Der Theologe Hermann Sasse


Kürzlich ist der Reihe der „Oberurseler Hefte. Ergänzungsbände“ der Lutherische Theologischen Hochschule Oberursel der SELK als Band 24 das Buch „Der Theologe Hermann Sasse (1895–1976) Einblicke in seine internationale Wirkung als Exeget, Kirchenhistoriker, Systematiker und Ökumeniker“ erschienen, herausgegeben von SELK-Prof. i.R. Dr Werner Klän D.Litt. (Lübeck). Anlass war die 125. Wiederkehr des Geburtstages von Hermann Sasse. Das Team von SELK.de hat den Herausgeber zu dem 278 Seiten starken Buch mit 13 Aufsätzen befragt.

Buch

SELK.de: Ein Sammelband als Geburtstagsgabe für Hermann Sasse. Was war Ihre Motivation, als Herausgeber eine solche Festgabe zu initiieren?

Klän: Hermann Sasse gehört zu meinen theologischen Lehrern, obwohl ich nie eine seiner Vorlesungen besucht habe. Aber aus seinen Schriften habe ich unendlich viel über den Zusammenhang von klarer konfessioneller Einstellung und bleibendem Wissen um die Einheit der Christenheit gelernt. Der Gedanke an einen Gedenkband entsprang einem Forschungsseminar an der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel, bei dem einige der künftigen Verfasser von Beiträgen zur Festschrift anwesend waren.

SELK.de: Wie lässt sich die bleibende Bedeutung des Theologen Sasse für die Gegenwart beschreiben?

Werner KlänKlän: Hermann Sasse gehört zu den konfessionellen Lutheranern, die im 20. Jahrhundert die Bedeutung des lutherischen Bekenntnisses wiederentdeckt und zu kirchlicher Geltung gebracht haben. Er hatte eine klare lutherische Überzeugung und zugleich ein ausgeprägtes ökumenisches Bewusstsein – im besten Sinn des Wortes. Außerdem gehört er zu den wenigen Lutheranern, die frühzeitig die gottlose und menschenverachtende Natur der nationalsozialistischen Ideologie erkannt und öffentlich kritisiert haben. Auch sein Nachdenken über das Verhältnis Gotteswort und Menschenwort in der Heiligen Schrift oder von christlicher Gemeinde und kirchlichem Dienstamt halte ich immer noch für bedenkenswert.

SELK.de: Welche besondere Bedeutung kommt der konkordienlutherischen SELK als Erinnererin an den „Landeskirchler“ Sasse zu?

Klän: Nun, Hermann Sasse ist ja den Weg von einem persönlich überzeugten Lutheraner innerhalb der Kirche der altpreußischen Union über den Kirchenkampf in den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts in die Evangelisch-Lutherische Kirche Preußens (die „altlutherische“ Kirche) gegangen, bevor er schließlich nach Australien auswanderte und dort unermüdlich für die Vereinigung der damals zwei lutherischen Kirchen zu heutigen Lutherischen Kirche von Australien wirkte. An diesem Werdegang ist abzulesen, wie einer persönliche Bekenntnishaltung sich zur Entdeckung ihrer kirchlichen Bedeutung reift und was daraus – auch an schwierigen und schwerwiegenden Entscheidungen – folgt.

SELK.de: Skizzieren Sie für unsere Leserinnen und Leser bitte kurz Charakter und Vielfalt der Festgabe!

Klän: In diesem Band finden sich Beiträge aus (fast) allen „klassischen“ Fächern der evangelischen Theologie – Auslegungswissenschaft, Kirchengeschichte, Dogmatik, Ökumenik und Praktische Theologie. Darin spiegelt sich die Vielfalt von Hermann Sasses Wirken in Forschung, Lehre und kirchlicher Publizistik. Die Beiträge kommen aus der SELK, auch aus einer Landeskirche und aus unseren Partnerkirchen in Australien, Kanada, den USA und Brasilien. In dieser internationalen Zusammensetzung zeigt sich die breite Wirkung, die Hermann Sasse auf konkordienlutherische Kirche und Theologie in der Welt ausgeübt hat und noch ausübt.

SELK.de: An welches Lesepublikum richtet sich der Band?

Klän: Menschen, die sich für solide Theologie interessieren, die lutherische Kirche schätzen und bei aller bewussten lutherischen Ortsbestimmung noch die Sehnsucht nach der Einheit der Christenheit in der Wahrheit hegen.

SELK.de: Zum Schluss: Gibt es irgendeinen Aspekt / einen Satz / einen Wesenszug … an/von Hermann Sasse, den Sie abschließender in besonderer Weise hervorheben möchten?

Klän: In der Tat finde ich mich in Hermann Sasse Dictum wieder: „Die großen Grunderkenntnisse der Reformation sind nicht das Eigentum einer religiösen Richtung oder einer theologischen Schule, sondern sie gehören, auch wenn sie von einer einzelnen Konfessionskirche gehütet werden, der ganzen Kirche Christi, der einen, heiligen, katholischen Kirche.“

SELK.de: Vielen Dank für dieses Interview!

 

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