Reformationsgedenken in Groß Oesingen | 12.06.2017

Prägende Persönlichkeiten der Reformation im Gespräch
SELK: Reformationsgedenken in Groß Oesingen

Groß Oesingen, 12.6.2017 - selk - Gleich zwei Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum fanden an den Pfingsttagen in der Immanuelsgemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Groß Oesingen statt. Unter der Überschrift "Lutherklänge zum Pfingstfest" erklang am Pfingstsonntag eine Reihe von bedeutenden Liedtexten und Melodien von Luther. 500 Jahre Reformation: Das ist auch 500-mal die Feier des Kirchenjahres. So waren vom Posaunen- und Singchor der Gemeinde und von der Orgel Choräle zu hören, die bis heute zum zentralen Liedgut im Evangelisch-Lutherischen Kirchengesangbuch der SELK wie im Evangelischen Gesangbuch der Evangelischen Kirche in Deutschland gehören. Vertonungen aus fünf Jahrhunderten ließen hörbar werden, wie sich immer neue Generationen den Schatz der Reformation angeeignet haben. Denn, so Gemeindepfarrer Dr. Daniel Schmidt, die Hammerschläge zum Thesenanschlag im Oktober 1517 seien kein Heilserereignis gewesen. Akustisch habe sich die reformatorische Botschaft vielmehr durch den theologischen Lehrbetrieb, die volkssprachliche Liturgie und besonders das zunehmende deutsche Liedgut verbreitet. Verbunden wurden die einzelnen Stücke durch Orgelwerke von Dietrich Buxtehude (1637-1707). Das Konzert, das regen Zuspruch auch aus der Gemeinde der Landeskirche am Ort fand, gehört zu rund einem Dutzend besonderer Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr, die teils in eigener, teils in gemeinsamer Verantwortung von beiden Kirchengemeinden am Ort zusammengestellt wurden.

Am Pfingstmontag gab es dann Anekdoten und historische Details aus Wittenberg zu hören. Vor dem sogenannten steinernen "Flüsterbogen" am Eingang des Lutherhauses in Wittenberg trafen sich zwei prägende Persönlichkeiten der lutherischen Reformation: Der finnische Reformator Mikael Agricola und der Wittenberger Superintendent Theodor Fabricius, dargestellt von Karsten Heitkamp, Pastor der landeskirchlichen Friedensgemeinde in Groß Oesingen, und Pfarrer Schmidt. Dass beide Reformatoren in Wittenberg studiert haben, ist historisch ebenso verbürgt wie eine Vielzahl von Einzelheiten aus dem häuslichen Leben Martin Luthers und seiner Familie, an die beide sich aus ihrer - bisher nicht überlieferten - Zeit im besagten Haus erinnerten. Manches unechte Lutherzitat wurde dabei als solches entlarvt, manches andere kam frisch zu Gehör. Das Reformationslied "Nun freut euch, lieben Christen gmein", von Karsten Heitkamp auf der Laute intoniert, wurde von den rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörern genauso ohne Zögern mitgesungen wie von manchen Handwerkern oder Bauern des 16. Jahrhunderts auf der Straße und dem Markt. Wer selbst schmecken wollte, warum Luther so lobend vom Einbecker Bier gesprochen hat, hatte auch dazu Gelegenheit. Zum Abschluss schlug die Darstellung einen Bogen nach Groß Oesingen, durch das Katharina von Bora als Luthers Witwe beinahe gereist wäre, um König Christian II. von Dänemark um finanzielle Unterstützung zu bitten - wenn ihr nicht im Braunschweiger Land aufgrund der unruhigen Zeiten von der Weiterreise in den Norden abgeraten worden wäre.

"Gibt es davon eine Fortsetzung?" fragte eine Teilnehmerin am Schluss. Dies musste Pfarrer Schmidt verneinen. Doch es folgen weitere Veranstaltungen, darunter die Vorführung des einzigen erhaltenen Luther-Stummfilms, live auf dem Klavier begleitet, sowie ein Konzert mit dem Ensemble "The Playfords" unter dem Titel: "Luther tanzt. Lieder der Reformation und ihre weltlichen Wurzeln."

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Ein Bericht von selk_news /
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