Angedacht!
„Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferweckt worden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“
1. Korinther15,13
Liebe Leserinnen und Leser,
kennen Sie auch diese kleinen Videos zum Thema: „Was wäre wenn …?“ Also zum Beispiel „Was wäre, wenn sie in ein Haifischbecken fallen.“ Der Apostel Paulus stellt die Frage: Was wäre, wenn nicht …? Er nimmt uns mit in eine gedankliche Auseinandersetzung, die zunächst fast unbequem wirkt: Er stellt die Auferstehung infrage – zumindest gedanklich. Warum tut er das? Weil es in der Gemeinde in Korinth Menschen gab, die sagten: „Es gibt keine Auferstehung der Toten.“ Vielleicht konnten sie sich das nicht vorstellen. Vielleicht erschien es ihnen unlogisch oder unmodern zu glauben, dass Menschen, die gestorben sind, wieder lebendig werden.
Paulus geht darauf ein – aber nicht, indem er einfach widerspricht. Er zeigt konsequent, was diese Aussage bedeuten würde. Um zu verstehen, worauf er hinauswill, sollte man seine Argumentation einmal im Zusammenhang lesen (1. Korinther 15, 12-28). Zuerst sagt er: Ohne Auferstehung zerfällt alles (V. 12–19) Paulus argumentiert Schritt für Schritt: Wenn es keine Auferstehung gibt → ist auch Christus nicht auferstanden. Wenn Christus nicht auferstanden ist → ist die Predigt inhaltsleer. Dann ist auch unser Glaube sinnlos. Die Apostel wären falsche Zeugen. Wir wären noch in unseren Sünden. Und die Verstorbenen wären verloren.
Das ist radikal ehrlich.
Der christliche Glaube steht und fällt nicht mit moralischen Ideen oder schönen Gedanken. Er hängt an einem historischen Ereignis: der Auferstehung Jesu. Paulus sagt im Grunde, wenn das mit der Auferstehung nicht stimmt, kannst du alles vergessen. Das fordert uns heraus. Denn es bedeutet: Christsein ist kein Gefühl, kein Lifestyle, keine Tradition – es erschöpft sich nicht in netten kleinen Geschichtchen, die eine hoffnungsvolle Moral verkünden, auch nicht in hübschen Bildern oder dem Glauben an nebulöse Einbildungen der ersten Nachfolger Jesu.
Vor Ostern interviewen Journalisten gerne Kirchenvertreter zum Thema leeres Grab, Auferstehung und was damit zusammenhängt. Dahinter steckt ein ganz richtiger Ansatz. Die Auferweckung Jesu durch Gott den Vater kann man nicht im naturwissenschaftlichen Sinn beweisen, man kann sie nur bezeugen. Jeder Christ kann sagen: Ich weiß, dass Jesus lebt, ich kenne ihn. Ich weiß, dass ich nicht zu einem Toten spreche, wenn ich zu ihm bete. Also muss er ja auferstanden sein, denn ich habe ihn als den Lebendigen erfahren. Und deshalb bin ich gewiss, dass ich auch nicht im Tod bleiben werde, wenn ich sterbe. Die Botschaft von der Auferstehung ist wahr.
Paulus selbst ist ja auch in keiner anderen Lage als wir heute. Auch er war an Ostern nicht dabei, aber er hat den Auferstandenen kennengelernt. Deshalb weiß er, dass die Auferstehung Jesu wirklich geschehen ist. Deshalb kommt dieser Wendepunkt in seiner Argumentation (V. 20-23) „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten…“Dieses „Nun aber“ verändert alles. Jesus ist nicht im Tod geblieben. Er ist der „Erstling“ – ein Bild aus der Ernte. Der erste Teil der Ernte zeigt: Da kommt noch mehr. Seine Auferstehung ist kein Einzelfall. Sie ist der Anfang von etwas Größerem. Alle, die zu ihm gehören, werden folgen. Paulus stellt zwei Linien gegenüber: Der erste Mensch, Adam, bringt den Tod. Christus, der zweite Adam, bringt das Leben. Wir alle kennen die Realität von Adam: Vergänglichkeit, Schuld, Tod. Aber in Christus beginnt eine neue Realität: Leben, Vergebung, Hoffnung.
Paulus weitet jetzt den Blick auf das große Ganze (V. 24-26) Christus ist nicht nur auferstanden – er regiert. Vielleicht wirkt das für uns manchmal widersprüchlich. Wenn Christus König ist, warum gibt es noch so viel Leid, Ungerechtigkeit und Chaos? Paulus sagt: Christus herrscht jetzt schon, aber sein Reich wird erst am Ende vollständig sichtbar. Es ist wie ein König, der bereits gekrönt ist, dessen Herrschaft aber noch Schritt für Schritt durchgesetzt wird. Und dann dieser starke Satz: „Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.“ Der Tod ist noch da. Wir erleben ihn. Wir fürchten ihn vielleicht. Aber er ist nicht mehr endgültig. Sein Urteil ist schon gesprochen.
Am Ende (V. 27-28) beschreibt Paulus ein Ziel, das größer ist, als wir oft denken: Alles wird Christus unterstellt – und Christus wird alles dem Vater übergeben. „… damit Gott alles in allem sei.“ Das ist die große Zukunft: Eine Welt, die vollständig von Gottes Gegenwart erfüllt ist.
Was bedeutet das für unser Leben heute? So gefragt würde ich antworten: Dein Glaube hat Substanz. Du glaubst nicht ins Leere. Dein Vertrauen steht auf einem Fundament. Auch wenn du zweifelst oder Fragen hast, die Grundlage bleibt. Deine Hoffnung geht über den Tod hinaus. Christsein bedeutet nicht, dass alles hier leicht wird. Aber es bedeutet: Das Schwerste hat nicht das letzte Wort. Dein Leben hat eine Richtung. Wir treiben nicht ziellos durch das Leben. Wir gehen auf etwas zu – auf eine Zukunft mit Gott.
Christus ist nicht vielleicht oder nur symbolisch auferstanden. Deshalb grüßen sich Christen an Ostern mit den Worten: Der Herr ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden!
Ihre Andrea Grünhagen