Angedacht!


„So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, alleine Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten.“
5. Mose 7,9


Gruenhagen AndreaLiebe Leserinnen und Leser,

da es am 6. Sonntag nach Trinitatis um die Taufe geht, werden im Gottesdienst auch viele Lieder gesungen, die diese zum Thema haben. In manchen dieser Lieder kommt wie im oberstehenden Bibelvers das Wort Bund vor, „Mein treuer Gott auf deiner Seite, bleibt dieser Bund wohl feste stehn‘ … (ELKG2, 215,4) oder „Ich bin getauft, ich steh im Bunde … (ELKG2, 216,1) Ich vermute, dass dieses Stichwort „Bund“ auch dazu geführt hat, dass über den Abschnitt 5. Mose 7,6-11 gepredigt werden soll.

Aber wie ist das denn nun, ist die Taufe ein Bundesschluss? Wenn ich so frage, ahnen Sie vielleicht schon, dass die Sache nicht ganz so einfach ist. Jedenfalls gibt es in den christlichen Kirchen dazu unterschiedliche Antworten. Ganz eindeutig „Ja“ würde die Reformierte Kirche sagen. Ja, die Taufe ist ein „Zeichen des Bundes“. So hat es der Reformator Huldrych Zwingli genannt. Im Heidelberger Katechismus, einem der Bekenntnisse der Reformierten Kirche, kann man es nachlesen: Frage 74. Soll man auch die jungen Kinder taufen? Ja, denn weil sie wie die Alten in den Bund Gottes und seine Gemeinde gehören und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von Sünden und der Heilige Geist, der den Glauben wirkt, nicht weniger als den Alten zugesagt wird; so sollen sie auch durch die Taufe als Zeichen des Bundes der christlichen Kirche eingeleibt und von den Kindern der Ungläubigen unterschieden werden, wie es im Alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an deren Stelle im neuen Testament die Taufe eingesetzt ist.

Interessant ist es nun, wenn man mal im Gesangbuch bei den Taufliedern nachschaut, wer sie geschrieben hat. Die, bei denen das Stichwort „Bund“ vorkommt, stammen aus dem Bereich des Pietismus, der eben die reformierte Tradition aufnimmt. Dabei ist der Bund zwischen Gott und dem Menschen gedacht als ein Vertrag, den zwei Vertragspartner miteinander schließen. Und die Taufe ist, wenn Sie den Text des Heidelberger Katechismus nochmal genau lesen, gar nicht der Bundesschluß selbst, sondern nur ein äußerliches Zeichen dafür. Die Erlösung und die Gnade werden nicht im Sakrament der Taufe dem Täufling effektiv geschenkt, sondern sie werden ihm zugesagt – wann er sie bekommt, hängt von seinem Glauben ab. Da wird ganz schnell klar, dass der Gedanke, ob denn ein kleines Kind schon ein solcher Vertragspartner sein kann, nicht sehr weit entfernt liegt. Und was wäre dann die Kindertaufe? Eben ein äußerliches Zeichen für die Aufnahme in die christliche Gemeinde. Wirklich, mehr passiert da nicht? Nach reformierter Lehre nicht. Nochmal der Heidelberger Katechismus: Frage 73. Warum nennt denn der Heilige Geist die Taufe das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden? Gott redet so nicht ohne große Ursache, nämlich nicht allein, damit er uns dadurch lehren will, dass, wie die Unsauberkeit des Leibes durch das Wasser, auch unsere Sünden durch das Blut und den Geist Christi hinweg genommen werden, sondern vielmehr, damit er uns durch dieses göttliche Pfand und Wahrzeichen versichern will, dass wir so wahrhaftig von unseren Sünden geistlich gewaschen sind, wie wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden.

Das ist Lutheranern ehrlich gesagt zu wenig. Luther hat im Kleinen Katechismus geschrieben: 3. Wie kann Wasser solche großen Dinge tun? Wasser tut's freilich nicht, sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der diesem Wort Gottes im Wasser traut. Denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlicht Wasser und keine Taufe; aber mit dem Worte Gottes ist es eine Taufe, das heißt, ein gnadenreiches Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geist, wie Paulus sagt zu Titus im dritten Kapitel: „Gott macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir durch dessen Gnade gerecht seien und Erben des ewigen Lebens nach der Hoffnung. Das ist gewisslich wahr“ (Titus 3,5-8).

Wenn das so ist, müsste sich die lutherische Lehre ja wahrscheinlich auch in irgendwelchen Gesangbuchliedern niederschlagen. Und tatsächlich: „… da wollt er stiften uns ein Bad, zu waschen uns von Sünden, ersäufen auch den bittern‘ Tod, durch sein selbst Blut und Wunden, es galt ein neues Leben.“ (ELKG2, 208,1) Oder: „O großes Werk! O heilges Bad, o Wasser dessengleichen man in der ganzen Welt nicht hat! Kein Sinn kann dich erreichen. Du hast recht eine Wunderkraft, und die hat Gott, der alles schafft, dir durch sein Wort geschenket.“ (ELKG2, 212,5) Oder: „Wasch es Jesu durch dein Blut von der angeerbten Sünde, dass es jetzt in dieser Flut Gnade und Vergebung finde … (ELKG2, 213,4)

Lutheraner beantworten die Frage: Ist die Taufe ein Bundesschluss zwischen Gott und dem Täufling?“ also mit: „Ja, aber man muss das Wort Bund richtig, d.h. wie es in der Heiligen Schrift gebraucht wird, verstehen. Und da ist festzuhalten: Gott schließt einen Bund, die Initiative dazu und die Handlung selbst liegen ganz und allein auf Gottes Seite. Mit diesem Bund schenkt er das, was sein ganzes Wesen ausmacht, nämlich Gnade. Das hebräische Wort Chäsäd, übersetzt mit Gnade, das hier in diesem Bibelvers steht, bezeichnet, die überwältigende, unverdiente, überraschende freundliche Zuwendung Gottes. Gott macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt, nicht unsere Entscheidung dafür macht uns selig. Und es ist ein weiterer Wesenszug Gottes, durch den der Bund bestehen bleibt, nämlich durch seine Treue. Gott hat Israel erwählt, weil er es geliebt hat. Nicht, weil es etwas Besonderes an sich hatte. Einfach aus Liebe. Er hat Abraham einen Eid geschworen, nicht Gott und Abraham sich gegenseitig. In 1. Mose 15,18 lesen wir: „An dem Tag schloss der Herr einen Bund mit Abraham …“.

Und genauso ist es auch, wenn ein Mensch getauft wird. Ob es ein noch unmündiges Kind ist oder ein Erwachsener –durch das Wasser, das mit Gottes Wort verbunden ist, an diesem konkreten Taufstein oder wo auch immer die Taufe stattfindet, in diesem konkreten Moment, schließt Gott einen Bund mit dem Täufling. Weil er ihn erwählt und ihn geliebt hat. Er sagt seine Gnade und Treue jetzt und hier unverbrüchlich zu. Die Taufe ist nicht ein Zeichen für etwas, dass vielleicht irgendwann oder auch gar nicht geschieht, sie ist ein gnadenreiches Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt.

Wer getauft ist, darf ganz sicher sein: Gott wird diesen Bund nicht brechen, niemals. Der Mensch kann den Bund brechen, auch wenn er ihn nicht von sich aus schließen kann. Und wenn der Mensch die Gnade und Treue Gottes verachtet und mit Füßen tritt, mit Hass auf Liebe antwortet, dann wird das auch nicht folgenlos bleiben, wie Gottes Wort einen Vers nach unserer Bibelstelle sagt. Gott wird es dem Menschen ins Angesicht vergelten. (5. Mose 7,10) Aber wenn Gott das tut, dann ist es ein „fremdes Werk“, wie Luther es nannte, und er hat sogar seinen eigenen Sohn geopfert für uns, damit er es nicht tun muss.

Ein getaufter Christ kann gar nicht hoch genug von der Taufe reden und glauben, denn sie ist kein gegenseitiger Vertrag, sondern eine einseitige Willenserklärung Gottes. Und die gilt, bei der Treue Gottes!

Ihre Andrea Grünhagen

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