Kirchneubau in Sottrum


Die Zionsgemeinde Sottrum der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) baut eine neue Kirche ein neues Gemeindehaus. Die selk.de-Redaktion hat bei Gemeindepfarrer Johannes Rehr Näheres in Erfahrung gebracht.

Sottrum
 
SELK.de: Ihre Gemeinde baut. Beschreiben Sie uns kurz, was entstehen soll!

Rehr: Wir bauen Kirche und Gemeindehaus neu und verlassen dazu unseren Standort. Wir ziehen an den Ortsrand von Sottrum, sind aber noch besser erreichbar als bisher. Nur so war es möglich, ein passendes und vor allem bezahlbares Grundstück zu finden. Unsere Kirche wird Platz bieten für rund 200 Besucher. Im Gemeindehaus planen wir einen teilbaren Saal, 2 Gruppenräume, eine Küche und sanitäre Anlagen. Ganz wichtig sind auch die Begegnungszonen im Foyer und den Fluren. Kirche, sanitäre Anlagen und Gemeinderäume sind in U-Form angeordnet, sodass sich ein sehr attraktiver Innenhof ergibt.

SELK.de: Neue kirchliche Bauten entstehen ja nicht allzu oft. Was hat zu Ihrem Vorhaben geführt?

Rehr: Der entscheidende Grund war, dass unsere Räumlichkeiten schlicht zu klein geworden sind. Das gilt für die Kirche, die Gemeinderäume und den Außenbereich. Unsere Gemeinde ist in den letzten Jahren um circa 30 Prozent gewachsen – insbesondere durch zahlreiche junge Familien mit Kindern. Unsere Gemeinde zählt gegenwärtig 168 Glieder, davon 50 Kinder und Jugendliche. So werden am Sonntag während des Gottesdienstes Kindergottesdienst und Kinderbetreuung in mehreren Gruppen angeboten. Auf unserem jetzigen Grundstück – 1.400 m2 – gibt es kaum Platz für Ballspiele und sonstige Freizeitgestaltung. Daher freuen wir uns, dass unser neues Grundstück viermal so groß ist, so dass die Jugendlichen sich zum Beispiel endlich einen Volleyball-Platz einrichten können.

SELK.de: Worauf ist das Gemeindewachstum - menschlich gesehen - zurückzuführen?

Rehr: Gemeindewachstum ist immer ein großes Geschenk unseres himmlischen Vaters! Um solches Wachstum beten wir in unserer Gemeinde regelmäßig in unserm Abendgebet am Sonnabend um 18 Uhr. Dass zahlreiche junge Familien zugezogen sind, ist auch für uns „ein Wunder vor unseren Augen“. Wir feiern unsere Gottesdienste in großer Freude mit Jung und Alt. Selbstverständlich kommen unsere Kinder bei der sonntäglichen Feier des heiligen Abendmahls mit an den Altar, kniend oder getragen, und werden gesegnet. Unser großer Posaunenchor mit vielen Kindern und Jugendlichen prägt unsere Gottesdienste immer festlich mit. Die Verkündigung bei uns malt den Herrn Jesus Christus vor die Augen in dem, was er für uns getan hat und heute für uns tut – insbesondere in den heiligen Sakramenten.
In einer Zeit, wo scheinbar alles ins Wanken gerät, suchen junge Menschen zunehmend Orientierung. So kamen einige Familien ausdrücklich aus Bekenntnisgründen zu uns. Durch die Lektüre der lutherischen Bekenntnisschriften suchten sie eine Kirche, die sich kirchlich-verbindlich an dies Bekenntnis hält. Eine bessere und haltbarere Orientierung als an Gottes Wort gibt es nicht. Dies mag – menschlich gesehen – vielleicht ein Grund für das Wachstum unserer Gemeinde sein.
Darüber hinaus pflegen wir die Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde sonntäglich beim Kirchenkaffee – vor und nach dem Gottesdienst – und dem monatlichen Gemeindemittagessen. Sicher ist es auch so: Sind erst einige junge Familien am Sonntag im Gottesdienst, kommt die nächste schon leichter dazu. Aber noch einmal: Wir haben kein Rezept, wie Gemeindewachstum erzielt werden kann. Es ist und bleibt ein Geschenk des dreieinigen Gottes!

SELK.de: Einem Bauvorhaben gehen lange Beratungsgänge voraus. Wie lassen sich diese in diesem Fall beschreiben?

Rehr: Ja, es war ein langer Weg! Schon vor über 30 Jahren stellte eine Gemeindeversammlung fest, dass die Räumlichkeiten im Gemeindehaus nicht mehr ausreichend seien. Immer wieder gab es Versuche, auf dem bisherigen Grundstück eine Vergrößerung zu verwirklichen. Es kam aber nie zur Verwirklichung.
Vor etwa 8 Jahren begannen wir mit Sanierungsplänen für unser Gemeindehaus, dann auch für die Kirche. Die Gebäude aus den 60er (Kirche) und 70er Jahren (Gemeindehaus) entsprechen in keiner Weise heutigen Ansprüchen an Dämmung und Ausstattung. Nach Beratung mehrerer Architekten stellte sich heraus: Abriss und Neubau sind die günstigste Alternative. So planten wir zunächst auf dem bisherigen Grundstück. Das Problem dabei: Der Außenbereich wäre noch einmal kleiner geworden, sodass kaum mehr Platz für Kinder- und Jugendarbeit geblieben wäre. Dazu kam noch der Hinweis: „Wenn diese Kirche abgerissen wird, kann nicht garantiert werden, dass hier wieder eine Kirche errichtet werden kann.“
Dann konnte eines unserer Gemeindeglieder ein wunderbar geeignetes Grundstück erwerben. Die Gemeinde beschloss frohgemut, nun dort zu bauen. Dagegen stand jedoch die politische Gemeinde, der zumindest mehrheitlich der Wille fehlte, eine Kirchengemeinde in dieser Sache wirklich zu unterstützen.
Dass wir nun in einem Gewerbegebiet zwischen einer Pferdeklinik und einem Drechselei-Betrieb unser Grundstück gefunden haben, erfüllt uns mit großer Freude. Es hat sich immer wieder gezeigt: In heutiger Zeit ist es nahezu unmöglich, innerhalb eines Wohngebietes eine neue Kirche zu errichten – man hätte gleich viele Nachbarn gegen sich. So ist es nun gekommen, dass wir uns zunächst am Ortsrand befinden, aber in realistischer Erwartung, dass der wachsende Ort uns dort irgendwann „einholen“ wird.

SELK.de: Sie bauen an anderer Stelle des Ortes. Was passiert mit der bisherigen Immobilie?

Rehr: Unser bisheriges Grundstück mit Kirche und Gemeindehaus ist innerhalb unserer Gemeinde verkauft worden. Die Käufer geben uns die überaus freundliche Möglichkeit, dass wir Kirche und Gemeindehaus bis zur Fertigstellung unserer neuen Räumlichkeiten weiter nutzen können. Mit dem Erlös aus dem Verkauf unseres bisherigen Anwesens konnte unser neues Grundstück komplett finanziert werden. Wahrscheinlich werden die alten Gebäude abgerissen und neue Wohnungen errichtet. Wegen seiner idealen Lage zwischen Bremen und Hamburg – direkt an der Bundesautobahn 1 – wächst Sottrum kontinuierlich. Wohnraum wird hier ständig gesucht.

SELK.de: Wie sieht es um das benötigte Kapital und um die Finanzierung aus?

Rehr: Wie gesagt: Mit unserm alten Grundstück konnte das neue Grundstück finanziert werden. Die Baukosten (ohne Grundstück) belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Euro. Unsere Gemeinde deckt durch Spenden und Rücklagen circa 600.000 Euro selbst. Dazu kommt ein Darlehen in Höhe von 600.000 Euro. In den zahlreichen Beratungen in der Gemeinde wurden immer folgende Eckpunkte betont: Unsere Baumaßnahme darf nicht unsere Zahlungen an die Allgemeine Kirchenkasse und die Lutherische Kirchenmission beeinträchtigen. Und: Das Darlehen soll möglichst zügig zurückgezahlt werden, damit es nicht die nächste Generation belastet. ¬ – Natürlich freut sich die Gemeinde über jede Spende oder Zuwendung von außerhalb unserer Gemeinde!

SELK.de: Zum Schluss ein Wort zu den zeitlichen Planungen bis zur Fertigstellung des Neubaus:

Rehr: Jetzt beginnen gerade die Erd- und Betonarbeiten, im Mai die Maurerarbeiten. Wenn die Corona-Krise uns nicht zu sehr zeitlich zurückwirft, erscheint eine Fertigstellung in Jahresfrist realistisch. Aber auch hier vertrauen wir darauf, dass der Herr lebt und „bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende“. Auch die Zeit der Bauphase liegt in seinen Händen. Das ist unsere fröhliche Hoffnung: Der Herr wird uns zu seiner Zeit ans Ziel führen! Und dann freuen wir uns schon heute auf den ersten Gottesdienst in unserer neuen Kirche, genauer: in dieser neuen Kirche des Herrn Christus!

SELK.de: Vielen Dank für das Interview. Möge Gott mit seinem Schutz und Segen das Neubauprojekt begleiten, das wünsche wir der Zionsgemeinde von Herzen.

 

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