Lexikon - G


Gebet

→ Beten
Das wichtigste Gebet der Christenheit ist das Vaterunser. Die Evangelisten Lukas (Kap. 11) und Matthäus (Kap. 6) überliefern das Vaterunser als das Gebet, das Jesus Christus selbst seine Jünger lehrte, als sie ihn baten, sie das Beten zu lehren.
Für das persönliche wie gottesdienstlich-liturgische Beten hat sich die Vaterunser-Fassung durchgesetzt, die Matthäus überliefert.
Die sog. Doxologie, der abschließende Lobpreis „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“ findet sich bereits in der sog. Didache, einer Kirchen-und Gottesdienstordnung aus dem 1. Jahrhundert, konnte aber bislang nur in später bezeugten Handschriften des Matthäus-Evangeliums nachgewiesen werden.
Viel älter als das Vaterunser sind die Psalmgebete des Alten Testaments, die Christen und Juden gemeinsam haben. Die Psalmen umfassen Lob-, Dank- und Klagegebete, Gebete um Schutz, Bewahrung und Rettung, Buß- und Reuegebete, Lobpreis- und Segensgebete.
Zu „christlichen“ Gebeten werden die Psalmen, weil sie (wie bereits Luther betonte) die Gebete Christi sind. Zu den letzten Worte Jesu am Kreuz gehören z.B. Psalm 22, 2 „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ und Psalm 31, 6 „In deine Hände befehle ich meinen Geist.“
Die Psalmen, aber auch alle anderen Gebete richten wir „durch Christus im Heiligen Geist an den Vater“. Christen beschließen die Psalmgebete daher bewusst mit dem Lobpreis „Ehre sei dem Vater und dem Sohne, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.“
Alle anderen Gebete, insbesondere im Gottesdienst, enden mit dem Satz „[Das bitten wir] durch Christus, unseren Herrn.“ Damit berufen wir uns auf Christus, der (Joh 14, 13) verheißen hat: „Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn.“
Für den Gebrauch in den Gottesdiensten geben die →Agenden mit oft sehr alten aber auch neueren und neuen formulierten Gebeten Pastoren und Gemeindegliedern eine „Sprachlehre“ an die Hand: Diese Gebete sind oft von Generationen von Christen erprobt und bewährt und bewahren Liturgen und Gemeinden vor redundanten, routinierten „freien Gebeten“, die nicht selten Eigenheiten und Eitelkeiten des Vorbeters unangemessen in den Vordergrund rücken.
Grundsätzlich gibt es jedoch für die Art und Weise des Gebets eines Christen keine „Vorschriften“. Im persönlichen Gebet oder im vertrauten Kreis ist das freie Gebet durchaus angemessen, ja selbstverständlich. Manchem hilft es, z.B. mit einem Gebetbuch seine tägliche „Stille Zeit“ zu halten und lässt sich durch die dort abgedruckten Gebete zu eigenem, freiem Weiterbeten inspirieren.
Die luth. Kirche kennt und praktiziert auch das sog. Stundengebet, also die kurzen Gebetsgottesdienste, die ursprünglich den klösterlichen Alltag der Mönchen und Nonnen prägten (und bis heute prägen). Die bekanntesten Stundengebete, die auch in der luth. Kirche von Einzelnen wie von Gruppen (bei Freizeiten, Rüstzeiten, Konventen usw.) und Kirchgemeinden verwendet werden, sind die Mette (Matutin/Morgengebet), die Vesper (Abendgebet) und die Complet (Nachtgebet).
Gerade in geistlichen Durst- und Dürrephasen sind solche, durch liturgisches Gebet strukturierte und geregelte Gebetszeiten vielen eine Hilfe, das Gespräch mit Gott nicht abreißen zu lassen.


Geist
→ Heiliger Geist


Geld, Kirche und G.
Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche und viele ihrer →Gemeinden sind →Körperschaften des öffentlichen Rechtes wie auch z.B. die Evangelische Kirche oder die Römisch-katholische Kirche in Deutschland. Auf die damit verbundene Möglichkeit, Kirchensteuern über das Lohnsteuerabzugsverfahren durch die staatlichen Finanzämter einziehen zu lassen verzichtet die SELK jedoch. Statt dessen finanziert sie sich durch Kirchenbeiträge, Spenden und Kollekten selbst.
Kirchenbeiträge
Kirchenbeiträge sind von den Gemeindegliedern direkt an die Kirchengemeinde zu entrichten. Jede Gemeinde überweist eine sogenannte Umlage an die Allgemeine Kirchenkasse, aus der vor allem die →Pfarrgehälter bezahlt werden, die gesamtkirchlich einheitlich sind und nicht von der Größe oder Zahlungskraft einer Ortsgemeinde abhängen. Das sichert den Pfarrern die nötige Unabhängigkeit im Verkündigungsdienst. In den Gemeindeordnungen heißt es in § 5,3:
„Die Glieder der Gemeinde sind nach Gottes Wort verpflichtet, zur Erfüllung der kirchlichen und gemeindlichen Aufgaben mit Beiträgen, Spenden und Kollekten in angemessener Höhe beizutragen.“
Höhe des Kirchenbeitrags und Steuerabzugsfähigkeit
Es gibt Richtwerte über die Höhe des Kirchbeitrages und eine geistliche Verpflichtung, sich auch finanziell am Erhalt der Kirche zu beteiligen. Als Richtwert gilt der landeskirchliche Kirchensteuersatz . Willkommen sind auch höhere Spendenbeiträge. Die Kirchenbeiträge sind steuerlich genauso absetzbar wie Kirchensteuern oder Spenden für kirchliche Zwecke. Jährlich werden darüber Spendenquittungen zur Vorlage beim Finanzamt ausgestellt.
Allgemeine Kirchenkasse und Kirchenverwaltung
Der Hauptanteil der Umlagesummen an die Allgemeine Kirchenkasse wird für die Besoldung der Pfarrer benötigt. Daraus werden auch die Zuschüsse für kirchliche Werke, vor allem die Lutherische Theologische Hochschule in Oberursel finanziert. Ein verschwindend geringer Bruchteil wird für die gesamtkirchliche Verwaltung benötigt. Im Unterschied zu den Großkirchen kommt die SELK mit einer Kirchenkanzlei in einem Einfamilienhaus und einer Handvoll Angestellten aus. Die Lutherische Kirchenmission, die Medienmission „Lutherische Stunde“ und die diakonischen Einrichtungen der SELK finanzieren sich weitgehend unabhängig von der Allgemeinen Kirchenkasse durch Spenden.
Die Besoldung der Pfarrer
In der SELK legen wir Wert darauf, dass die Pfarrer in der Verkündigung von Gesetz und Evangelium unabhängig sind. Das heißt: 1. Unabhängig vom Staat und seiner jeweiligen Einstellung zu Kirche und Glaube und 2. unabhängig von ihren Gemeinden, dort vorherrschenden Tendenzen und Mehrheiten. Darum verzichtet die SELK weitestgehend auf jegliche staatlichen finanziellen Zuschüsse und etwa auch auf die ihr zustehende Möglichkeit des Einzugs von Kirchensteuern über die Finanzämter. Sie kennt aber auch keine Direktbesoldung der Pfarrer durch die Einzelgemeinde (wie z.B. in den meisten Freikirchen), sondern besoldet alle Pfarrer über ein Umlagesystem aus der Allgemeinen Kirchenkasse. Die Gehälter der Pfarrer orientieren sich zwar am öffentlich-rechtlichen Beamtenbesoldungssystem, liegen aber um etwa ein Drittel unter denen evangelischer oder römisch-katholischer Geistlicher. Je nach Finanzlage der Gesamtkirche können die Gehälter der Pfarrer sinken oder steigen.


Gemeindewechsel
Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche gliedern sich nicht nach dem Territorialprinzip, wie in der Regel die der Landeskirchen oder der römisch-katholischen Kirche. Vielmehr ist jede Kirchengemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherische Kirche eine „→ Personalgemeinde“, das heißt: Nicht durch Zuzug in eine Region, sondern durch Überweisung für Kirchglieder der SELK oder einer ihrer Schwesterkirchen oder Eintritt für Christen anderer Konfessionen wird man Mitglied einer Kirchengemeinde vor Ort.
Ich möchte die Gemeinde wechseln. Was muss ich tun?
Wenn Sie zu einer Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche gehören und in eine andere Gemeinde wechseln möchten, wenden Sie sich bitte an Ihr bisher zuständiges evangelisch-lutherisches Pfarramt. Ihr Gemeindepfarrer wird Sie dann überweisen. Die Überweisung erfolgt unbürokratisch und problemlos.
Wie teuer ist die Überweisung?
Eine Überweisung ist kostenlos.
Ich gehöre zu einer anderen Konfession und möchte in eine Gemeinde der SELK wechseln.
Wenn Sie zu einer anderen christlichen Konfession gehören und in eine Kirchengemeinde der SELK wechseln möchten, dann müssen Sie zuvor Ihren Kirchenaustritt erklären.
In einigen Bundesländern besteht auch die Möglichkeit der kirchlichen Überweisung aus einer Kirchgemeinde einer lutherischen Landeskirche in eine Kirchgemeinde der SELK, ohne zuvor einen Kirchenaustritt bei einer staatl. Behörde erklärt zu haben. → Überweisungsvereinbarung


Glaube
Der deutsche Begriff ‚Glaube, glauben‘ ist sprachlich verwandt mit ‚geloben“ im Sinne von ‚sich jemandem (in Vertrauen und Gehorsam) angeloben und mit ‚loben‘.
Der hebräische Begriff אמונה [ämunah] bedeutet so viel wie ‚Treue, Verlässlichkeit, Vertrauensgrund].
Der griech. Begriff. πίστις [pistis] meint ‚Glaube, Vertrauen, Überzeugung, Treue‘.
Lat. fides.
Anders als im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet „Glaube, glauben“ in der Hl. Schrift nicht den Unterschied oder gar das Gegenteil zu „Wissen, wissen“ im Sinne von „ungesicherte, unbewiesene Möglichkeit, zweifelnde Ungewissheit“: Hebr 11, 1: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“
‚G., g.‘ im biblischen Sinne ist aber auch nicht nur das subjektive oder objektive Fürwahr halten eines Glaubensinhaltes. Hierzu heißt es im Jakobusbrief (2, 19): „Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Du tust recht daran; die Teufel glauben's auch und zittern.“
Der Glaube ist nach lutherischem Verständnis insbesondere der rechtfertigende Glaube (lat. fides salvifica), der –und nicht etwa die guten Werke, die „Entscheidung für Christus“ (auch nur eine Form der sog. guten Werke) oder besondere Leistungen der Nächstenliebe und Frömmigkeit- einzig entscheidend für die Rettung und Erlösung, das Heil eines Menschen ist.
Dieser G. ist ganz und gar Gnade Gottes, Geschenk Gottes. Von Gott durch sein Wort und Sakrament gewirkt. Ohne jedes Zutun des Menschen, der sich, wenn ihm der G. von Gott geschenkt wurde, freilich dieses G.s dankbar bewusst werden kann.
Eine der wesentlichen biblisch-geistlichen Einsichten Luther war es, dass der Glaube allein rettet und den Menschen vor Gott rechtfertigt.
Die klassische altlutherische → Dogmatik unterscheidet drei Bestandteile des G.s:
1. Die notitia (lat. Kenntnisnahme): Besagt eine wirkliche (nicht bloß eingebildete) Kenntnis von Christus und dem, was er getan hat. Also die Kenntnis von Christus, der am Kreuz für unsere Sünden gestorben ist, der auferstanden ist, der den Apostel als Auferstandener erschienen ist usw., so wie es das Apostolische Glaubensbekenntnis bezeugt.
2. Der assensus (lat. Zustimmung): Meint den Glauben an die geschichtliche Wahrheit der Person und des Werkes Jesus Christi und die innere Anerkennung, dass die Vergebung der Sünde durch die Person des gekreuzigten und auferstandenen Christus als die für das Individuum (den Einzelnen) geltende Verheißung und unerlässliche Bedingung des (ewigen) Lebens ist.
3. Die fiducia (lat. etwa: ‚Vertrauen‘): Die fiducia ist der eigentliche rechtfertigende Glaube, dessen (allerdings notwendige) Vorstufen notitia und assensus sind. Fiducia meint volles Vertrauen, volle Zuversicht, volle Annahme, volle Hingebung, mit der ich Christus selbst und durch ihn alles, was er gibt, also Vergebung der Sünden, Kraft zum seligen, gottgefälligen Leben, ergreife und gewissermaßen „in mein Ich hineinziehe“, Christus dagegen mein Ich überlasse, damit er es durchdringe.
Der G. ist das sog. organon leptikon, das Greiforgan für alles, was Christus für mich erworben hat: Vergebung der Sünden, Leben, Seligkeit.
Der rettende, rechtfertigende, seligmachende Glaube ist Geschenk und Gabe des Heiligen Geistes.
In seiner Auslegung des 3. Artikels des Apostolischen Glaubensbekenntnisses im Kleinen Katechismus sagt Martin Luther über den H.G.: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet.“


Glaubensbekenntnis
→ Credo


Gnade
→ Rechtfertigung
Lat. gratia, griech. caris [charis].
Der eingedeutschte lateinische Begriff ‘gratis’, abgeleitet von lat. gratia=Gnade zeigt an: Die Gnade Gottes ist ein Geschenk. Geschenke erhält man ‚gratis‘, umsonst, ohne Gegenleistung, ohne Vorleistung.
Der griech. Begriff für ‚umsonst‘ (=δωρεάν, [dorean]) wird mit Charis, Gnade im NT synonym gebraucht.
Nach biblisch-lutherischem Verständnis ist die Gnade Gottes sowohl eine „Herzenshaltung“, ein „Affekt“ Gottes (Liebe, Barmherzigkeit, Mitleidigkeit) als auch eine Gabe, ein „Effekt“: Vergebung, Versöhnung, Gotteskindschaft, Erlösung, Rechtfertigung.
Die Rechtfertigung des Menschen, das ist eine der Grunderkenntnisse der luth. Reformation, erfolgt durch Gott selbst und durch Gott allein „allein aus Gnade“ (sola gratia). Also ohne Zutun, Vorleistung, Mitwirkung von Seiten des Menschen.
Dennoch ist die Gnade Gottes nicht unwiderstehlich und wirkt in jedem Menschen zwangsläufig und automatisch auch gegen dessen entschiedenen Widerstand den rechtfertigenden Glauben. Der Mensch kann sich auch nach dem Sündenfall der Gnade Gottes verschließen, sie zurückweisen und ablehnen.
Die Mittel, wodurch Gott den Menschen seine Gnade zuwendet, sind sein Wort und seine Sakramente (Taufe, Abendmahl, Beichte), deren „Wirkkraft“ wiederum in Gottes Wort besteht. (Gnadenmittel genannt)
Alle theologischen Versuche, das sola gratia, also die Alleinwirksamkeit und Alleinursächlichkeit der Gnade Gottes durch ein menschliches Mitwirkungselement zu relativieren, verdunkeln Gottes Gnade und das Evangelium von der Gnade Gottes.


Gott
→ Dreieinigkeit → Christus
Kein Mensch kann aus sich heraus wissen oder mit Hilfe seines Verstandes erkennen, wer Gott ist oder wie Gott ist.
DASS ein Gott ist, ahnen viele Menschen und projizieren ihre Wünsche, Sehnsüchte, Ängste, Hoffnungen auf dieses „Etwas“, dem sie Titel wie „Höheres oder Höchstes Wesen“, „Unbewegter Beweger“, „Urkraft“, „Höchste Intelligenz“ usw.
Menschen, die solche Gottes-Bilder vertreten, leiten dies aus ihrer durchaus staunenden Wahrnehmung ab, dass das Universum mit all seinen Naturgesetzmäßigkeiten nicht einfach nur ein Produkt des Zufalls sein könne.
Auch wenn sie „es“ meist nicht so nennen: Dahinter steht die Ahnung, dass es so etwas wie einen Schöpfer alles Geschaffenen geben muss.
In ganz ähnlicher Weise haben sich Menschen immer schon aus der Anschauung der Natur Bilder von Gott und Göttern gemacht. Nicht nur ideelle, geistige, sondern auch ganz konkrete aus Holz, Stein oder anderen Materialien, die die Gottheit(en) darstellten, deren Urbilder man z.B. häufig auch in den Himmelskörpern (Sonne, Mond und Sternen) zu finden meinte.
Die Bibel bezeugt dagegen: Gott hat sich (von sich aus) den Menschen offenbart als der eine, einzige, wahre und lebendige Gott und Herr.
Zuerst geschah diese Selbstoffenbarung gegenüber dem Volk Israel, das sich Gott als „Dialogpartner“ aus allen anderen Völkern auserwählt hat.
Anders als die „stummen Götzen“ redet Gott und schweigt nicht.
Zunächst zu Mose auf dem Berg Horeb, verhüllt in einem brennenden Dornbusch. Der ewige Gott stellt sich hier den Mensch mit Namen vor, als Mose ihn danach fragt: „Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde sein«, der hat mich zu euch gesandt. Und Gott sprach weiter zu Mose: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der HERR [JHWH], der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name auf ewig, mit dem man mich anrufen soll von Geschlecht zu Geschlecht. (2 Mose 3, 13-15)
Die Preisgabe des eigenen Namens, das gilt bis heute, ist immer auch ein Stück Preisgabe seiner selbst. Gott gibt sich damit gewissermaßen in die Hand der Menschen, macht sich greifbar und angreifbar.
Gott setzt am Horeb ein Vorzeichen, das als Zeichen des Kreuzes identifizierbar wird. Der Höchste macht sich niedrig. Bereits ganz zu Anfang.
In der Fortsetzung der Geschichte wird deutlich, dass dieser Gott nicht nur redet, sondern auch handelt. Und zwar zuerst als Befreier, Retter und Erlöser seines in Ägypten geknechteten Volkes.
Als der in seinem Volk gegenwärtige Gott führt er es aus der Knechtschaft in die Freiheit des gelobten Landes, aus der Fremde in die Heimat.
Der Schöpfer ist auch der Erlöser. Der Allmächtige ist auch der Gnädige und Barmherzige, der sein Volk liebt und es aus Liebe befreit und in seinem Wort, seiner heilsamen Weisung, die er Israel in Form der Zehn Gebote anvertraut, gegenwärtig ist und treu bleibt.
Als der stellt sich Gott auch vor, als er Mose die Zehn Gebote übergibt: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“ (2 Mose 20, 2)
Und der ist wiederum derselbe, der bereits zur Zeit des Alten Bundes die endzeitliche Ausgießung des Heiligen Geistes als Geist der Wahrheit, der Erkenntnis und der Erneuerung verheißt: „Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch“. (Joel 3,1)
Insbesondere lässt Gott im Alten Testament vielfach die Sendung des endzeitlichen Messias, des Gesalbten (griech. Christos) durch Weissagungen ankündigen:
Zum Beispiel: Jes 8,23 ; Jes 9,1-6 ; Jes 11,1-10; Mi 5,1-5; Hos 2,2f ; Jer 23,5f ; Hes 34,23f ; Hes 37,22ff ; Hag 2,22f ; Sach 3,8ff; Sach 6,12 ; Sach 9,9f .
Aus der Glaubensperspektive der Kirche mündet und gipfelt die Selbstoffenbarung des biblischen Gottes in seiner Menschwerdung, in der Person Jesu Christi. In ihm sind alle Verheißungen Gottes erfüllt: „Der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt ist, (…)der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn alle Gottesverheißungen sind Ja in ihm und sind Amen in ihm, Gott zu Lobe durch uns. (1 Kor 1, 19-20)
(vgl. → Dreieinigkeit)
Der Gott der Bibel (1) gibt sich den Menschen auf Augenhöhe zu erkennen, (2) spricht zu seinem Volk (3) gibt sich preis (von der Namensoffenbarung bis zum Kreuz), (4) ist der in seinem Volk treu und zuverlässig Gegenwärtige, (5) der Heilsbringer, (6) die Wahrheit, (7) die Liebe, (8) der Richter, (9) der Vollender.


Grundordnung der SELK
Die G. ist die kirchliche Verfassung der SELK, in der Selbstverständnis, Bekenntnisstand und die wesentlichen kirchl. Ämter und Strukturen (Bischof, Kirchenleitung, Pfarrkonvente, Synoden) geregelt sind.
Grundordnungsartikel können durch die Kirchensynode nur mit einer Zweidrittelmehrheit geändert werden. Eine Veränderung des Bekenntnisstandes ist ausgeschlossen. G.änderungen, die gegen Schrift und Bekenntnis verstießen, wären ungültig.
Die Grundartikel der G. der SELK lauten:
I. Grundartikel
Artikel 1 Selbstverständnis und Bekenntnisstand
(1) Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche steht in der Einheit der heiligen, christlichen und apostolischen Kirche, die überall da ist, wo das Wort Gottes rein gepredigt wird und die Sakramente nach der Einsetzung Christi verwaltet werden. Sie bezeugt Jesus Christus als den alleinigen Herrn der Kirche und verkündigt ihn als den Heiland der Welt.
(2) Sie ist gebunden an die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments als an das unfehlbare Wort Gottes, nach dem alle Lehren und Lehrer der Kirche beurteilt werden sollen. Sie bindet sich daher an die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, weil in ihnen die schriftgemäße Lehre bezeugt ist, nämlich an die drei ökumenischen Symbole (das Apostolische, das Nicänische und das Athanasianische Bekenntnis), an die ungeänderte Augsburgische Konfession und ihre Apologie, die Schmalkaldischen Artikel, den Kleinen und Großen Katechismus Luthers und die Konkordienformel.
Artikel 2 Kirchengemeinschaft
(1) Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche pflegt Kirchengemeinschaft mit allen Kirchen, die Lehre und Handeln in gleicher Weise an die Heilige Schrift und das lutherische Bekenntnis binden.
(2) Sie verwirft die der Heiligen Schrift und den lutherischen Bekenntnissen widersprechenden Lehren und ihre Duldung sowie jede Union, die gegen Schrift und Bekenntnis verstößt.
(3) Sie weiß sich darin einig mit der rechtgläubigen Kirche aller Zeiten.

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