Epiphanias


„Was fürchtst du, Feind Herodes, sehr, dass uns geborn kommt Christ der Herr?“
Wie ein Lied Liturgiegeschichte erzählt

Epiphanias

Das Fest der Erscheinung Christi (Epiphanias; von griech. ἐπιφάνεια epipháneia = Erscheinung), das die Kirche des Westens am 6. Januar begeht, ist - modern gesprochen - so etwas wie eine Zip-Datei: „Ausgepackt“ lassen sich ganz verschiedene Ursprünge und Anlässe entdecken.

Epiphanias und die Geburt Christi (also Weihnachten) wurden ursprünglich am 6. Januar als ein Fest gefeiert. In der Apostolischen Kirche Armeniens ist das bis heute der Fall. Da für die armenischen Christen im Heiligen Land der julianische Kalender gilt, wird dort Weihnachten zusammen mit dem Fest der Taufe Christi als Epiphanias am julianischen 6. Januar, nach gregorianischem Kalender am 19. Januar begangen.

AnbetungIm Jahr 432 wurde in der (west-)römischen Staatskirche das Fest der Geburt Jesu Christi auf den 25. Dezember verlegt. Das Fest der Erscheinung, bei dem die Anbetung des neugeborenen Kindes von Bethlehem durch die Weisen aus dem Osten, dem Morgenland, später diese Weisen (Könige) selbst, in den Mittelpunkt rückte, blieb dem 6. Januar zugeordnet.

Ein alter lateinischer Epiphanias-Hymnus aus dem 5. Jahrhundert „Hostis Herodes impie“, den Martin Luther 1541 ins Deutsche übertragen hat, spiegelt diese liturgiegeschichtlichen Entwicklungen bis heute wieder:

Die erste Strophe nimmt die Geburt Jesu und die Geschichte des bethlehemitischen Kindermordes durch König Herodes in den Blick. Bis heute feiert auch die evangelisch-lutherische Kirche drei Tage nach Weihnachten, am 28. Dezember, dieses Ereignis als den „Tag der unschuldigen Kinder“.

Die zweite Strophe ist den Weisen aus dem Osten gewidmet, die dem Stern zur Krippe von Bethlehem folgten, dem neugeborenen Messiaskönig huldigten und ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenke darbrachten. Aus diesen drei wertvollen Geschenken konstruierte der Volksglaube die Vorstellung, dass es sich bei diesen Weisen um exakt drei Personen gehandelt habe, die man sich nur als Könige vorstellen konnte und ihnen die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar beilegte. Die Königs-Idee hatte allerdings auch biblische Wurzeln: Im 72. Psalm, bis heute der Introitus zu Epiphanias, besingt die „Könige von Tarsis, Saba und Scheba, die vor dem Königssohn niederfallen und Geschenke und Gaben bringen.

TaufeDie dritte Strophe besingt die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer. Auch dies ein Aspekt des ursprünglichen Epiphanias-Christgeburts-Festes. In den Ostkirchen, in denen die Geburt Christi, seine Erscheinung und die Taufe Jesu am 6. Januar an einem einzigen Festtag begangen wird, wird die Taufe Jesus zugleich als „Offenbarung der allerheiligsten Dreifaltigkeit“, also gewissermaßen als Trinitatisfest begangen: Der Sohn im Jordan, die Stimme des Vaters aus den Wolken, die Taube des Heiligen Geistes.

Die vierte Strophe erwähnt das „Wunderwerk, das neu geschah“, das erste Wunder, das Jesus in der Öffentlichkeit wirkte und dadurch als Sohn Gottes, als Messias, als das Licht der Welt „erschienen“ ist: In Kana verwandelte Jesus Wasser in Wein.

Die fünfte Strophe fasst als Lob des dreieinigen Gottes das Geheimnis der Menschwerdung des ewigen Wortes noch einmal trinitarisch zusammen.

KanaDie ersten vier Strophen lassen sich im Blick auf die Tagesevangelien auch dem 25. bzw. 28. Dezember, dem 6. Januar, dem 1. und 2. Sonntag nach Epiphanias kirchenkalendarisch zuordnen:

Am 25. Dezember ist Lukas 2, die Weihnachtsgeschichte das Festevangelium.

Am 28. Dezember ist es Matthäus 2, der Bericht von der Flucht der heiligen Familie nach Ägypten und dem Kindermord von Bethlehem.

Am 6. Januar folgt das Evangelium von den Weisen aus dem Osten, dem Stern von Bethlehem und der Anbetung der heidnischen Weisen als Repräsentanten der (nichtjüdischen) „Völker“. Daher ist Epiphanias auch thematisch so eng mit dem Missionsgedanken verknüpft: In den Weisen sah man die ersten Heiden, die an Christus glaubten und das Evangelium in alle Welt trugen.

Der 1. Sonntag nach Epiphanias wird zugleich als Fest der Taufe Jesu begangen: Das Tagesevanglium Matthäus 3 von der Taufe Jesu im Jordan weist darauf hin.

Und am 2. Sonntag nach Epiphanias schließt sich dieser Weihnachts-Erscheinungszyklus mit dem Evangelium Johannes 2, der Hochzeit von Kana, dem ersten öffentlichen Wunder Jesu.

Es lohnt sich, dieses Lied „Was fürchtst du, Feind Herodes, sehr, dass uns geborn kommt Christ der Herr?“ (ELKG 423) zu bedenken und vor allem auch zu singen! Der jeweils eigene Reichtum der Frömmigkeit der Ost- und der Westkirche wird hier gewissermaßen ökumenischen zusammen geführt.

Mit Bedauern ist anzumerken, dass dieser alte Hymnus im Entwurf des neuen Gesangbuches der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche nicht mehr vorgesehen ist und damit wohl bald in Vergessenheit geraten wird.

Der Regionalteil der Bistümer Berlin, Dresden-Meißen, Görlitz und Magdeburg des neuen römisch-katholischen Gesang-und Gebetbuches „Gotteslob“ verzeichnet unter der Nummer 745 ein Epiphaniaslied („Heute ist erschienen Gottes Herrlichkeit“) aus den 40-er Jahren des 20. Jahrhunderts, das in ähnlicher Weise die Weihnachts-und Epiphaniasthemen aufgreift.


Was fürchtst du, Feind Herodes, sehr (ELKG 423)

BibelWas fürchtst du, Feind Herodes, sehr, dass uns geborn kommt Christ der Herr? Er sucht kein sterblich Königreich, der zu uns bringt sein Himmelreich.

Dem Stern die Weisen folgen nach, solch Licht zum rechten Licht sie bracht. Sie zeigen mit den Gaben drei, dies Kind Gott, Mensch und König sei.

Die Tauf im Jordan an sich nahm das himmelische Gotteslamm, dadurch, der nie ein Sünde tat, von Sünden uns gewaschen hat.

Ein Wunderwerk da neu geschah: sechs steinern Krüge man da sah voll Wassers, das verlor sein Art, roter Wein durch sein Wort draus ward.

Lob, Ehr und Dank sei dir gesagt, Christ, geborn von der reinen Magd, mit Vater und dem Heilgen Geist, von nun an bis in Ewigkeit.

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