Angedacht!


„Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“
Daniel 9,18



LGruenhagen 160pxiebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie, wie das ist, wenn man „vor Gott im Gebet liegt“? Haben Sie erlebt, wie das ist, innerlich und vielleicht auch äußerlich vor Gott auf die Knie zu gehen? Wenn es soweit kommt, dann sind Gebete keine Höflichkeitsfloskeln mehr, kein eigentlich bedeutungsloses Unterbreiten einiger Vorschläge, nach den Gott sich richten kann oder auch nicht, kein pflichtschuldiges Danken und Bitten, weil es sich eben so gehört – nein, wenn man sich Gott so ganz vor die Füße wirft, dann geht es um alles oder nichts. Wenn Schuld und Verstrickung in Schuld übermächtig werden oder Angst und Not verzweifeltes Flehen und Schreien zu Gott aus jemandem herauspressen, das sind solche Erfahrungen. Ich wünsche sie niemandem, auch nicht um einer vielleicht dadurch erlangten geistlichen Reife oder wunderbarer Gebetserhörungen willen.

In der notvollen Situation stellt sich am Ende nur noch die Frage: worauf vertraust du? Auf was verlässt du dich? Was führst du bei Gott ins Feld, wenn du zu ihm betest?

Not lehrt Beten sagt man. Not lehrt auch Verhandeln, würde ich sagen. „Bitte, bitte, wenn es gut ausgeht, dann werde ich nie mehr… werde ich immer… werde ich ganz bestimmt… . Als ob unsere Gelübde und Absichtserklärungen und Versprechen Gott doch noch zum Handeln zwingen könnten. Eigentlich wissen wir ja seit den vergeblichen Gebeten für verhauene Klassenarbeiten, für die wir nicht gelernt hatten, dass das nicht funktioniert. Aber dieser Gedanke, dass es doch noch irgendwas Gutes in und bei uns gibt, dass Gott doch anerkennen und honorieren müsste, das steckt in uns.

Worauf sollten wir eigentlich vertrauen? Nicht auf unsere Gerechtigkeit. Nichts haben wir verdient von aller Hilfe und Bewahrung und Vergebung, die Gott uns erfahren lässt. Gar nichts. Es sind völlig leere Hände, die wir dem Allmächtigen hinhalten.

Was in Leid und Not und Schuld allein noch bleibt, auch wenn alles andere vor unseren Augen zerrinnt, ist das Vertrauen auf die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters. Was also vor Gott ins Feld zu führen ist, ist: er selbst. Seine Zusagen in seinem Wort und dass er sich in der Vergangenheit immer wieder als der allein Rettende erwiesen hat. Es ist das Vaterherz Gottes, das uns durch Jesus offen steht, das voll Barmherzigkeit auf unser Flehen reagiert. Der Ausgang der Sache, für die wir beten, hängt nicht von uns und unserer Gerechtigkeit ab, also können wir auch nichts anderes tun, als ihn ganz in Gottes Hände zu legen.

Solches Vertrauen nennt die Bibel Glauben. Blindes, bedingungsloses Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes, egal wie es ausgeht. Flucht nach vorn in die Arme Gottes. Er hört uns, er hält uns fest – immer.

Dr. Andrea Grünhagen

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