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Weihnachten
Tag der Geburt des Herrn; Heiliges Christfest. Liturgische Farbe: Weiß (bzw. eigentlich Gold)

Der Begriff Weihnachten (früheste Bezeugung aus dem 12. Jahrhundert) ist vermutlich christlichen Ursprungs und stellt eine Lehnübersetzung des lat. nox sancta (= heilige/geweihte Nacht) dar, das in der Liturgie der Messe in der Christnacht vorkommt. Bis heute beginnt die erste Kollekte des luth. Christnachts-Gottesdienstes mit den Worten: „Herr, unser Gott, du hast diese geweihte Nacht erhellt durch den Glanz des wahren Lichtes…“ (Ev.-luth. Kirchenagende Band I, S. 21)

Inhalt des Weihnachtsfestes ist die Geburt Jesu, die Menschwerdung Gottes, die Fleischwerdung (Inkarnation) des göttlichen Wortes (Logos).

Weihnachten gehört zusammen mit Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten zu den höchsten Festen der Christenheit.
Der Weihnachtstag am 25. Dezember ist der höchste Festtag des Weihnachtsfestkreises, der mit der adventlichen Vorbereitungszeit (Bußzeit) beginnt und – je nach Tradition - am 6. Januar mit dem Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias) oder dem 2. Februar, dem Tag der Darstellung des Herrn (Lichtmess) endet.

Die überlieferte kirchliche Ordnung des Weihnachtsfestes, wie sie sich in der Alten Kirche und im Mittelalter herausgebildet hat, beginnt mit der Vesper am Vorabend (24. Dezember; „Christvesper“), in deren Mitte alle alttestamentlichen Weissagungen und das Evangelium Matthäus 1,1-25 stehen. Das Christfest selbst wird dann am 25. Dezember mit drei eucharistischen Gottesdiensten begangen:
- „In der Nacht“ mit Lukas 2,1-14
- „In der Morgendämmerung" mit Lukas 2,15-20
- „Am Tage“ mit Johannes 1,1-14
Der 26. Dezember gilt eigentlich nur dem Gedenken des Erzmärtyrers (= 1. Märtyrers) Stephanus, wird aber heute auch als sogenannter 2. Weihnachtsfeiertag begangen.

Die Festlegung des Tages der Geburt Jesu Christi am 25. Dezember ist nicht biblisch begründet (ein genaues Geburtsdatum Jesu ist in den Evangelien nicht überliefert.
Als kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember erst seit 336 in Rom belegt. Es kann vermutet werden, dass die Festlegung des 25. Dezember eine Reaktion der römischen Christengemeinde auf das heidnisch-römische Staatfest des „Natale Solis invicti“ (= Geburtsfest des unbesiegten Sonnengottes) war, das ebenfalls (seit 274) am 25.12. begangen wurde.

Die rasche Ausbreitung des Weihnachtsfestes lässt sich vor allem aus der kirchlichen Situation des 4. Jahrhunderts erklären, die durch christologische Streitigkeiten, insbesondere die Abwehr der Irrlehre des Arianismus (Ablehnung der Trinitätslehre; der Vater allein ist Gott) geprägt war.

Weihnachten steht das christologische Bekenntnis im Mittelpunkt, das im Nicänischen Glaubensbekenntnis (das sich gegen die arianischen Irrlehren richtet) so zum Ausdruck gebracht wird: „Wir glauben (…) an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen
durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.“

Weihnachtsbrauchtum
Zur „typisch deutschen Weihnacht“ gehört neben einem geschmückten Christbaum, einer Krippe und Weihnachtsliedern auch die Bescherung, also das gegenseitige sich-Beschenken.
Das „Bescheren“ am Heiligen Abend geht auf den Reformator der Kirche, Martin Luther, zurück. Bis um die Mitte des 16. Jahrhunderts war es aber auch in den lutherisch gewordenen Regionen Deutschlands noch üblich, dass am 6. Dezember der Heilige Nikolaus Geschenke brachte. Nicht zur Freude des Reformators, der 1527 in einer Predigt zum Nikolaustag die Legende um den Bischof von Myra und seine Auftritte als Geschenkebringer als „kyndisch ding" ablehnte.

Luther wollte stattdessen Christus als den gnädigen Geber aller guten Gaben in der Nacht der Christgeburt, dem 24. auf den 25. Dezember an die Stelle der Nikolausfigur rücken. Zunächst ließ er die Nikoläuse als Gabenbringer am 6. Dezember noch gewähren, führte jedoch in seinem wachsenden Familienhaushalt im Schwarzen Kloster zu Wittenberg das „Christkind“ ein, das seine Kinder beschenkte. Fest verwurzelte Traditionen lassen sich allerdings nicht so schnell einfach „abschaffen“. So kann man etwa im Haushaltsbuch der Familie Luther noch aus dem Jahr 1535 nachlesen, dass 135 Nikolausgeschenke an die Kinder und Jahrmarktsgeschenke für das Gesinde gekauft wurden.

Noch bis ins 17. Jahrhundert hinein hielten sich von der römischen Kirche aus dem Heidentum übernommene Bräuche wie karnevalsartige Nikolaus-, Ruprecht und Heilig-Christ-Umzüge.
Aus einem der zahlreichen Tischgespräche im Hause Luther geht hervor, wie Luther jedenfalls seinen Kindern versuchte, das Christkind anstelle der Nikolausfigur nahe zu bringen. So fragt er 1531 kurz vor dem Weihnachtsfest seine Tochter Magdalene: „Lenichen, was wird dir der Heilige Christ beschern?“.

Warum Martin Luther dem Christkind den Vorzug gegenüber dem Nikolaus gab, besingt er in seinem Lied „Gelobet seist du, Jesu Christ“ (ELKG 15) so:
Gelobet seist du, Jesu Christ, dass du Mensch geboren bist von einer Jungfrau, das ist wahr; des freuet sich der Engel Schar. Kyrieleis.
Des ewgen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippe findt; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut. Kyrieleis.
Den aller Welt Kreis nie beschloss, der liegt in Marien Schoß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Kyrieleis.
Das hat er alles uns getan, sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit. Kyrieleis.


Wein
In der SELK darf nach biblischen Grundsätzen zur Feier des Hl. Abendmahles nur Wein (vergorener Traubensaft) verwendet werden.
Üblicherweise (Ausnahmen bestätigen die Regel) wird hierbei Weißwein benutzt. In reformiert-calvinistischer Tradition, nach der Rotwein verwendet wird, soll der rote Wein das Blut Christi nur symbolisch darstellen, da man an die wahre Gegenwart des Blutes Christi in, mit und unter dem Wein nicht glaubt. Daher bevorzugt die luth. Kirche Weißwein, um auch dadurch den Glauben an die →Realpräsenz zum Ausdruck zu bringen.
Bischof Dr. Gerhard Rost (* 20. Januar 1922 in Halle (Saale); † 19. Mai 2003 in Berlin) schreibt in seinem Hirtenbrief vom 29.03.1977, in dem er C.F.W. Walther, Patoraltheologie Seite 168, zitiert:
Vom Wein schreibt Walther: “Ein Mittelding ist es ebenfalls, ob der Wein roter oder weißer, ganz reiner (merum) oder mit Wasser vermischter sei (dergleichen wahrscheinlicherweise der Herr nach landesüblicher Sitte gebraucht hat), wenn es nur ein Trank vom Gewächs des Weinstocks ist, nach Matthäus 26,29“. Man sollte jedoch den Gebrauch von schweren Weinen (Malaga, Portwein), wie ich ihn gelegentlich angetroffen habe, vermeiden.
Gelegentlich taucht auch die Frage auf, ob mangels Wein oder z.B. bei der Kommunion mit sog. trockenen Alkoholikern auch ein anderes Getränk benutzt werden durfte, in erster Linie z.B. ungegorener Traubensaft. Ich meine, daß wir uns auch hier eng an die Einsetzung Jesu Christi halten sollten.
Es kann kein Zweifel bestehen. daß er, wie die Zeitgenossen überhaupt, gegorenen Traubensaft, also Wein, benutzt hat. Es war dies damals auch die einzige Weise, den Traubensaft haltbar zu machen. Ich würde persönlich heute die Praxis, die ich gelegentlich in sowjetischer Kriegsgefangenschaft erlebt habe, nicht wiederholen. Dort wurde bei Abendmahlsfeiern mangels Wein immer wieder Kaffee oder Tee verwendet. Ich glaube, daß wir damit so weit von der Einsetzung Christi entfernt sind, wie es nicht mehr verantwortet werden kann.
Mir ist nachträglich der bedrückende Gedanke gekommen, daß wir uns auf diese Weise das Sakrament. welches uns der Heilige Gott durch seine Gericht entzogen hatte, auf irgendeine Weise quasi erschleichen wollten.
Auch gegen die Verwendung von Traubensaft habe ich erhebliche Bedenken. Wir können dabei nicht mehr gewiß sein, der Einsetzung Christi gemäß zu verfahren. Interessant ist in diesen Zusammenhang. daß die amerikanischen Lutheraner selbst während der Prohibition die Benutzung von Traubensaft abgelehnt haben. Franz Piper schreibt dazu in seiner Christlichen Dogmatik, Band 3, Seite 414, Anm. 1324: “Um nicht ein Moment der Ungewißheit in das Sakrament zu tragen, sollte man sich auch des Gebrauchs des sog. grape juice enthalten, da Zweifel darüber obwalten, ob die genannte Flüssigkeit nach dem Sterilisierungsprozeß noch Gewächs der Weinstocks sei.“
Bei Alkoholikern wird man verschieden verfahren müssen. Es gibt nicht wenige Fälle, wo sie durch ihre Therapiegruppen so eingestellt sind, daß sie ohne Bedenken und ohne negative Folgen an der Kommunion des Kelches teilnehmen. Wo sie aber durch ihre Therapeuten anders eingestellt sind und selbst Bedenken haben, sollte man sie keinesfalls zur Kommunion des Kelches drängen. In diesem Falle kommen als legitime Lösungen die communio sub una [Empfang des Sakramentes nur in der Gestalt des konsekrierten Brotes] und die intinctio [Eintauchen der Hostie in den Kelch]  in Betracht.
Da unter den Verhältnissen unserer Kirche, besonders in der Diaspora, angebrochene Abendmahlselemente oft längere Zeit aufbewahrt werden, hat der Pastor jeweils sorgfältig zu prüfen, ob sie noch einwandfrei genießbar sind.“

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