Fastenzeit 2019


Die Lücke sinnvoll füllen


Fastenzeit

Fasten – der Begriff leitet sich ab vom lateinischen „Fasti“. Das waren die Tage im Jahr, in denen man Klage einreichen konnte, die Tage, in denen im „alten Rom“ die Prätoren nach göttlichem Recht Gericht hielten. Klingt ziemlich düster und unfroh.

Lutherische Christen verbinden mit „Fasten“ möglicherweise spontan das Verständnis von Verzichts- und Selbstkasteiungsübungen, die „verdienstlichen“ Charakter haben, also dazu dienen sollen, sich vor Gott durch eigene Leistung Rechtfertigung, Erlösung, Seligkeit zu erwerben. Fasten – das scheint also nur etwas für die zu sein, die nicht verstanden haben, was „Rechtfertigung allein aus Gnade“ bedeutet.

Der wohl bekannteste Satz zu lutherischem Fastenverständnis dürfte aus dem Kleinen Katechismus Martin Luthers stammen. Da heißt es im Zusammenhang des 4. Artikels zum Heiligen Altarsakrament auf die Frage:
„Wer empfängt denn solch Sakrament würdiglich?
Fasten und leiblich sich bereiten ist wohl eine feine äußerliche Zucht; aber der ist recht würdig und wohl geschickt, wer den Glauben hat an diese Worte: »Für euch gegeben« und »vergossen zur Vergebung der Sünden.« Wer aber diesen Worten nicht glaubt oder zweifelt, der ist unwürdig und ungeschickt; denn das Wort: »Für euch« fordert eitel gläubige Herzen.“

Das Fasten wird also nicht abgelehnt, verworfen oder verächtlich gemacht, sondern als eine feine äußerliche Zucht bezeichnet.
Klar: Im Blick auf das ewige Heil, auf die Rechtfertigung des Sünders vor Gott kann dem Fasten, wie auch allen anderen guten Werken jedoch keine Bedeutung zuerkannt werden. Unser Heil, unsere Rechtfertigung erfolgt nicht aufgrund unserer Anstrengungen, Leistungen, Verdienste oder Werke, sondern sola gratia Dei, allein durch die Gnade Gottes.

In Luthers Großem Katechismus heißt es: „Fasten und Beten usw. mag wohl eine äußerliche Bereitung und Kinderübung sein, dass sich der Leib züchtig und ehrerbietig gegen den Leib und Blut Christi verhält und gebärdet; aber was darin und damit gegeben wird, kann der Leib nicht fassen noch zu sich bringen. Der Glaube aber des Herzens tuts, der da solchen Schatz erkennet und seiner begehret. Das sei genug, so viel zum allgemeinen Unterricht von diesem Sakrament not ist; denn was weiter davon zu sagen ist, gehört auf eine andere Zeit.“

Der Glaube aber des Herzens tuts. Dieser Glaube braucht immer wieder ein „Gewächshaus“, einen Schutz- und Freiraum, in dem er gedüngt, begossen, umgraben wird mit dem Licht, dem Wasser, der Nährkraft des Wortes Gottes.

Fasten heißt Verzicht. Verzicht lässt eine Lücke entstehen. Die Lücke „an sich“ ist aber nicht Ziel und Zweck des Fastens. Es geht also beim Fasten nicht darum, durch Verzicht eine Lücke um der Lücke willen entstehen zu lassen, nicht um „Sieben Wochen ohne“, sondern um die Frage: „Sieben Wochen ohne, wozu?“ Also um: „Sieben Wochen mit“.

Passionszeit ist traditionell auch Fastenzeit. Der bewusste Verzicht ist ein sinnvoller Begleiter des Bedenkens der Passion (= des Leidens) Christi und kann der Besinnung Gestalt geben. Mit „7 Wochen mit“ setzt die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) bewusst einen ergänzenden Akzent: Wir wollen Gelegenheit geben, das „Mehr“ Gottes wieder neu und bewusst in den Blick zu nehmen: Die vermeintliche Niederlage Christi wandelt sich in Gewinn: Nicht der Tod behält die Oberhand. Das Leben siegt! Gott will uns in unserem persönlichen Leben wie im Leben als Gemeinde reich machen. In der Begegnung mit ihm kommen wir zur Ruhe, können ihm Anteil geben an Freud und Leid, erleben seine Nähe, hören, was er uns zu sagen hat, empfangen Wegweisung und Segen.

„7 Wochen mit“ ist ein Projekt, das die Verbundenheit der Christinnen und Christen stärken will: An jedem Tag der siebenwöchigen Passionszeit findet in einer der dem Programm angeschlossenen Gemeinden ein Gottesdienst oder eine Andacht statt, der/die unter dem Motto „7 Wochen mit“ einige, wenige verbindlich-verbindende Elemente aufgreift und ansonsten frei und kreativ gestaltet werden kann. Zugleich möchte „7 Wochen mit“ durch diese Gottesdienste und Andachten, aber auch durch Materialien (unter www.7wochen.de) zur persönlichen Einkehr und Besinnung auf das Leiden und Sterben Christi einladen.


Foto: Fastentuch
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