Angedacht!


„Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.“
1. Timotheus 4,4+5


Gruenhagen AndreaLiebe Leserinnen und Leser,

in einem alten Predigtbuch habe ich einmal gelesen, dass der Prediger seiner Gemeinde einen Rat gab, der in etwa so lautete: „Wenn du dich fragst, ob du als Christ etwas tun darfst oder ob du an irgendetwas teilnehmen bzw. dich lieber fernhalten solltest, dann prüfe es mit der Frage, ob du Gott dafür danken kannst oder nicht.“ Das klingt vielleicht auf den ersten Blick ein wenig zu einfach, ist aber, wenn man bereit ist, sich der Frage ernsthaft zu stellen, eigentlich ein ganz guter Test.

Im 1.Timotheusbrief geht es um Leute, die die Gläubigen mit der Aussage verwirren, dass sie nicht heiraten dürften und bestimmte Speisen nicht essen sollten. Dagegen heißt es, dass nichts verwerflich ist, was mit Danksagung empfangen wird. Aber gilt das denn auch für Dinge, die zwar Spaß machen, aber trotzdem Gottes Gebot widersprechen? Natürlich nicht, denn man könnte Gott ja nicht guten Gewissens dafür danken. Machen wir die Probe: Kann man Gott für die Ehe danken? Ja, denn er hat sie gestiftet und mit dem 6.Gebot geschützt. Also kann man dem Schöpfer dafür danken. Wenn man ihm dafür danken kann, ist sie nicht verwerflich und es ist eine falsche Behauptung, dass besonders gute Christen oder überhaupt alle Christen auf die Ehe verzichten sollten.

Es ist spannend zu sehen, dass in unserer Zeit wohl die wenigsten Menschen auf die Idee kämen, in sexueller Hinsicht Askese üben zu wollen und deshalb nicht heiraten, die meisten kommen nicht mal mehr auf die Idee, dass Sexualität exklusiv etwas mit Ehe zu tun hat, es aber bei „erlaubten“ und „verbotenen“ Lebensmitteln ganz anders aussieht. Das gilt sowohl für Christen als für Nicht-Christen. Machen wir auch hier den Test: Hat Gott uns ein bestimmtes Lebensmittel zur Nahrung geschaffen? Wenn ja, können wir ihm dafür danken und dürfen es mit gutem Gewissen essen. Natürlich kann es Gründe geben, warum jemand aus individuellen Gründen etwas nicht essen sollte, vielleicht weil es gesundheitlich schädlich wäre für ihn. Vielleicht sind auch die Umstände so, dass die Person kein gutes Gewissen dabei hätte. Aber das ist dann keine generelle Entscheidung, weil es aus biblischen Gründen falsch wäre. Das Christentum kennt Fastenzeiten, in denen traditionell temporär auf bestimmte Lebensmittel verzichtet wird, aber anders als andere Religionen keine Speisegebote.

Aber das Bibelwort führt uns noch zu einem weiteren Gedanken, nämlich dass etwas Menschlich-Irdisches durch Gottes Wort und Gebet geheiligt wird. Das gilt für die Ehe, deshalb gibt es ja so etwas wie die kirchliche Trauung, und das gilt auch für das Essen, deshalb gibt es das Tischgebet. Wenn man vor dem Essen betet, ist das mehr als ein Ritual, das Gemeinschaft stiftet oder ein pflichtschuldiger Dank, weil es sich so gehört. Man könnte sagen, das Tischgebet stellt die Nahrung in einen geistlichen Zusammenhang und uns, die wir sie essen auch. Es ist deshalb ein sehr schönes Zeichen, wenn am Erntedankfest Lebensmittel in die Kirche gebracht werden, weil es deutlich macht, dass es der Schöpfer ist, der uns versorgt und wir ihm dafür danken. Wir müssen dabei auch gar nicht so tun, als ob wir uns nur von Getreide, Trauben und Kürbissen ernährten, dazu auch Äpfel und Pflaumen, von denen wir, natürlich nur in Bioqualität oder aus dem eigenen Garten, davon ausgehen, dass Gott sie für uns hat wachsen lassen. Auch hinter hochverarbeiteten Lebensmitteln steht Gott, der uns reichlich und täglich versorgt.

Lassen sie an diesem Erntedankfest doch mal den Gedanken im Vordergrund stehen, dass das Danken ganz real etwas bewirkt. Dass so etwas ganz Irdisches wie das Essen auf dem Teller etwas mit Gott zu tun hat. Und vergessen Sie auch nicht, Gott für das gute Gewissen zu danken, mit dem Sie seine vielfältigen Gaben genießen dürfen, weil er sie geschaffen hat.

Ihre Andrea Grünhagen

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