Vorfastenzeit

 
Vorfastenzeit

Das Kirchenjahr lebt vom Wechsel und gestaltet den Wechsel. Einen „sanften“ Übergang von der Epiphaniaszeit zur Fasten- bzw. Passionszeit bietet die Vorfastenzeit. Sie ist einerseits eine Hinführung auf das Kommende. Dabei ist aber nicht der Aschermittwoch (als Beginn der Fastenzeit) oder der Karfreitag der Bezugspunkt, sondern immer schon das Osterfest. Da der Ostertermin jeweils unterschiedlich ist (erster Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Frühjahrs Tag-und-Nacht-Gleiche), ist auch die Vorfastenzeit unterschiedlich lang. Ursprünglich, und das ist seit dem 6. Jahrhundert bezeugt, umfasste sie die drei Sonntage vor dem Aschermittwoch. Der erste heißt Septuagesimae, der zweite Sexagesimae und der dritte Quinquagesimae. Dieser ist tatsächlich der 50. Tag vor Ostern, bei den beiden anderen stimmt der Name 70. bzw. 60. Tag nicht so genau.

In der römisch-katholischen Kirche wurde die Vorfastenzeit mit dem 2. Vatikanischen Konzil quasi abgeschafft. In evangelischen Kirchen gibt es sie noch, mittlerweile sogar um 2 Sonntage erweitert. Dafür sparte man bei den Sonntagen nach Epiphanias, damit die Epiphaniaszeit wirklich 40 Tage nach Weihnachten endet und zählt, falls Ostern sehr spät im Jahr liegt, einen 4. und 5. Sonntag vor der Fastenzeit hinzu.

Liturgisch trägt die Vorfastenzeit schon einen etwas ernsteren Charakter, praktisch wird sie vor allem als Fastnachtszeit oder Karneval wahrgenommen. Dann ist es nochmal die Gelegenheit, sich vor der Fastenzeit zu vergnügen. Das hat sich heute allerdings verselbständigt. Für Christen hilfreicher ist der Hinweis, sich bewusst auf die Fasten- und Passionszeit einzustellen, beispielsweise indem man sich überlegt, was ein sinnvolles Vorhaben für diese Zeit wäre, worauf man z. B. verzichten möchte. Oder was man gerne mehr als sonst tun könnte.

Lutheraner sind frei darin, inwieweit solche liturgischen und geistlichen Hilfen für sie eine Rolle spielen. Der Gedanke, Wechsel bewusst wahrzunehmen und zu gestalten, ist in jedem Fall gut.

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