Zurück im Dienst

Christian Utpatel arbeitet wieder als Gemeindepfarrer

Seit dem 1. Juni 2021 ist Pfarrer Christian Utpatel wieder im hauptamtlichen Dienst der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) tätig und arbeitet – auf eigenen Wunsch zunächst in einem Teildienstverhältnis – im Pfarrbezirk Homberg (Efze)/Berge-Unshausen/Melsungen/Schlierbach. Nachdem er zuvor zehn Jahre als Hauptjugendpastor der SELK tätig gewesen war, ist Utpatel 2007 aus dem hauptamtlichen Dienst ausgeschieden, um sich beruflich anders zu orientieren. Die Rückkehr in den Dienst nahm das Team von selk.de zum Anlass für ein Interview.

Christian Utpatel
 
SELK.de: Herr Pfarrer Utpatel, Sie sind mit dem 1. Juni nach mehr als 13 Jahren zurückgekehrt in den hauptamtlichen Dienst der SELK. Zum 31.10.2007 waren Sie nach 10-jähriger Amtszeit als Hauptjugendpastor ausgeschieden. Was haben Sie seitdem beruflich gemacht?


Utpatel: Ich war zunächst Mitgesellschafter eines Bus- und Reiseunternehmens in Kassel. Dort wurden vor allem Klassenfahrten und Jugendreisen gemacht. Das war eine interessante Zeit, sozusagen meine Umschulung vom Pfarrer zum Geschäftsmann. Nach zwei Jahren habe ich dann ein eigenes Unternehmen gegründet, die Terra Lu Travel & Consult GmbH. Wir organisieren Reisen für Gruppen, die aus dem Ausland nach Europa kommen, vorwiegend aus Nordamerika und Australien. Wir arbeiten für Reiseveranstalter, deren Kunden oftmals Kirchengemeinden sind, die auf den Spuren der Reformation durch „Terra Lutherana“ reisen wollen. Aber daneben gibt es auch Freizeit- und Kulturreisen. Da gehören dann auch Städte wie Prag, Salzburg und Florenz sowie Schloss Neuschwanstein und das Hofbräuhaus zu den Zielen.

SELK.de: Was war der Anlass dafür, jetzt wieder in den hauptamtlichen Dienst zurückzukehren?

Utpatel: Es war ein Fülle von Gesprächen und Ereignissen. Ich bin ja nie wirklich weit weg gewesen. Zu vielen Reisen meiner Firma gehören Gottesdienste und Andachten. Rund ums Reformationsjubiläum haben wir sieben „Luther500 Festivals“ durchgeführt und werden auch 2022 eines in Wittenberg und Worms machen. Ich habe meine Firma immer auch als eine Form von Verkündigung gesehen. In den letzten Monaten kamen persönliche Erlebnisse dazu. Einmal war ich auf einer USA-Reise bei einer katholischen Gemeinde zu Besuch, und der Pfarrer dort hat mich sehr inspiriert. Später waren es Gespräche mit Freunden. Als im Herbst die Gemeinden Homberg und Schlierbach vakant wurden, richteten sich die Augen auf mich. Und dieses Mal habe ich mich auf Gespräche eingelassen. Beim Bischof und der Kirchenleitung traf ich auf offene Arme. Gerade jetzt, nach Corona, braucht unsere Gesellschaft stabile Kirchengemeinden. Außerdem war mir bewusst, dass ich in einem Alter bin, wo ein beruflicher Neubeginn gerade noch möglich ist. Ich hatte immer tiefen Respekt vor den Aufgaben eines Gemeindepfarrers. Woche um Woche die Menschen zu begleiten ist eine große Herausforderung. Aber am Ende kam alles so zusammen, dass ich sagen konnte: So soll es nun sein. Jemand sagte: „Endlich bist du angekommen!“

SELK.de: Zunächst geschieht Ihr Dienst für anderthalb Jahre in einem Teildienstverhältnis („halbe Stelle“): Warum?

Utpatel: Mein Unternehmen hat noch weitreichende Reiseprojekte unter Vertrag, vor allem 2022 rund um die Passionsspiele in Oberammergau. Das wird ein ganz wichtiges Jahr für den Tourismus in Deutschland, besonders nach der monatelangen Pause. Ich habe ein großartiges Team, das diese Reisen plant und durchführt, aber ich werde auch noch im Tagesgeschäft dabei sein. Deswegen erstmal nur eine halbe Stelle im Pfarramt. Das Gute ist, dass der Firmensitz in Homberg nur eine Straße von der Kirche entfernt ist – hier in der romantischen Altstadt können wir alles ganz einfach miteinander verbinden.

SELK.de: Sie sind im seit Langem heimischen Pfarrbezirk tätig – ein Heimspiel, sozusagen, aber auch eine besondere Situation. Wie erleben Sie diese Konstellation?

Utpatel: Pfarrer zu sein ist nochmal etwas ganz anderes. Schon kurz nachdem die Entscheidung öffentlich wurde, habe ich gespürt, dass man mir eine neue Rolle gibt. Natürlich kennen viele Gemeindeglieder mich seit vielen Jahren. Aber die wirklich ernsthaften Gespräche, das, was man nur bei geschlossener Wohnzimmertür bespricht, ist nochmal wie ein neues Kennenlernen. Und damit ging es schon sofort los. Ich bin getragen von einer großen Welle der Sympathie und des Vertrauens. Da ich Stadtverordneter war und nun meine politischen Ämter niedergelegt habe, hat mein beruflicher Wechsel auch im Städtchen für Aufmerksamkeit gesorgt. Menschen auch aus dem Rand der Gemeinde sowie aus der Ökumene haben ihre Freude über diesen Wechsel ausgedrückt. Nun bin ich Pfarrer in der Reformationsstadt Hessens und sehe alles aus einer ganz neuen Perspektive.

SELK.de: Sie haben auch in der Zwischenzeit als aktives Kirchglied und Kirchenvorsteher Ihrer Gemeinde kirchliches Leben wahrgenommen und gestaltet. Worin sehen Sie die Hauptherausforderungen für die SELK in dieser Zeit?

Utpatel: Es steht mir nicht zu, „der SELK“ irgendwelche Ratschläge zu geben. Aber die Schäden der Coronabekämpfung sind immens, für die Gemeinden und die gesamte Gesellschaft. Das ganze Ausmaß wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Es ist eine große Herausforderung für alle Kirchen, und natürlich auch für die SELK, wieder Vertrauen zwischen den Menschen zu schaffen. Wir werden große Mühe haben, wenigstens wieder die Kerngemeinde zu aktivieren und alle Gemeindekreise und Chöre neu zu starten. Zugleich leben wir in einer verängstigten Gesellschaft, denn von diesen Schäden ist die ganze Geschäftswelt, jede Schule und jeder Verein betroffen. Der Bischof sprach mal von einer Reha-Phase, wie nach einer schweren Krankheit. Das ist ein gutes Bild. Wir müssen da sein, zuhören, Geduld haben, neue Ideen entwickeln. Bis wir wieder Schulter an Schulter in der Kirchenbank sitzen, bis wir wieder aus voller Kehle singen, bis wir es uns wieder trauen, aus einem Kelch zu trinken, wird es ein langer Weg sein. Ich hoffe, dass unsere Gemeinden für die Menschen wie ein sicherer Hafen sein können.

SELK.de: Zum Schluss noch eine eher persönlich-geistliche Frage: Haben Sie ein Bibelwort, das besonders mit Ihnen geht?

Utpatel: Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch unsere Biografien noch das, worunter wir leiden oder worüber wir uns freuen, noch das, was uns in unserem Leben durcheinander bringt, und auch kein Virus – nichts, aber auch gar nichts uns trennen kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. (Römer 8, 38 + 39 – mit Einschüben)

SELK.de: Vielen Dank für das Interview und Gottes Segen für Ihren Dienst und für Sie persönlich!

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