Bezirkssynode Hessen-Süd (2) | 16.04.2016

Gewicht für eine menschenfreundliche Gesellschaft
SELK-Synode Hessen-Süd tagt in Frankfurt am Main

Frankfurt/Main, 16.4.2016 - selk - "Zum Profil von christlicher Kirche gehört es, mit der Kraft aus dem Evangelium aus dem Gottesdienst heraus nach außen orientiert zu sein." - Dies sagte Superintendent Michael Zettler (Neu-Isenburg), der leitende Geistliche des Kirchenbezirks Hessen-Süd der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), am gestrigen Eröffnungstag der Synode seines Kirchenbezirks in Frankfurt/Main.

Christliche Gruppierungen seien sich nicht selbst genug, sondern sie strebten nach außen in der Mitgestaltung gesellschaftlichen Lebens. Dabei habe das Engagement von Kirchengemeinden für die Gesellschaft eine weitere Zielgruppe gefunden: nämlich die vielen Flüchtlinge, die seit letztem Jahr nach Europa und nach Deutschland drängten. Dies bringe Herausforderungen mit sich.

Zettler berichtete von einem ökumenischen Kreis in Frankfurt. Bei einer Sitzung im letzten Herbst sei es um Flüchtlinge gegangen. "Damals war ganz Deutschland in großer Euphorie: Eine Kultur des Willkommenheißens war wahrzunehmen. Wir sagten damals in diesem Kreis, dass es bestimmt nicht lange dauert, bis dieser Höhenflug sich vielleicht sogar ins Gegenteil verkehrt. Und tatsächlich. Es trat so ein. Die Angstmacher und Sorgenbereiter gewannen an Boden." Damals im Herbst sei unter den Gesprächspartnern deutlich geworden: "Aufgabe christlicher Gemeinden ist es, einen langen Atem zu haben und Durchhaltevermögen zu zeigen. Jetzt nicht schnell irgendeine Aktion aus dem Boden stampfen, sondern dann, wenn Schwierigkeiten kommen, dann nicht aufgeben." Nach wie vor klopfen Menschen an unsere Türen, die Unmenschliches durchleiden mussten, so der Superintendent: "Es gibt keinen Grund, von unserer Willkommenskultur abzuweichen."

Der leitende Geistliche wies auf eine Erhebung hin, die die Kirchenleitung und das Kollegium der Superintendenten jüngst initiiert hätten und bei der es um die Arbeit unter Flüchtlingen und Migranten in den Gemeinden der SELK gehe. Ziel der Erhebung sei es unter anderem, die Möglichkeiten gesamtkirchlicher Hilfe zu eruieren, etwa mit Anlaufstellen bei verschiedenen Fragen oder mit Schriftmaterial in den Sprachen der Flüchtlinge und Migranten.

Willkommen heißen bedeute nicht zugleich, alles gut zu heißen. "Ich halte es für gut und wichtig, dass von der Berliner SELK-Gemeinde in Steglitz, von Pfarrer Dr. Gottfried Martens ausgehend, die Religionsfreiheit ins Gedächtnis gerufen wird. Es kann nicht angehen, dass Christen oder zu Christen gewordene Moslems in Aufnahmelagern und oder in Flüchtlingsunterkünften oder überhaupt Angst vor körperlichen Übergriffen haben müssen. Auf diesem Auge war der Staat bisher noch ein bisschen blind."

Genauso wenig aber dürften muslimische Flüchtlinge Angst haben müssen vor gewaltbereiten nationalistischen Gruppierungen. "Angst verbreiten oder Gewalt anwenden ist keine Frucht des Evangeliums", so Zettler. "Ich denke, dass in Zukunft christliche Gemeinden noch ihr besonderes Gewicht für eine menschenfreundliche Gesellschaft haben werden."

Auf der Synode in Frankfurt standen am ersten Sitzungstag auch Wahlen an.

Als Kindergottesdienstbeauftrage für den Kirchenbezirk wurde dabei Miriam Salzmann (Mainz) gewählt. Sie ist Nachfolgerin von Dorothea Forchheim (Hammersbach), die diese Beauftragung 12 Jahre lang wahrgenommen hatte. Als Diakoniebeauftrage für den Kirchenbezirk wurde Eva Wiener (Frankfurt) gewählt. Dieses Amt war zuvor zwei Jahre lang vakant.

Die Synode endet am Abend mit dem Reisesegen.

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