Diakonie-Sonntag


13. Sonntag nach Trinitatis: Diakonie-Sonntag*

Diakonie-Sonntag

Was macht das „Diakonische Gesicht“ einer Gemeinde aus?

Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Diakoniegesicht… schön, wenn das so einfach wäre, oder?  Obwohl: Augen, Nase und Mund sind auf jeden Fall eine gute Grundausstattung, wenn es um die praktisch tätige Nächstenliebe (= Diakonie) geht.

Denn vor allen Projekten und Aktionen, Beauftragungen und Arbeitsgruppen steht das Wahrnehmen: Mit offenen Augen umschauen, hinsehen und erkennen: was ist hier bei uns eigentlich gerade „dran“? Gibt es eine bestimmte Problemlage, etwas, das auf den Nägeln brennt, eine Gruppe von Menschen (innerhalb oder außerhalb der Gemeinde?), die ins Auge fällt und im Gehirn (das nicht wirklich Teil des Gesichtes ist -- aber ohne das kommen wir einfach nicht weiter!) den Entschluss auslöst „Hier muss etwas passieren!“?

Zu dieser Wahrnehmung leisten die Ohren einen wichtigen Beitrag: sich umhören und Bescheidwissen: Was machen eigentlich die anderen – und wie? Es hätte wohl wenig Sinn, im Bereich einer Kleinstadt die dritte Suppenküche zu eröffnen, während eine große Schar älterer Menschen weiter unbesucht bleibt …

Und wenn Sie gesehen und entschieden haben, was „dran“ ist, geht es mit den Ohren weiter.  Eine wichtige diakonische Fähigkeit ist das Aushalten auch von Klage. Diakonische Ohren können das hören und dem Raum geben, ohne sofort an die Hände weiterzugeben, die fertige Konzepte und Lösungen aus der Tasche ziehen. Zusammen nach Wegen zu suchen, hat später seinen Platz.

Damit Diakonie keine stumme Angelegenheit wird, hat sie einen Mund und braucht sie den Austausch. Zum einen untereinander: Wie ergeht es dem anderen mit seinem Einsatz, braucht er Mut, Trost oder auch eine freundliche Bremse? Vor allem aber das Beten, Bitten, Loben und Klagen zu unserem Gott, der Begründer und Anstifter aller Diakonie ist und unser Tun und Denken mit seinem Segen begleiten will – auch durch Durstrecken hindurch. Natürlich gehört die Fürbitte für den Nächsten ebenso dazu wie die Bitte um Kraft, Mut und Ideen für unser Handeln. Auch für offene Augen und Ohren kann man beten …

Eigentlich ist es doch ganz einfach. Auch mit der „Augen - Ohren - Mund - Grundausstattung“ kommen wir schon in Gang, und dabei ist vieles, das ein Gesicht erst richtig interessant macht, noch unerwähnt: interessiert hochgezogene Augenbrauen, ein energisches Kinn oder die Nase für die sehr feinen Nuancen …

Ein diakonisches Gesicht ist sicher nett, und wenn es ein freundliches Lächeln ausstrahlt, ist schon manches gewonnen – Aber: Aus gutem Grund (1. Korinther 12) vergleichen wir die Kirche und christliche Gemeinde gerne mit dem ganzen menschlichen Körper.

Also: keine Diakonie ohne Herz (Begeisterung – oder doch wenigstens freundliches Interesse für den Nächsten) und Hirn (sowieso nie ohne, außerdem zum Bewusstwerden: „Was wollen und können wir schaffen?“) und Hände (Zugreifen, Hände halten, Schweiß abwischen – auch mal den eigenen von der Stirn!) und Füße (Hingehen zu den Menschen, sie dort aufsuchen, wo sie gerade sind)!

Wie wäre es, wenn auf diese Weise, unter Beteiligung aller Glieder, eine diakonische Grundstimmung in die Gemeinde einzöge? Eine Atmosphäre, geprägt von Aufmerksamkeit und Vertrauen; wo man ausspricht, was fehlt – ohne Angst, dabei eine Schwäche einzugestehen; wo man sich regelmäßig austauscht über Handlungsbedarf vor der eigenen Haustür; wo man um seine Stärken und Ressourcen weiß und sich traut, diese einzusetzen … Dann wären die Aktionen und Projekte kein Problem, sondern einfach eine Selbstverständlichkeit. Weil es dran ist und gut tut.

So selbstverständlich, wie jede Person und auch jede Gemeinde ein Gesicht hat. Dass es da ist, ist überhaupt keine Frage - nur die passende Pflege, um es zu Strahlen zu bringen und Falten vorzubeugen, erfordert Aufmerksamkeit und Zeit und Energie.

Ein strahlendes Lächeln ins Gesicht wünscht Ihnen

Barbara Hauschild
Diakoniedirektorin der SELK


*) Der 13. Sonntag nach Trinitatis ist mit seinen Inhalten besonders dem Thema „Diakonie“ gewidmet. Selbstverständlich kann auch an anderen Sonntagen im Kirchenjahr ein „Diakonie-Sonntag“ gefeiert werden.

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