleiter". Paulus geht von einer tiefen Innigkeit im Gottesverhältnis aus, die beidseitig wirksam ist: Der Geist ist in den Glaubenden und die sind zugleich in Christus. Und "der Geist gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind." (Der Brief an die Römer, Kapitel 8, Vers 16). Dieses liebende Verhältnis erweckt eine Sehnsucht nach Erfüllung des Herzens und der Seele durch die Kräfte des Heiligen Geistes. Hier kommen die Geistesgaben ins Spiel; nach Ansicht des Redners sind sie für charismatische Gemeinden ein "Traum", für traditionelle Kirchen aber eher ein "Trauma".

Dr. Volker Keding (Winsen/Aller) fasste Luthers Gedanken zum Heiligen Geist in dem prägnanten Luther-Zitat "Der Heilige Geist ist kein Skeptiker" zusammen. Der Heilige Geist schreibt nicht unsichere Meinungen ins menschliche Herz, sondern feste Gewissheiten; er schafft Heilsgewissheit im Glauben an den auferstandenen Jesus Christus durch das Mittel der Heiligen Schrift und schenkt die Kraft der Liebe, auch der Feindesliebe. Eine Kirche im Geist des Erfinders ist vom Geist Gottes inspiriert zum mutigen Christusbekenntnis, zu begeisterter Bibellektüre und zu unbändiger Freude im Glauben.

Nach einer Zeit des gemeinsamen Gebetes ging es am Nachmittag um die Entdeckung und Anwendung der Gaben des Geistes. Hierzu berichtete Pastor Henning Dobers (Hannoversch Münden), 1. Vorsitzender der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung, von eigenen Erfahrungen und machte Mut, sich vom Geist erfüllen zu lassen (Der Brief an die Epheser, Kapitel 5, Vers 18). Er vertrat die These, die Gegenwart gleiche "vorreformatorischen Zeiten"; die Christenheit befände sich 500 Jahre nach der Reformation in einer Phase der Wiederentdeckung des Heiligen Geistes. Die Gaben seien alle schon in der Bibel erwähnt und auch bei Luther bekannt, aber weitgehend in Vergessenheit geraten. Der Heilige Geist sei "vornehm", er dränge sich nicht auf, sondern wolle gebeten sein. Auch wohne er besonders gerne dort, wo "alle beieinander an einem Ort" (Apostelgeschichte, Kapitel 2, Vers 1) seien - das heiße: dort, wo versöhnte Ökumene gelebt werde.

Pastor Jürgen Schnare, Referent für Weltanschauungsfragen im Haus kirchlicher Dienste in Hannover, befasste sich mit den in vielen Gemeinden vertretenen Anfragen an die charismatischen Bewegungen: Werden unmittelbare Geisteserfahrungen wichtiger genommen als die Bibel? Dienen die Charismen wirklich der Gemeinde oder nur dem Einzelnen? Wo ist Raum für Zweifel, Anfechtung und Klage? Ist es möglich, auch gegen leidvolle Erfahrungen am biblischen Wort festzuhalten?

In den Arbeitsgruppen mit den beiden Referenten gab es anschließend Gelegenheit zu ausführlichen Rückfragen und konkreten Vorschlägen, wie man kirchenferne Menschen erreichen könne. Wichtig sei vor allem, in einer Zeit der zunehmenden Vereinzelung eine Atmosphäre der Zugehörigkeit zu schaffen. Nicht die Glaubensprüfung stehe am Anfang, sondern die Einladung "Gehöre erst mal dazu - und dann sehen wir weiter!". Konkrete Gebete für Kranke im Gottesdienst in regelmäßigen Abständen könnten einem großen Bedürfnis entgegenkommen.

Zum Abschluss wurde noch einmal sehr direkt auf Louis Harms Bezug genommen, indem Heinrich Harms, Gründer einer kirchlich orientierten Druckerei in Groß Oesingen und Kirchglied der SELK, davon berichtete, was er von diesem Erweckungsprediger gelernt habe: Er vertraute Gott! Ohne Gebet läuft nichts! Immer aufs Ziel schauen! Mission sei "vorbeugende Katastrophenhilfe" und heute genauso dringlich wie zu damaligen Zeiten.

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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
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