Lexikon - V


Vaterunser
→ Gebet
Das Vaterunser ist das Gebet, mit dem Jesus Christus selbst seine Jünger das rechte Beten lehrte. (Mt 6,9–13  und Lk 11,2–4).
Hier: Das Vaterunser in der Feier des Gottesdienstes.
Luthers Intention, die Messe von allen Gebeten und Zusätzen zu reinigen, die den unbiblischen „Messopfergedanken“ zum Inhalt haben, führte zu einer sehr rigiden Eliminierung sämtlicher altkirchlicher Stücke, also aller „priesterlicher Amtsgebete“ aus der Abendmahlsliturgie. Einzig das Vaterunser, das ja ein, bzw. das biblische Gebet schlechthin ist, durfte bleiben.
In der liturgiegeschichtlichen Entwicklung führte diese aber dazu, dass nun das Vaterunser praktisch den Rang eines „priesterlichen Amtsgebetes“ einnahm und die Gemeinde während des Vaterunsers zum Schweigen verurteilt wurde. Sie macht sich das Gebet zwar durch Einstimmen in die Doxologie und das sie beschließende „Amen“ zueigen, betet aber das Gebet der getauften Gläubigen nicht mehr mit. Das Vaterunser ist üblicherweise in der lutherischen Kirche damit zum Privatgebet oder allenfalls noch zum Gebet in Predigt- und Nebengottesdiensten degradiert worden.
Das ist bedauerlich, zumal das Vaterunser im Blick auf die Anrede Gottes als „Vater“ das Exklusivgebet der getauften Christen ist, also derer, die durch Taufe und Glauben Kinder Gottes geworden sind und darum Gott zum Vater haben. Dies ist auch der Grund, warum wir als Christen das Vaterunser nicht zusammen mit Nichtchristen beten sollten, weil diese es nicht „können“! Es gibt ja heutzutage „ökumenische“ Veranstaltungen mit Juden und Angehörigen der Religionen, wie Moslems, Bahais, Hindus usw., bei denen, sicherlich in großer Harmlosigkeit, das Vaterunser gebetet wird. Man sollte sich aber bewusst machen, dass man als Christ hierdurch etwas unzulässig vorwegnimmt oder als unwesentlich beiseite schiebt, was zum Christsein unabdingbar dazugehört: Den Glauben an Jesus Christus als Sohn Gottes und die Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes. Unbeschadet der Harmlosigkeit, mit der solche Veranstaltungen meist wohl durchgeführt werden, heißt das für Christen dennoch, dass sie faktisch ihren Glauben verleugnen.
Um das Vaterunser wieder als Gemeindegebet zurück zu gewinnen, bedarf es keiner großartigen Neuerungen. Man braucht der Gemeinde nur die Hintergründe und Beweggründe mitzuteilen und sie bitten, das Vaterunser im Hauptgottesdienst mitzusprechen bzw. zu singen. Gegebenenfalls gibt man ihr dazu eine Vorlage mit Text und liturgischer Melodie an die Hand.
Um es der Gemeinde praktisch zu ermöglichen, auch die Anrede mitzusprechen und zugleich die Bedeutung des Vaterunsers als „Kinder-Gottes-Gebet“ zum Leuchten zu bringen, kann der Liturg das Vaterunser auch mit dieser oder einer ähnlichen Einladung eröffnen: „Wir heißen Kinder Gottes und sind es. Darum beten wir voll Vertrauen: (folgt: Vaterunser)“
Das Vaterunser, das in Form A den Einsetzungsworten und in Form B der Kommunion vorausgeht, hat aber außer seiner grundsätzlichen Bedeutung als christliches Grundgebet auch eine besondere Relevanz im Zusammenhang der Sakramentsfeier.
Manchmal liest man, das Vaterunser sei an dieser Stelle ein „Tischgebet“. Das ist jedoch missverständlich, das Sakrament zu sehr auf gemeinsames Essen und Trinken reduzierend.
Das Vaterunser ist aber sicherlich, und wenn man den Ausdruck „Tischgebet“ so versteht, wäre er recht verstanden, ein Vorbereitungsgebet für den Empfang bzw. die Feier des Herrenmahles.
Als Vorbereitungsgebet auf den Empfang des Leibes und Blutes Christi kann man das Vaterunser z.B. so interpretieren:
Vater unser im Himmel: Das Abendmahl ist das Mahl der getauften Gläubigen, der Kinder Gottes, die an den Tisch des Vaters geladen werden. Nur die Söhne und Töchter, nicht die Knechte und Mägde genießen dieses Hausrecht.
Geheiligt werde dein Name: Die ganze Feier des Abendmahls ist Eucharistie, Danksagung und Lobpreis, Verherrlichung und Verkündigung des Namens Gottes.
Dein Reich komme: „Sooft wird von diesem Brote essen und aus diesem Kelch trinken, verkündigen wir des Herrn Tod, bis er kommt.“ Dass er wiederkommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten ist unaufgebbarer Bestandteil unseres Glaubens. In der Anamnese beten wir: „Bringe zusammen deine Gemeinde von den Enden der Erde, auf dass wir mit allen Gläubigen das Hochzeitsmahl des Lammes feiern mögen in deinem Reich.“
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden: Unser Heil, unsere Erlösung, unsere Gerechtigkeit, die vor Gott gilt – alles ist Gottes heiliger Wille und nur darum Wirklichkeit, weil Gottes Wille geschieht. Das Wunder der Gegenwart Christi im Sakrament können wir weder machen noch verstehen noch erklären. Gott wollte es und darum ist es so.
Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern: Dies vor allem empfangen wir im Hl. Abendmahl, nämlich Vergebung der Sünden. Und wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit.
Aber bevor wir zum Altar kommen, sagt Jesus, sollen wir zu unserem Bruder gehen und uns mit ihm versöhnen, damit wir nicht Versöhnung empfangen und selbst unversöhnlich bleiben.
Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen: Das Sakrament ist Stärkung für Leib und Seele. Es ist Nahrung und Wegzehrung auf einem Weg, auf dem wir versucht und verführt werden können. Es lässt uns in der Gemeinschaft untereinander und mit Christus wachsen und fest werden. Wir empfangen den Leib Christi und erhalten damit Anteil an IHM. Christus in uns ist Schutz und Schirm vor allem Bösen, Stärke und Hilfe zu allem Guten.


Vergebung
→ Versöhnung → Beichte → Abendmahl → Rechtfertigung
Die Pointe des Evangeliums Jesu Christi ist der Zuspruch der Sündenvergebung bei der Lossprechung nach der Beichte: „Dir sind deine Sünden vergeben. Gehe hin im Frieden.“
Die Frage der Schriftgelehrten (Mk 2, 7) „Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?“, als Jesus dem Gelähmten die Vergebung der Sünde zuspricht,  ist berechtigt. Vergebung, die alles Alte beseitigt und alles neu werden lässt, kann nur Gott selbst schenken.
1. Warum vergibt Gott?
Gott vergibt uns die Sünde aus Liebe und Barmherzigkeit. Das entspricht seinem allgemeinen Heilswillen: Gott will, „will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1 Tim 2, 4)
Am Kreuz hat Jesus im Blick auf die, deren Sünde ihn ans Kreuz gebracht hat, also auf alle Menschen, gebetet: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23, 34)
2. Was vergibt Gott?
Gott vergibt die → Sünde, die die Menschen von Gott trennt, sodass sie ohne die Vergebung verloren wären und versöhnt die Menschen mit sich selbst.
3. Wie vergibt Gott?
Gott hat die Vergebung „gestiftet“, also die Grundlage für die Sündenvergebung dadurch geschaffen, dass er in Jesus Christus Mensch wurde, unsere Sünde auf sich genommen, an unserer Stelle am Kreuz die Folgen der Sünde und DIE Folge der Sünde, nämlich den (ewigen) Tod erlitten und überwunden hat.
Die „Früchte“ des Kreuzesopfers Jesus Christi, allen voran die Vergebung, wird uns ausgeteilt durch Gottes Wort und die Sakramente. Wort und Sakrament schaffen und schenken den rettenden Glauben, der die Vergebung „ergreifen“ und für mein Leben wirksam machen kann.
Vergebung ist „gratis“, allein aus Gnade, nicht Gottes Gegenleistung für eine Leistung des Menschen. Man kann sich für die Vergebung nicht entscheiden und sie sich nicht verdienen, sondern nur empfangen.
4. Was sind die Folgen der Vergebung?
Leben und Seligkeit für alle, die glauben, was Gottes Wort und seine Verheißungen lehrt.
Wenn wir im Vaterunser beten „…vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“, heißt das, dass Gottes Vergebung für mich keine erneuernde Wirkung entfaltet, wenn ich selbst nicht bereit bin, auch denen zu vergeben, die an mir schuldig geworden sind.
5. Muss ich die Vergebung „fühlen“?
Die Vergebung, die wir von Gott empfangen, ist unabhängig von unserem „Gefühl“. Sie wird uns objektiv durch Gottes Wort geschenkt und zugeeignet. Aber selbstverständlich gehört es zu den Folgen der empfangenen Vergebung, dass man sich dadurch auch befreit, erneuert, erleichtert „fühlt“.
Auch die Vergebung, die man selbst anderen gewährt, kann man oft (und muss man auch) nicht „fühlen“. Insbesondere dann, wenn dem anderen an unserer Vergebung nichts liegt, sie vielleicht sogar zurück weist, ist die Vergebung, die man anderen gewährt, „nur“ ein Glaubensakt, den man allerdings  zu leisten hat. Manchmal, bei besonders schwerer Schuld eines anderen Menschen, kann man vergeben nur dadurch, dass man diese Schuld und allen Schmerz, den diese Schuld bei mir verursacht hat, im Glauben unter Christi Kreuz legt und IHN bittet, dem an mir schuldig gewordenen zu vergeben und mir Frieden zu schenken.


Vikar
Von lat. vicarius = Stellvertreter, Statthalter.
In der SELK ist V. die Amtsbezeichnung eines Theologen, der das 1. theol. Examen bestanden hat und durch die Kirchenleitung zur (zweieinhalbjährigen) praktisch-theologischen Ausbildung in das Vikariat (beamtenrechtlich vergleich bar dem Referendariat)  in eine Kirchgemeinde entsandt wird.
Der V. ist dabei einem Pfarrer zugeordnet, der die Funktion des Vikarsvaters, heute: Vikarsmentors, innehat, ihn ausbildet und begleitet.
V.e der SELK werden zu Beginn ihres Vikariates gottesdienstlich in ihren Dienst eingewiesen (Repraesentatio), jedoch nicht ordiniert. Sie werden auf die Hl. Schrift und die Bekenntnis der Kirche verpflichtet.
V.n ist es in der SELK nicht gestattet, die Sakramente zu verwalten, also (außer im Falle der Nottaufe) zu taufen, das Hl. Abendmahl zu verwalten oder die Absolution zu erteilen.
Predigten, die V.e während ihres Vikariates halten, müssen die V.e durch ihre Vikarsmentoren vorab approbieren lassen.
Während des Vikariates absolvieren die V.e mehrere mehrwöchige Kurse am Praktisch-Theologischen Seminar (PTS) der SELK mit Sitz in Bleckmar.

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