Glaubenszuversicht


Interview mit Prof. Dr. Christoph Barnbrock

Professor Dr. Christoph Barnbrock, Lehrstuhlinhaber für Praktische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Oberursel, hat in den Sozialen Medien mit einem neuen Projekt begonnen, das den Namen „glaubenszuversicht“ trägt und der persönlichen Praxis des Glaubens gewidmet ist. Das Team von SELK.de hat ihn dazu befragt.
 

Glaubenszuversicht

SELK.de: Herr Professor Barnbrock, Sie haben ein neues Projekt in den Sozialen Medien gestartet: „glaubenszuversicht“. Bevor wir zu der Idee des Projektes kommen: Was bedeutet für Sie „Glaubenszuversicht“?

Barnbrock: Glaubenszuversicht ist für mich etwas anderes als platter Optimismus oder eine Unbekümmertheit, dass alles schon immer gut gehen wird. Sondern für mich schwingt darin mit, dass sich aus dem Glauben an Jesus Christus immer wieder neue Perspektiven ergeben, selbst dann, wenn ich schwere Zeiten durchmache. Die Gewissheit, dass er für mich da ist und er bei mir ist, schenkt mir selbst dann noch Zuversicht, also einen Ausblick, der mich über die Probleme und Sorgen hinwegschauen lässt.

SELK.de: Welche Konzeption liegt dem neuen Projekt zugrunde?

LogoBarnbrock: Jetzt hätte ich beinahe geantwortet: Gar keine! Aber das ist natürlich nicht ganz richtig – völlig ohne eigene Überlegungen und Gedanken kommt so ein Projekt natürlich nicht zustande. Es ist allerdings so, dass das Ganze keinen riesengroßen Vorlauf gehabt hat. Ich nehme wahr, dass gerade junge Menschen sich von denjenigen, die auf den Sozialen Plattformen unterwegs sind, einiges abschauen. Da habe ich gedacht: Warum sollte man nicht auch ein Projekt anbieten, bei dem man sich was vom Leben eines Christenmenschen, in diesem Fall mir, abschauen kann. (Wohlgemerkt ohne den Anspruch, dass ich ein perfekter oder auch nur besonders vorbildlicher Christ wäre – aber eben ein Christ.)

SELK.de: Welche Hoffnungen verbinden Sie mit diesem Projekt?

Barnbrock: Ich hoffe, dass meine Beiträge dem einen oder der anderen für ihr geistliches Leben mitten im Alltag des 21. Jahrhunderts helfen. Dass einer sagt: „Ach, so kann man das als Christ auch sehen.“ Oder: „In diesen Worten finde ich mich wieder.“ Oder: „Das macht mir Mut, das hilft mir, Vertrauen zu Gott zu fassen.“ Ich schiele dabei nicht auf große Zahlen oder Erfolge. Wenn es eine Handvoll Menschen gibt, die sagen würden, dass das für sie hilfreich ist, würde sich der Aufwand, glaube ich, schon lohnen.

SELK.de: Welche Frequenz für neue Beiträge haben Sie sich vorgenommen?

Barnbrock: Wenn es mir gelingt, würde ich gerne jeden Tag irgendeinen Impuls auf Instagram, Facebook und Twitter veröffentlichen. In den ersten Wochen ist mir das mehr oder weniger gelungen. Ein besonderes Format sind die Videos, die zusätzlich auch auf YouTube hochgeladen werden. Da ist der Aufwand größer. Hier habe ich es bisher nicht viel öfter als einmal pro Woche geschafft. Aber vielleicht ändert sich das auch noch.

SELK.de: Sie wechseln in Ihrem neuen Format zwischen eigenen Texten und Fremdanleihen. Wie kommen Sie auf die Ideen zu eigenen Beiträgen und wie zu den Wortlauten aus anderen Quellen?

Barnbrock: Grundsätzlich handelt es sich auch bei den fremden Texten oder Impulsen, die ich veröffentliche, immer um etwas, was mich selbst angesprochen hat und auch einmal durch mich hindurch gegangen ist. Das war in den ersten Wochen mal ein Gedanke aus einer Predigt, die ich gehört habe, oder ein Anstoß aus einem Buch, in dem ich gerade gelesen habe. Meist sind es dann gar keine direkten Zitate, sondern das Ergebnis, was die fremden Gedanken bei mir ausgelöst und angeregt haben. Und das versuche ich dann in Worte zu fassen. Trotzdem möchte ich natürlich gerne auch festhalten, dass ich den Impuls jemand anderem verdanke. Die eigenen Texte ergeben sich oft einfach. Ein neues Tischgebet habe ich verfasst, weil wir in der Familie das Gefühl hatten, dass die Gebete, die wir bisher verwendet haben, schon etwas „abgebetet“ sind (was ja grundsätzlich etwas sehr Schönes ist) und wir in eine leere Routine verfallen (was dann nicht ganz so schön ist). Andere Texte fließen mir in die Feder beziehungsweise in die Tasten, wenn ich darüber nachdenke, was das Erleben des jeweiligen Tages mit meinem Glauben zu tun hat.

SELK.de: Das Projekt ist frisch gestartet. Gibt es schon erste Beobachtungen, die sich darstellen lassen?

Barnbrock: Ja, ich bin dankbar für eine ganze Reihe von wertschätzenden Rückmeldungen. Offensichtlich gibt es einige Menschen, die an einem solchen Format Interesse haben und mir auch liebevoll kritische Rückmeldungen geben. Das ist wertvoll. Ansonsten merke ich – wie in vielen anderen Bereichen auch –, dass es wichtig ist, fehlerfreundlich mit sich selbst umzugehen und ein Lernender zu bleiben. Längst nicht alles läuft (schon) rund. Manches kann sicher noch verbessert und angepasst werden. Und „Rückschläge“ und Irritationen wird es sicher auch geben. Aber das Schöne ist ja: Das geht vielen anderen, die sich im Netz tummeln, auch so. Und wenn ich warten würde, bis alles perfekt läuft, dann würde ich so etwas nie angehen. Und das wäre ja vielleicht auch schade!

SELK.de: Vielen Dank! Und herzliche Segenswünsche für immer neue Glaubenszuversicht!



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