Hans-Jörg Voigt bleibt Bischof der SELK


Auf der Kirchensynode der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Stadthagen wurde am 19. April 2018 Hans-Jörg Voigt D.D. (55), Hannover, zum Bischof wiedergewählt. Die Wahl war nötig geworden, da die Amtszeit von Voigt in diesem Jahr endet. Der Allgemeine Pfarrkonvent hatte Bischof Voigt und Pfarrer Markus Nietzke für die Wahl nominiert. Auf Voigt entfielen bei der Bischofswahl in Stadthagen 30 Stimmen, Nietzke erhielt 17 Stimmen.

Bischof Voigt

In seiner Rede vor der Synode am Nachmittag vor der am Abend durchgeführten Bischofswahl sagte Voigt, er sei gerne Bischof; Gemeindebesuche, die Arbeit in der Kirchenleitung, Treffen mit Jugendlichen, die Vertretung der Kirche nach außen: All dies tue er gern, und er habe in den zwölf Jahren seiner Amtszeit auch Einiges zusätzlich über Seelsorge gelernt. Gleichzeitig tue er aber nach wie vor auch all das gern, was ein Gemeindepfarrer tue: insbesondere predigen, Gottesdienste leiten.

Voigt ging in seiner Rede auf Fragen ein, die Synodale im Vorfeld schriftlich hatten einreichen können. So erklärte er zur Frage der Ordination von Frauen, er halte diese für nicht schrift- und bekenntnisgemäß. Er betonte gleichzeitig, es gelte, die theologische Debatte darüber sehr differenziert zu führen, und er sei sehr dankbar, dass dies in der SELK auch der Fall sei. „Ich bin der festen Überzeugung“, so der Bischof, „wenn es uns gelingt, in Geduld einander zuzuhören und zu beten, dann legt Gott vielleicht der nächsten Generation die richtigen Antworten ganz leicht in den Schoß.“ Das habe es immer wieder in der Geschichte gegeben. Er wies darauf hin, dass die Kirchen, die Frauen ordinieren, weltweit gesehen eine absolute Minderheit von etwa nur einem Viertel darstellten.

Im Hinblick auf die Strukturdebatten und Kürzungen von Pfarrstellen, erklärte Voigt, die Mitverantwortung von Gemeindegliedern für den Gottesdienst sei immens. Als Beispiel aus der Geschichte wies er darauf hin, dass es während der Verfolgung von Lutheranern in Schlesien und Pommern Laien gewesen seien, die die Kirche menschlich hindurchgetragen hätten mit Lektoren-Gottesdiensten im Wald, während die Pfarrer im Gefängnis saßen. „Da kommen wir her, und ich bin dankbar für die vielen Laien, die unseren Gemeinden heute dienen.“ Theologisch gesehen und vor dem Bekenntnis der Kirche ökumenisch verantwortet sei es in der SELK aber völlig unbestritten, dass für die Sakramentsverwaltung, für die Predigt und für die Absolution die Ordination notwendig sei.

Voigt erklärte, dass die Kirche nur das Geld ausgeben könne, das sie einnehme. Er wies auf die Jerusalemer Urgemeinde hin, die alles verkaufte, was sie an Besitz hatte, und in großen Mangel fiel, sodass der Apostel Paulus eine große Sammlung und Kollekte erbitten musste. „Auch in der Kirche gilt die Unterscheidung der zwei Reiche“, sagte Bischof Voigt: „Auf der einen Seite gilt, dass wir Gott alles zutrauen. Auf der anderen Seite können wir nicht mehr Geld ausgeben, als wir einnehmen.“

Der leitende Geistliche äußerte sich auch zu der Frage, wie Menschen, die der Kirche distanziert gegenüberstünden bzw. ihr den Rücken gekehrt hätten, anzusprechen wären. Die entscheidende Frage dabei sei, so Voigt, wie es Pfarrern und verantwortlichen Gemeindegliedern gelinge, so vom Glauben zu reden, dass junge Leute ihnen anmerkten, wie wichtig ihnen selbst der Glaube für ihr Leben sei. „Meine Frage dabei ist, wie wir die Strahlkraft unseres lutherischen Glaubens wieder zum Leuchten bringen: dass wir zum Beispiel Gerechte und Sünder zugleich sind oder dass wir Leib und Blut Christi im Abendmahl empfangen.“

KandidatenIn Bezug auf das Profil als konkordienlutherische Bekenntniskirche und der Einbindung in die Ökumene wies Voigt unter anderem auf den Verständigungsprozess mit den Kirchen der Union hin. „Zugleich sind wir auf dem Weg, die kirchliche Gemeinschaft innerhalb des Bekenntnisluthertums zu stärken“, sagte der Bischof. „Es ist tatsächlich so, dass die zunehmende Marginalisierung des christlichen Glaubens die Kirchen stärker verbinden wird“, ist Voigt überzeugt. „Als Kirche können und wollen wir dabei aber nicht auf theologische Genauigkeit und Profil verzichten.“ Das eine schließe das andere nicht aus, betonte Voigt und verdeutlichte dies mit dem Beispiel eines Ärztekongresses: „Wenn ein Kardiologenkongress sich über die Bedeutung irgendeines kleinen ‚Gefäßchens‘ streitet, wird man ihm auch nicht vorwerfen, kleinkariert zu sein, während Leute auf der Straße verbluten. Erste Hilfe und medizinische Genauigkeit gehören ebenso zusammen, wie Verkündigung und theologische Genauigkeit.“

Abschließend sagte Voigt, zu Beginn seines Dienstes als Bischof habe er Mission, das Weitersagen des Glaubens, als wichtigste Aufgabe der Kirche und seines Dienstes benannt. „Gott hat dies völlig anders gesegnet, als wir damals sehen konnten, indem er Menschen aus anderen Ländern in zahlreiche unserer Gemeinden geführt hat“, so Voigt. „Migration wird für Europa und damit auch für unsere Gesellschaft die zentrale Herausforderung der nächsten Dekade sein“, sagte der Bischof. Insofern bleibe die Mission im Verbund mit der Diakonie die zentrale Aufgabe der Kirche und seines Dienstes in der Kirche.


Foto, von links: Pfarrer Markus Nietzke und Bischof Hans-Jörg Voigt D.D.

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