Angedacht!


St. Nikolaus



Andrea GrünhagenLiebe Leserinnen und Leser,

in den USA fiel mir einmal ein Bilderbuch in die Hand, dessen Titel ungefähr übersetzt lauten würde: „Der Weihnachtsmann (Santa Claus) will nicht mehr.“ Darin schildert der Weihnachtsmann dem lieben Gott seine vielfältigen Frusterfahrungen und will zuletzt sogar den Job hinschmeißen. Daraufhin donnert Gott ihn an: „St. Nicholas – du kannst nicht kündigen – du bist ein Heiliger.“

Ja, aber wer ist dieser Heilige? Die Sagengestalt des Weihnachtsmannes hat den heiligen Nikolaus in unseren Weltgegenden fast vertrieben. In Russland ist das z.B. anders, da ist in jeder orthodoxen Kirche auf der Ikonenwand die Nikolausikone eine der drei „großen“, neben Christus und Maria.

Bei uns in Deutschland hat Nikolaus in der Reformationszeit einen beträchtlichen Bedeutungsverlust erlitten, denn Luther wollte, dass nicht mehr die Figur eines Heiligen die Kinder beschenken sollte, sondern „der liebe heilge Christ.“ So richtig es ist, dass alles Gute von Christus zu erwarten ist und nicht von den Heiligen, so wenig ließ sich der Nikolaus ganz verdrängen, übrigens nicht mal bei Familie Luther selbst, wie Einkaufslisten und Rechnungen von damals beweisen.

Und eigentlich hat Nikolaus es auch verdient, dass man sich an ihn erinnert. Er lebte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts in Kleinasien, das gehörte damals zum römischen Reich. Man sprach dort zu seiner Zeit griechisch und auch sein Name ist griechisch: nikä ho laos. „Sieg des Volkes“ heißt das und schon bald schwang für die Menschen der Zusatz Sieg „des Volkes Gottes“ mit, denn zu Lebzeiten des heiligen Nikolaus endeten die Christenverfolgungen, als Kaiser Konstantin an die Macht gekommen war. Nikolaus war Bischof von Myra, das ist heute die Stadt Demre in der Türkei, 100 km südwestlich von Antalya gelegen.

Aufgewachsen als Erbe eines beträchtlichen Vermögens, hätte er sich ein schönes Leben machen können, doch er ging einen anderen Weg, weshalb Nikolaus zusammen mit St. Martin einer der ersten Heiligen ist, die durch ein Leben im Glauben und nicht durch das Martyrium als solche verehrt wurden. Bereits als junger Mann soll er Armen und Bedürftigen heimlich durch Geldgeschenke geholfen haben, einmal der Legende nach drei Mädchen, die andernfalls als Prostituierte verkauft worden wären. Deshalb sind drei goldene Äpfel das Zeichen, woran man ihn bis heute auf Darstellungen erkennt. Nikolaus wurde dann mit 19 Jahren zum Priester geweiht und auf spektakuläre Weise zum Bischof gemacht. Die Gemeinde in Myra brauchte einen neuen Bischof und hatte gebetet, dass Gott ihnen den richtigen zeigen sollte.: wer als erster am kommenden Morgen die Kirche betreten würde, sollte es sein. Und das war dann Nikolaus. Das Volk applaudierte und er wurde geweiht. Ob das historisch so stimmt, weiß man nicht, aber es ist eine schöne Geschichte.

Als Bischof soll Nikolaus weiter den Armen und Kindern geholfen haben, unschuldig Angeklagte und Gefangene befreit und auf wunderbare Weise Schiffe in Seenot gerettet haben. Die großen alten Nikolaikirchen in den Hansestädten zeugen noch heute von der frommen Hoffnung der seefahrenden Kaufleute auf Sankt Niklas, wie die Norddeutschen sagen.

Dass noch heute am Gedenktag des Heiligen am 6. Dezember die Kinder heimlich beschenkt werden, geht auf die Geschichten zurück, in denen Nikolaus unerkannt geholfen hat. Und dass er ein großes goldenes Buch dabeihat und die Kinder nach ihren guten und bösen Taten fragt, ist die alte Erinnerung daran, dass Nikolaus den Unschuldigen zum Recht verhilft und die Kleinen beschützt. Das ist keineswegs schwarze Pädagogik gewesen. Den einzigen, den der echte Nikolaus der Legende nach übrigens jemals geschlagen hat, war der Irrlehrer Arius auf dem Konzil von Nicäa (325 n.Chr.) Den hat er aber nicht mit der Rute verhauen (die übrigens keine Rute, sondern ein Bischofsstab ist), sondern ihn geohrfeigt, was Arius durchaus verdient hatte.

Der Heilige starb am 6. Dezember. Seine Gebeine wurden 1087 von italienischen Kaufleuten nach Bari in Italien gebracht. In aller Welt aber denkt man an diesem Tag an den heiligen Nikolaus, der die Kinder und die Armen liebte.

Dr. Andrea Grünhagen

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