Church@home (Kirche zuhause)

 
In dieser Zeit der Coronavirus-Krise sind die Möglichkeiten der Gemeinden stark beschnitten. Aber es gibt viele Alternativen zu dem vertrauten Programm. Pastoralreferentin Dr. Andrea Grünhagen, Referentin für Theologie und Kirche im Kirchenbüro der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Hannover, stellt im Folgenden das Projekt Church@home (Kirche zuhause) vor und fügt konkrete Gestaltungmöglichkeiten für den kommenden Sonntag an.

Achtung: neue Gestaltungshilfe für den kommenden Sonntag Palmarum (05.04.2020) siehe unten.


Kirche zuhause

Worum geht es?


Liebe Leserinnen und Leser,

Andrea Grünhagenaufgrund der aktuellen Umstände, die es momentan verunmöglichen, sich zu Gottesdiensten und Andachten zu versammeln, können Sie auf unserer Homepage unter dem Menüpunkt „Angedacht“ nicht nur einen sonn- und feiertäglich wechselnden geistlichen Impuls lesen, sondern Sie werden an hier dieser Stelle auch Gestaltungsvorschläge für einen Hausgottesdienst finden. Für die Durchführung eines Hausgottesdienstes ist das Vorhandensein einer Hausgemeinde, sprich einer Familie oder Wohngemeinschaft, nicht zwingend erforderlich. Ich möchte ausdrücklich auch alle ermutigen, die allein leben, für sich eine Andacht am Sonntag zu gestalten. Auch für Familien mit Kindern wird es Anregungen geben; die Passions- und Osterzeit lädt ja geradezu dazu ein, familiäre Kindergottesdienste zu gestalten.

Natürlich ist allen bewusst, dass in dieser herausfordernden Zeit bei vielen Menschen zunächst einmal die Notwendigkeiten der Organisation des täglichen Lebens im Vordergrund stehen und stehen müssen. Dazu sind wir gerade alle gezwungen, uns mit unseren Sorgen und Ängsten auseinanderzusetzen. Das Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens bedeutet Einsamkeit aushalten zu müssen und damit umzugehen, dass Ablenkungen und Vergnügungen erst einmal ausfallen. Das wiederum verstärkt unter Umständen Ängste.

Als Christen werden wir ruhig und besonnen mit dem umgehen, was auf uns zukommt. Wir achten verantwortungsvoll auf uns selbst und unsere Nächsten und leisten Hilfe, wo jemand in unserem Umfeld Hilfe braucht. Als Kirche tun wir jetzt, was wir als Kirche zu tun haben. Wir sorgen für die Seelen.

Viele verschiedene Möglichkeiten gibt es, im Fernsehen oder im Internet virtuell an Gottesdiensten teilzunehmen. Auch aus der SELK finden sich gute Angebote. Das Angebot hier will eine Möglichkeit sein, auch Menschen zu erreichen und geistlich zu unterstützen, die ein analoges Angebot brauchen oder wünschen. Man kann sich natürlich einen Predigtpodcast im Internet anhören. Man kann aber noch viel mehr tun! Und das, was wir tun können, ist richtig viel. Darum: besinnen Sie sich auf ihre Gaben und Aufgaben als getaufte und konfirmierte Christen und übernehmen Sie jetzt Verantwortung! Sie könnten beispielsweise diese Gestaltungsvorschläge und/oder „Angedacht“ und das Material unserer Kirche, das unter www.7wochen.de abrufbar ist jeweils ausdrucken und an Gemeindeglieder ohne Internet weitergeben. Besonders natürlich an die Kranken. Schauen Sie doch mal, was Sie vielleicht noch an Bibellesehilfen oder Andachtsbüchern besitzen? Momentan kann noch niemand sagen, auf welche Zeiträume genau wir uns bei der Coronavirus-Krise einstellen müssen. Das gesellschaftliche Leben ist teilweise eingeschränkt und kann schnell ganz eingeschränkt werden. Dann ist es ein unschätzbarer Vorteil für uns als Christen, dass die Tage und Wochen sich durch Andachten und Gottesdienste gliedern lassen. Bevor uns allen buchstäblich „die Decke auf den Kopf fällt“, lassen Sie uns aktiv werden!


Wie könnte das also aussehen?


Äußere Gestaltung:

Gerade wenn sich Anregungen von außen reduzieren, kommt es darauf anderen, selbst etwas zu gestalten. Bauen Sie doch für sich eine „Andachtsecke“ auf. Man könnte eine Kerze aufstellen, ggf. auch eine von der elektrischen Sorte, bei Kranken und sehr betagten Menschen ist das vielleicht die bessere Lösung. Blumen oder Zweige oder das, was vorhanden ist, kommt dazu. So man hat, stellt man ein Kreuz dazu oder legt es daneben. Vielleicht haben Sie auch ein Bild, eine Postkarte oder einen anderen Gegenstand mit christlichem Inhalt. Richtig geschickt wäre es, wenn Sie verschiedene Bilder und Symbole besäßen, die von Sonntag zu Sonntag wechseln.

Musikalische Gestaltung:

Was haben Sie an Gesangbüchern und anderen Liederbüchern? Finden sich womöglich CDs mit passender Musik? Wenn man sich nicht allein zu singen traut oder kein Gesangbuch hat, gibt es auch auf youtube ganz viele Lieder zu Nachhören und mitsingen. Vielleicht spielen Sie ja selbst ein Instrument? Man kann übrigens auch als Einzelperson singen. Oder man überlässt älteren Kindern und Jugendlichen mal die Liedauswahl.

Inhaltliche Gestaltung:

Ein Hausgottesdienst ist nicht sehr schwer zu feiern. Man singt soviel man möchte. Man liest den Wochenpsalm (findet sich auch im SELK Gesangbuch als Introitus), ein bis drei biblische Lesungen, liest eine Andacht vor, betet das Vaterunser und hält Fürbitte. Das Ganze schließt dann mit einer Bitte um den Segen Gottes. Alle nötigen Angaben zu Lesungen und Liedvorschläge finden Sie hier.

Gestaltungsmöglichkeiten für Kinder:

Sicher besitzen Sie eine Kinderbibel. Überlegen Sie, was es darüber hinaus an Malbüchern, Puzzeln, CDs mit christlichem Inhalt vielleicht gibt bei Ihnen. Oder schauen Sie im Internet nach, Suchbegriff „Kindergottesdienst“. Kinder auf die Dauer im Haus zu beschäftigen, verlangt Ihnen als Eltern sehr viel ab. Da bietet ein „Kindergottesdienst zuhause“ etwas Abwechslung und vor allem die Gewissheit, bei unserem himmlischen Vater geborgen zu sein.


Vorschläge für den Sonntag Palmarum, 05. April 2020


Lieder:

Jesus zieht in Jerusalem ein
Du hast uns Herr gerufen (Beiheft zum ELKG Nr. 766)
Du großer Schmerzensmann (ELKG 66)
Wie soll ich dich empfangen (ELKG 10)
Seele mach dich heilig auf (ELKG 68)

Lesungen:

Psalm 69 oder ELKG 029
Altes Testament: Jesaja 50,4-9
Epistel: Philipper 2,5-11
Evangelium: Johannes 12,12-19

Gebet:

Barmherziger, ewiger Gott, du hast deinen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben, damit er unsere Sünde trage: gib, dass unser Herz dadurch allezeit getröstet werde und in keiner Anfechtung verzage. Durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
(aus der Evangelisch-lutherischen Kirchenagende für diesen Sonntag)

Fürbitten:

Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, du hast uns geboten, Fürbitte zu tun für alle Menschen.
So bitten wir dich:
Nimm dich deiner Kirche in ihrer Bedrängnis an.
Erbarme dich aller, die durch Irrtum und falsche Lehre verwirrt werden.
Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Wahrheit bleiben und in deinen Verheißungen Trost finden.
Sieh an die Not unseres Landes, das von Krankheit heimgesucht ist.
Sei uns gnädig und schaffe uns Hilfe und Rettung.
Erbarme dich der Menschen in der ganzen Welt, die von der Coronakrise betroffen worden sind.
Steh ihnen bei in ihrer Angst und Not und lindere ihr Leid.
Wir bitten dich für uns alle: Vergib uns unsere Versäumnisse und Verfehlungen.
Steh uns bei in Zweifel und Anfechtung, bewahre uns vor Versuchung.
Leite uns durch deinen Geist in dein ewiges reich.
Dir, dem dreieinigen Gott, sei Preis und Anbetung jetzt und in Ewigkeit. Amen
(aus der Evangelisch-lutherischen Kirchenagende für diesen Sonntag)


Ideen für Familien mit Kindern


Folgende Geschichte könnten erzählt, vorgelesen, gespielt, gemalt … werden:

Lätare: Auferweckung des Lazarus und Entschluss, Jesus zu töten (Joh. 11,1-57)
Judika: Salbung in Bethanien (Joh. 12,1-11)
Palmsonntag: Einzug in Jerusalem (Mt. 21,1-11; Mk. 11,1-10; Lk. 19,29-40)
Gründonnerstag: Fußwaschung (Joh. 13,1-20); Letztes Abendmahl (Lk. 22,7-23; Mk. 14,12-26; Mt. 26,17-30); im Garten Gethsemane (Mk. 14,32-51; Joh. 18,1-11)
Karfreitag: Verurteilung und Kreuzigung (Joh.18,28-42)
Ostersonntag: Auferstehung (Mt. 281-10; Mk. 16,1-8; Lk. 24,1-12; Joh. 20,1-18)
Ostermontag: Emmausjünger (Lk. 24,13-35)
Quasimodogeniti: Der Auferstandene am See Tiberias (Joh. 21,1-14)


Gestaltungsvorschlag für Kinder

Am Palmsonntag ist natürlich der Einzug Jesu in Jerusalem dran. Beim Ostergarten wird nun die Stadt Jerusalem mit Stadttor im Hintergrund aufgebaut. Man könnte den Hintergrund auch auf Pappe malen. Dann braucht man Jesus und einen Esel. Im Zweifelsfall findet sich einer bei den Krippenfiguren. Dazu die Jünger und ganz viel Volk. Wo es möglich ist, können kleine Buchsbaumzweige die Zweige darstellen, es geht aber auch jedes andere Pflanzengrün und im Notfall auch grüne Papierschnipsel. Bei der Menge dürfen natürlich auch Kinder nicht fehlen.
Auch die Andachtsecke sollte an diesem Tag, falls zu bekommen, mit grünen Zweigen geschmückt werden. Die braucht man in den nächsten Tagen ohnehin für einen Osterstrauß. Wenn keine frischen zu bekommen sind, gibt es vielleicht künstliche Dekozweige? Mit Kindern kann man auch bunte Krepppapierstreifen in die Zweige binden.


Hinweis

Haben Sie schon einen Ostergarten aufgebaut oder eine Andachtsecke hergerichtet? Wenn Sie mögen, schicken Sie uns doch Fotos davon, dann können wir auf diese Weise Gemeinschaft haben, wenn wir die Bilder auf der Homepage der SELK veröffentlichen dürfen.

Wenn Sie Fragen haben, schreiben Sie mir bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!



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