Angedacht!


„Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren.“
Markus 8,32


Andrea GrünhagenLiebe Leserinnen und Leser,

Jesus ist hier ganz offen zu seinen Jüngern. Er sagt ihnen, wie sein weiterer Weg aussehen wird. Er verschweigt nicht, dass dieser Weg ins Leiden führen wird, aber auch durch das Leiden hindurch zur Auferstehung am dritten Tag. Aber soweit hat Petrus ihm offensichtlich gar nicht zugehört. Petrus sieht nur die Schrecken, die auf Jesus warten und will ihm das furchtbare Ende am Kreuz ersparen.
„Jesus, das musst du dir doch nicht antun! Hey, du bist Gott! Komm schon, dir fällt noch ein anderer Weg ein.“ Nun, offenbar fiel Gott kein anderer Weg ein. Ein Weg, der es nicht nur dem Sohn Gottes erspart hätte, zu sterben, sondern auch den Christen, an einen gekreuzigten Gott zu glauben. Netter Versuch Petrus. Nein, es gab keinen Weg am Kreuz vorbei, wie gerne wir uns auch in bester Absicht dagegen wehren.

Vielleicht war ja noch keine Generation seit Kreuz und Auferstehung so gut darin, sich gegen Leiden und Tod, gegen Schmerz und Vergänglichkeit zu wehren wie wir. Die Verdrängungsmechanismen sind perfektioniert buchstäblich bis zum Letzten. Als ob der Tod ein Feind wäre, den man besiegen könnte, wenn man sich nur genügend bemühte. Als ob der christliche Glaube nicht eine bessere Antwort hätte. Paul Gerhardt hat, vom Tod umgeben, gedichtet: Er bleibt ein totes Bild – und wär er noch so wild. Wir können die Vergänglichkeit nicht besiegen, das stimmt. Aber sie ist besiegt, das stimmt auch.

Der Sonntag Estomihi ist der letzte Sonntag „vor den Fasten“, also vor der Fastenzeit, die an Aschermittwoch beginnt. Manchmal hat man den Eindruck, als könnten fromme Menschen es gar nicht abwarten, endlich Passionszeit zu haben und darum machen sie die Zeit „vor den Fasten“ zur Vorfastenzeit. Andere feiern ausgelassen Karneval. Beides kann dazu führen, wie Petrus nicht darauf zu hören, was Jesus sagt. Jahr für Jahr wird es uns nicht erspart, uns den eigenen Dunkelheiten und der Finsternis der Sünde, die Gottes Sohn umbringt, zu stellen. Aber auch uns wird es jedes Jahr gesagt: …und auferstehen am dritten Tag. Das darf einen schon jetzt fröhlich machen.

Dr. Andrea Grünhagen

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