Angedacht!


„Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das verborgene sieht, wird dir`s vergelten.“
Evangelium nach Matthäus 6,17f


Andrea GrünhagenLiebe Leserinnen und Leser,

„Vergelt‘s Gott“ sagt man in Süddeutschland, wenn man ein Geschenk bekommen oder jemand etwas für einen getan hat. Das soll bedeuten: Gott möge es dir vergelten, Gott soll dir auch etwas Gutes tun dafür. Das ist eine schöne Sitte. Aber der Gedanke, das eigene Verhalten könnte ein Reaktion Gottes nach sich ziehen, Gott würde einem also sowohl Böses als auch Gutes vergelten, der ist zunächst fremd. Allenfalls für das Leben nach dem Tod lassen viele diese Aussage gelten. Wobei Lutheraner betonen, dass sich unser Schicksal im letzten Gericht gerade nicht nach unserem Verhalten, sondern nach unserem Glauben entscheidet.

Wann vergilt Gott denn dann? Man könnte es so sagen: Das Böse, das wir tun, trägt die negative Konsequenz schon in sich, das Gute aber auch. Am Beispiel „Fasten“ lässt sich das ganz gut beschreiben. Fasten bedeutet, jemand verzichtet aus religiösen Gründen auf etwas. Das ist eine alte geistliche Übung, die die Christen aus dem Judentum übernommen haben. Jesus redet ganz selbstverständlich davon. Und bei dem, was er sagt, merkt man: es geht nicht um eine äußerliche Pflichterfüllung. Dieser Verzicht kann und soll niemandem vorgeschrieben werden. Es hat auch nicht mit der ewigen Seligkeit zu tun. Aber wenn jemand fasten will, dann soll er damit nicht vor anderen angeben.

Manche Christen fasten zum Beispiel von Aschermittwoch bis Ostern, indem sie auf etwas verzichten, das sie gerne tun, z.B. Süßigkeiten essen oder das sie scheinbar brauchen, z.B. Kaffee trinken. Dadurch merkt man ganz schnell, wie oft man sich sonst mit irgendetwas tröstet, belohnt oder ablenkt. Oder man stellt fest, dass man regelrecht abhängig ist von manchen Sachen. Man stellt auch die eigene Willenskraft auf die Probe. Das alles hat gute Auswirkungen auf das geistliche Leben. Ganz besonders, wenn man dabei den Kontakt zu Gott intensiver gestaltet als sonst.

Denn Fasten ist genau wie Beten zunächst einmal eine Sache zwischen dem Einzelnen und Gott. Genauso wenig wie man hinausposaunen sollte, wie oft und was man betet, soll man sich mit seinem Verzicht hervortun. Es geht nämlich nicht um Anerkennung von außen. Und am allerwenigsten soll man sich Anerkennung durch die Hintertür erschleichen. Das könnte man, indem man zwar nicht erzählt, dass man dieses oder jenes momentan nicht isst oder nicht tut, aber trotzdem sein Umfeld durch eine spezielle Leidensmiene darauf aufmerksam macht.

Das meint Jesus, wenn er davon redet, dass Fasten in die Verborgenheit der Gottesbeziehung gehört. Welche positiven Auswirkungen Gott das dann haben lässt, ist sicher individuell verschieden. Aber wir könnten es ja mal ausprobieren…

Andrea Grünhagen



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