Angedacht!


Märtyrer Laurentius



Andrea GrünhagenLiebe Leserinnen und Leser,

es gibt einige wenige Menschen, die in der Weltchristenheit besonderes Ansehen erlangt haben und an die, meistens an ihrem Todestag, noch heute gedacht wird. Und einer, bei dem sich die Kirchen wirklich in ökumenischer Verbundenheit einig sind, dass er das verdient hat, ist Laurentius. Laurentius ist als Märtyrer im Jahr 258 n. Chr. hingerichtet worden. Sein Todestag, der 10. August, wird in der römisch-katholischen, der orthodoxen, der anglikanischen, der Evangelischen Kirche in Deutschland, der ELCA und in der Lutheran Church-Missouri-Synod als Gedenktag begangen.

Also Laurentius: Wenn jemals einer für Frechheit und Pfiffigkeit heiliggesprochen wurde, dann dieser Diakon aus den Anfangszeiten der Kirche. Der Überlieferung nach, und die ist in seinem Fall im Kernbestand sogar relativ alt, war Laurentius unter Papst Sixtus II Diakon oder sogar Archidiakon (was bedeutet der Chef der Diakone) der Gemeinde in Rom und als solche für das Kirchvermögen zuständig. Als Sixtus II vom Christenverfolger Kaiser Valerian enthauptet worden war, wurde auch Laurentius verhaftet und ausgepeitscht. Er sollte den Kirchenschatz ausliefern. Laurentius erbat sich drei Tage Bedenkzeit und nutzte diese drei Tage dann, um das Geld und die Wertgegenstände an die Armen zu verteilen. Dem Kaiser präsentierte er danach eine Gruppe von Armen, Kranken, Blinden, Leprösen und Waisenkindern mit den Worten: „Das ist der wahre Schatz der Kirche!“

Ich kann mir gut vorstellen, dass Martin Luther an die Unverfrorenheit des heiligen Laurentius gedacht hat, als er in der 62. der 95 Thesen formulierte: „Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“ In Wirklichkeit haben es natürlich beide auf Latein gesagt: „Verus thesaurus ecclesiae est…“ und beide haben sie recht.

Laurentius hat für seine Antwort erlitten, was Luther durch Gottes Gnade erspart geblieben ist, den Feuertod. Der junge Diakon wurde gefoltert und dann auf einem glühenden Eisenrost hingerichtet. Dabei soll er seine Peiniger nach einer Weile freundlich aufgefordert haben, ihn bitte mal zu wenden, er sei jetzt auf einer Seite gar …“.

Der Rost ist jedenfalls in der christlichen Kunst das Zeichen des heiligen Laurentius geworden und aufgrund des eigenwilligen Humors der römisch-katholischen Kirche bei der Vergabe von Zuständigkeitsbereichen an Heilige ist er der Patron aller, die mit offenem Feuer zu tun haben: Feuerwehrleute, Bäcker, Köche, Köhler und Bierbrauer. Ich wette, das hätte Laurentius lustig gefunden, besonders die Köche …

Nebenbei ist er aber auch für die Schüler und Studenten zuständig und da gibt es ja ganz außerordentliche Nachfolger des heiligen Laurentius in Sachen Dreistigkeit. Man kann nur hoffen, auch in der Heiligkeit.

Laurentius wird jedenfalls für sein tapferes Martyrium sehr geliebt, besonders die Italiener schätzen ihren „San Lorenzo“. In Italien ist er wohl auch begraben, an seinem Todestag wird sein Schädel in Rom als Reliquie gezeigt. Das wiederum hätte Luther nicht gut gefunden. Und Laurentius? Dem wäre auf jeden Fall ein Spruch dazu eingefallen …

Dr. Andrea Grünhagen



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