Reformationsjubiläum


Jahresthema 2017: Luther weckt die Kirche auf

Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 hat eine Arbeitsgruppe der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) zentrale reformatorische Themen aufbereitet (www.blickpunkt-2017.de). In diesem Jahr stellt sie das Gedenken unter das Motto: „Luther weckt die Kirche auf“. Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. hat dazu ein Geleitwort verfasst.

Wittenberg

Die Jahre der Vorbereitung auf das Reformationsgedenken gehen zu Ende und damit kommt auch der geistliche Weg an sein Ziel, den wir als Kirche miteinander gegangen sind. Nicht auf die Person Luthers, sondern auf die zentralen Inhalte des lutherischen Bekenntnisses wollten wir aufmerksam machen. Deshalb standen zentrale Themen wie Taufe, Beichte, Abendmahl oder das Wort Gottes im Mittelpunkt und nicht der Mensch Martin Luther.

Nun aber „luthert“ es im Jahr 2017 auch bei uns, wenn wir das Thema „Luther weckt die Kirche auf“ in den Mittelpunkt stellen. Dabei sind wir der Auffassung, dass auch an der Person Luthers Glaubensfragen nachvollziehbar werden, die für Menschen von heute von großer Bedeutung sind.

Eine dieser Fragen ist: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Martin Luther wurde von dieser Frage als junger Mönch im Kloster umgetrieben. Mit dieser Frage verband er eine reale Furcht vor dem Strafgericht Gottes und der ewigen Verdammnis in der Hölle. Die Kirche damals aber hatte ihre Antworten parat, die sich in etwa so beschreiben lassen: Du gehst zur Beichte, empfängst die Vergebung deiner Sünde und damit Gerechtigkeit entsteht, müssen die Folgen deiner Sünden bestraft werden. Dafür kannst du dann als Wiedergutmachung einen Ablass bekommen durch verschiedene menschliche Leistungen.

Wir sollten uns keinesfalls über diesen Ansatz erheben oder gar lustig machen. Ich beobachte heute, dass Menschen wie damals ganz erhebliche Leistungen vollbringen, „um einen gnädigen Gott“ zu bekommen, um mit der Umwelt, dem eigenen Körper oder den Mitmenschen ins Reine zu kommen. Heutige Diätvorschriften stehen den kirchlichen Fastenvorschriften des ausgehenden Mittelalters in nichts nach. Und wenn zu Luthers Zeiten Menschen in sogenannten „Geißlerhorden“ durchs Land zogen, die auf alles verzichteten und sich selbst schlugen, so kann ich bei einem abendlichen Blick in ein hell erleuchtetes Fitnessstudio die Parallelen (mit Augenzwinkern) nicht übersehen. Auch hier schwitzen Menschen und quälen sich freiwillig für einen guten Zweck.

Luther gab sich damals mit den vorgefertigten Antworten nicht zufrieden, denn das theologische System war nicht stimmig. Wie kann denn der Mensch an seinem Heil mitwirken, wenn alles was der Mensch tut, menschlich und nicht göttlich ist? Und Menschsein heißt nun einmal Sünder sein und sterblich und nicht göttlich sein. Im Brief des Apostels Paulus las er dann einen Schlüsselvers: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke allein durch den Glauben.“ (Römer 3,28).

Damit weckt Luther die Kirche auf, weil ihm die Wiederentdeckung geschenkt wird, dass die von der damaligen Kirche eingeschlagene Richtung falsch war: Denn nicht der Mensch bewegt sich zu Gott, sondern Gott bewegt sich zu uns Menschen. Gott wird ein Mensch in seinem Sohn Jesus Christus, um uns Menschen zu vergotten. Gott stirbt an unserer Sünde, damit wir sündlos werden. Gott stirbt unseren Tod, damit wir ewig leben.

Im Kleinen Katechismus fasst Luther diese entscheidende Erkenntnis mit Blick auf das Heilige Abendmahl später so zusammen: „Fasten und leiblich sich bereiten ist wohl eine feine äußerliche Zucht; aber der ist recht würdig und wohl geschickt, der den Glauben hat an die Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden.“

In unseren Tagen könnte man das so ausdrücken: Diätregeln und Fitnessübungen sind hilfreich. Ich merke das ja selbst immer wieder. Aber sie bringen uns nicht in Einklang mit Gott und uns selbst. Allein der von Gott geschenkte Glaube vermag uns heil zu machen. Gott selbst bringt uns in Verbindung mit sich und unserer Umwelt. Gott allein kann uns retten vor dem letzten Gericht und dem ewigen Verderben in der Hölle – ja auch dies ist heute nicht zu verschweigen.

Andere Themenbereiche, über die Luther nachgedacht hat, sind genauso bleibend relevant, wie die Frage nach dem gnädigen Gott. Wie ist das Verhältnis zwischen einem säkularen Staat und dem christlichen Glauben bzw. den Religionen zu bestimmen, wenn doch die Gläubigen Staatsbürger und Gläubige zugleich sind? Wie können wir die Bildung im Land weiterentwickeln und wie können wir auch die christliche Unterweisung voranbringen? Was darf und soll das Militär im Land oder im Ausland tun oder nicht tun? All dies sind Fragen, über die Luther wegweisend nachgedacht hat.

Aber besonders die Glaubensfragen, die Luther aufreißt, sind heute ebenso aktuell wie damals. Sie müssen vielleicht ein wenig in unsere Zeit umgesprochen werden. Aber der Heilige Geist vermag auch heute die Kirche aufzuwecken. Nötig haben wir’s allemal.

Weitere Informationen: www.blickpunkt-2017.de

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