Übergriffe auf christliche Flüchtlinge | 15.04.2016

Übergriffe auf religiöse Minderheiten in Asylbewerberheimen
SELK: Informationsveranstaltung in Berlin-Steglitz

Berlin, 15.4.2016 - selk - Zu einer Informationsveranstaltung zum Thema "Übergriffe auf religiöse Minderheiten in Asylbewerberheimen" versammelten sich am Mittwoch mehr als 150 Asylsuchende aus dem Iran, dem Irak und Afghanistan sowie zahlreiche einheimische Zuhörerinnen und Zuhörer in den Räumen der Dreieinigkeits-Gemeinde in Berlin-Steglitz, einer Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). Die meisten derer, die gekommen waren, hatten solche Übergriffe bereits persönlich in ihren Aufnahmeeinrichtungen erlebt. Markus Henninger von der Christlichen Polizeivereinigung erläuterte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, warum sie hier in Deutschland der Polizei Vertrauen schenken und wie sie Übergriffe gegen sie bei der Polizei anzeigen können.

Ado Greve von der Organisation "Open Doors" berichtete davon, dass zurzeit zahlreiche Berichte über Übergriffe gegen religiöse Minderheiten in deutschen Flüchtlingsheimen wissenschaftlich ausgewertet würden. Mit biblischem Bezug ermunterte er die Christen, sich auch weiter von Christus wie Schafe unter die Wölfe senden zu lassen, weil nur so aus Wölfen am Ende Schafe werden könnten.

In der folgenden Aussprache berichteten Vertreter der jesidischen Gemeinde mit bewegenden Worten von den Übergriffen und Diskriminierungen, die sie in den Flüchtlingsheimen in Deutschland erfahren: Kinder, die von der Flucht vor dem "Islamischen Staat" immer noch traumatisiert seien, müssten sich Tag und Nacht in den Heimen die lauten Rufe "Allahu akbar" anhören, die sie immer wieder in Panik versetzten. Jesiden würden von muslimischen Mitbewohnern in den Heimen als "Ungläubige" und "Teufelsdiener" beschimpft und mit dem Tod bedroht; sie würden als "Unreine" bezeichnet, mit denen man nicht gemeinsam essen dürfe und die darum auch nicht gemeinsam mit Muslimen die Küchen in den Heimen benutzen dürften. Auch zu körperlichen Übergriffen komme es immer wieder. Die Vertreter der jesidischen Gemeinde berichteten auch von Schikanen und Bedrohungen durch muslimische Wachschützer sowie von der Gleichgültigkeit der Heimleitungen, die ihre Berichte und Beschwerden einfach nicht ernst nähmen. Nie hätten sie gedacht, dass sie hier in Deutschland nach ihrer Flucht nun wieder Ähnliches erleben müssten wie in ihrer Heimat. "Die Berichte der Vertreter der jesidischen Gemeinde entsprachen bis in die Details hinein genau den Erfahrungen der Glieder und Taufbewerber unserer Gemeinde in den Heimen", erläuterte hierzu Pfarrer Dr. Gottfried Martens, der Pfarrer der Dreieinigkeits-Gemeinde.

Anschließend berichteten auch christliche Flüchtlinge von Übergriffen gegen sie - nicht nur in Asylbewerberheimen, sondern zunehmend auch auf der Straße, wenn sie von muslimischen Migranten als Konvertiten identifiziert würden. Gerade in den letzten Tagen war ein Gemeindeglied der Gemeinde von Muslimen erneut massiv mit dem Tod bedroht worden. Auch wenn es diese Bedrohungen zur Anzeige gebracht hatte, zeigten sich die bedrohten Christen desillusioniert von der Möglichkeit, sich mithilfe von Anzeigen gegen Übergriffe zur Wehr zu setzen: Nach solchen Anzeigen bei der Polizei müssten sie immer wieder mit Gegenanzeigen, Verleumdungen und Racheakten innerhalb und außerhalb der Heime rechnen. Am Ende könnten sie froh sein, wenn sie durch ihre Anzeige nicht noch weitere Nachteile erlitten. Die Aufbesserung einer Statistik über religiös motivierte Übergriffe stünde in keinem Verhältnis zu den Schwierigkeiten, die sie dadurch bekämen. Zudem beklagten die Flüchtlinge, dass es oft viele Monate oder gar Jahre dauerte, bis sie auf eine Anzeige eine Reaktion erhielten - und die bestünde zumeist in der Einstellung des Verfahrens. Die Asylsuchenden baten die Polizei, sich selber vor Ort in den Heimen anonym ein Bild von den Bedrohungen und Schikanen zu machen, denen sie dort ausgesetzt seien.

"Die Flüchtlinge waren dankbar für die Möglichkeit, an diesem Abend von ihren Erfahrungen auch gegenüber einem Vertreter der Polizei berichten zu können", formulierte Pfarrer Martens als Resümee des Abends. "Und es war bewegend zu erleben, mit welcher Herzlichkeit sich die jesidischen und die christlichen Flüchtlinge an diesem Abend begegneten. Das gemeinsame Schicksal der Verfolgung von religiösen Minderheiten hier in unserem Land lässt sie besonders eng zusammenstehen. Es wäre gewiss kein Problem, Christen und Jesiden gemeinsam in Schutzräumen für religiöse Minderheiten unterzubringen, die einzurichten angesichts der vielen Übergriffe in den Aufnahmeeinrichtungen ein dringendes Gebot der Stunde ist."

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