Die Weihnachtskrippe als Adventskalender


Adventskalender

Das Schema Verheißung/Ankündigung – Erfüllung entspricht der adventlichen Symbolik von Dunkelheit und Licht (Jesaja 9,2: Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.)


Der Brauch, in Kirchen und Häusern, Adventskränze mit vier Kerzen für die Adventssonntage bzw. -wochen aufzustellen und jeden Sonntag eine weitere Kerze zu entzünden ist eine schöne volkstümliche Illustration dieses Gedankens. Adventszeit ist Zeit der Dämmerung, der aufgehenden Morgenröte, bis dann zum Fest der Geburt Christi das helle Licht in der Welt erstrahlt, das durch den Christbaum und die Weihnachtskrippe symbolisiert wird.

Eine Idee: Die Weihnachtskrippe wird nicht erst am Heiligen Abend (zuhause oder) in der Kirche aufgebaut, sondern bereits zum 1. Advent.

Jeder Adventssonntag steht unter einem gottesdienstlichen Leitgedanken, der durch eine der Krippenfiguren abgebildet wird.



Leitgedanke am 1. Advent: Der kommende Herr
EselIm Mittelpunkt steht der Einzug Jesu in Jerusalem auf einem Esel (Sonntagsevangelium: Matthäus 21,1-9). Der Evangelist Matthäus erkennt in diesem Ereignis eine Erfüllung der alten prophetischen Verheißung an Zion (Jerusalem), dass Gott seinem Volk einen (endzeitlichen) Friedenskönig senden wird. Die alttestamentliche Lesung Sacharja 9,9-10, die im Evangelium zitiert wird, bringt diesen häufig zu findenden Gedanken, dass Gottes Verheißungen sich in Jesus Christus erfüllt haben, deutlich zum Ausdruck. Christus ist der König!

Wo die Krippe bereits aufgebaut wurde, könnte am 1. Advent der Esel in die ansonsten noch leere Krippe gestellt werden, auf dem Jesus in Jerusalem einzog.


Leitgedanke am 2. Advent: Der kommende Erlöser
Josef-EselNach dem glanz- und lichtvollen Auftakt am 1. Advent entfällt ab dem 2. Advent das Gloria im Gottesdienst. Heute geht es um die Geduld, die die auf den Erlöser wartenden benötigen, auf die Ermutigung, nicht ungeduldig zu werden, sondern auf die Zeichen zu achten, die auf den kommenden Erlöser hinweisen.
„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“ (Lukas 21,28), so lautet nicht nur der Wochenspruch, sondern auch gleich zu Beginn des Gottesdienstes bereits der Leitvers zum Eingangspsalm.

Wo die Krippe bereits aufgebaut wurde, könnte am 2. Advent Josef hineingestellt werden, dessen Geduld und Duldsamkeit und durch nichts zu erschütterndes Vertrauen auf Gottes Verheißungen und Zusagen in seiner Person zum Ausdruck kommt.


Leitgedanke am 3. Advent: Der Vorläufer des Herrn
Der 3. Adventssonntag ist Johannes dem Täufer, dem Vorläufer des Herrn, gewidmet. Johannes ist der Bußrufer in der Wüste, der dem Herrn den Weg bereitet. Wenngleich die Adventszeit nicht in demselben Sinne eine Bußzeit ist wie die Fasten- und Passionszeit: Heute ist der Ruf zur Umkehr als Vorbereitung auf das Kommen des Herrn ein zentraler Gedanke.

Und dennoch: Umkehr und Buße haben nichts Düsteres, Niederschmetterndes. „Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat!“, beginnt die alttestamentliche Lesung (Jesaja 40,1-11).

Und die „Freude der Buße“ leuchtet auch gleich zu Gottesdienstbeginn im Leitvers zum Eingangspsalm (Philipper 4,4.5b) auf: „Freut euch im Herrn allewege! Freuet euch: Der Herr ist nahe!“

„Gaudete“ wird der 3. Adventssonntag wegen dieses ersten Wortes aus dem Leitvers des Eingangspsalms auch genannt, „Freute euch!“. Daher gibt es auch die Tradition, die Bußfarbe Violett an diesem Sonntag durch ein „freudig aufgehelltes Violett“, nämlich durch Rosa zu ersetzen.

Wo die Krippe bereits aufgebaut wurde, könnte am 3. Advent der Ochse hineingestellt werden. Sogar der Ochse (und ebenso der Esel, der beim Krippenaufbau aber bereits „vergeben“ ist), der als stures Tier gilt, das nicht leicht zur Umkehr zu bewegen ist, weiß, wer sein Herr ist, lesen wir bei Jesaja 1,3. („Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt's nicht, und mein Volk versteht's nicht.“)


Leitgedanke am 4. Advent: Die nahende Freude
Maria-Josef-Esel-OchseDie Freude derer, die auf den nahenden, den kommenden Herrn warten, die auch am 3. Advent spürbar war, regiert auch den 4. Adventssonntag. In der alttestamentlichen Lesung (Jesaja 52,7-10) werden die Füße des Freudenboten gepriesen, die Frieden und Heil unter Gottes Königtum verkündigen. Das „Freuet euch!“ aus dem Philipperbrief, das am 3. Advent zum Leitvers des Eingangspsalms wurde, ist heute erste Zeile der Epistel und bildet auch den Wochenspruch.

Stand uns am 3. Advent Johannes der Täufer als Adventsgestalt vor Augen, ist am 4. Advent Maria, die Mutter Gottes. Ihre Begegnung mit Elisabeth, das „Gegrüßet seist du, Maria“ und der Lobgesang Marias, das Magnificat machen das Evangelium (Lukas 1,39-56) aus.

Wo die Krippe bereits aufgebaut wurde, könnte am 4. Advent Maria hineingestellt werden.

EpiphaniasIn der Heiligen Nacht liegt dann erst das Christuskind in der Krippe.

Am Weihnachtsmorgen erscheinen die Hirten mit ihren Schafen.

Am 6. Januar, dem Fest der Erscheinung Christi (Epiphanias) folgen die Weisen aus dem Morgenland.



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