Volker Stolle referierte in Oberursel | 16.02.2019

Selbstständige lutherische Kirchen in der Zeit der Weimarer Republik
SELK: Volker Stolle referierte in Oberursel

Oberursel, 16.2.2019 - selk - Am letzten Tag der Vorlesungszeit des Wintersemesters 2018/19 hatte die Lutherische Theologische Hochschule (LThH) der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Oberursel zu einer besonderen Gastvorlesung eingeladen. Anlässlich des Gedenkens an 100 Jahre Weimarer Reichsverfassung referierte Prof. i.R. Dr. Volker Stolle (Mannheim), emeritierter LThH-Professor für Neues Testament, zur Bedeutung dieser Verfassung für die selbstständigen evangelisch-lutherischen Kirchen in Deutschland und präsentierte damit einen Ausschnitt aus seinem neuen Buch "Lutherische Kirche im gesellschaftlichen Wandel des 19. und 20. Jahrhunderts. Aus der Geschichte selbstständiger evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland", das kürzlich im Verlag Edition Ruprecht erschienen ist.

Stolle veranschaulichte, dass die seinerzeit neuen gesellschaftlichen und staatskirchlichen Rahmenbedingungen in den selbstständigen lutherischen Kirchen zwar einerseits mit Befremden aufgenommen wurden, andererseits die daraus entstehenden Möglichkeiten je länger, desto mehr - wenn auch von Kirche zu Kirche in unterschiedlicher Weise - genutzt wurden und neue Regelungen aus dem Bereich des Staatswesens (zum Beispiel das Frauenwahlrecht) dann auch relativ bald im kirchlichen Kontext Einzug fanden.

In seinen Ausführungen machte der Referent weiterhin deutlich, dass die theologische Reflexion der neuen Gesellschaftsordnung weithin ausblieb, sodass sich in der Folge das völkische und nationalsozialistische Gedankengut auch in diesen Kirchen ausbreiten konnte.

Interessant war für die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer, wie sehr die Zeit der Weimarer Republik doch auch für das selbstständige Luthertum eine Übergangszeit darstellte, in der zum Beispiel auch Impulse der ökumenischen und internationalen Zusammenarbeit in ganz verschiedene Richtungen entwickelt wurden, was dann wiederum auch für Spannungen unter den einzelnen lutherischen Bekenntniskirchen sorgte.

In der sich anschließenden lebhaften Diskussion ging es nicht zuletzt um die Frage, warum die selbstständigen lutherischen Kirchen in der Zeit der Weimarer Republik anfällig für die Ideologie des Nationalsozialismus waren.

Mit Blick auf sein Buch machte Stolle deutlich, dass sein sozialgeschichtlicher Ansatz nicht die einzige Perspektive auf die Geschichte selbstständiger evangelisch-lutherischer Kirchen sein könne, sondern auch andere Gesichtspunkte für ihre Beurteilung notwendig seien. Allerdings halte er seinen Zugang für eine wichtige Perspektive, um das Geschehene in seiner ganzen Komplexität zu erfassen.

Die Verlegerin des SELK- und LThH-Partnerverlags Edition Ruprecht, Dr. Reinhilde Ruprecht (Göttingen), hatte sich zu dieser Vorlesung und Buchvorstellung eigens auf den Weg nach Oberursel begeben und das Auditorium mit einem Quiz und Gewinnspiel zu einer intensiveren Beschäftigung mit Stolles Neuerscheinung animiert.

Der letzte Vorlesungstag endete mit dem Semesterabschlussgottesdienst in der benachbarten St. Johannes-Kirche der SELK, in der der Rektor der LThH, Prof. Dr. Christoph Barnbrock, die Predigt hielt. Nach einem gemeinsamen Mittagessen hatte die Studierendenschaft noch zu einer Studienfahrt nach Frankfurt/Main eingeladen, im Rahmen derer Studierende, Dozenten und Mitarbeitende die Nachbarstadt neu erkundeten.

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Ein Bericht von selk_news /
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