45. Kirchweihfest in Berlin-Zehlendorf | 30.01.2018

Wo sich Himmel und Erde berühren
SELK: 45. Kirchweihfest der Mariengemeinde Berlin-Zehlendorf

Berlin, 30.1.2018 - selk - Am vergangenen Sonntag feierte die Mariengemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Berlin-Zehlendorf das 45. Kirchweihfest ihrer Marienkirche. Als Gastprediger wirkte der Rektor des in der SELK beheimateten Naëmi-Wilke-Stiftes Guben, Pfarrer Stefan Süß, mit. In seiner Predigt legte er das Magnificat - den Lobgesang der Maria - aus (Die Bibel: Das Evangelium nach Lukas, Kapitel 1, Verse 46 bis 55). Hierbei stellte er auch den Aspekt des Dienens - der Diakonie - heraus. In Anlehnung an den im 19. Jahrhundert wirkenden Theologen Wilhelm Löhe verdeutlichte er, dass diakonisches Handeln seinen Quellgrund in der Feier des Heiligen Altarsakraments habe.

Nach dem Mittagessen der großen Festgemeinde hielt Rektor Süß einen Vortrag zum Thema "Wo Himmel und Erde sich berühren - Diakonie ist Gottes Dienst am Menschen". Ausgangspunkt seines Referats war Martin Luthers Ausspruch: "Du bist aller Dinge frei bei Gott durch den Glauben, aber bei den Menschen bis du jedermanns Diener durch die Liebe." Süß zeigte auf, dass der Mensch Ebenbild Gottes sei - sein Wesen abbilde. Diakonie beginne daher schon bei der Schöpfung. "Er hat dem Wesen des Menschen ein ,pro-soziales' Verhalten mitgegeben, weil es dem Wesen Gottes entspricht", so der Referent. Die soziale Sensibilität sei in der Erschaffung des Menschen bereits implementiert. Eben diese erwerbe der Mensch nicht nur, sondern diese soziale Sensibilität sei für das Menschsein konstitutiv. Das Wesen Gottes spiegle sich als Abbild im Menschen wider. Auch wenn als Folge des Sündenfalls die sozialen, ethischen, ökologischen und ethnischen Konflikte aufbrechen würden, gehe doch das soziale Empfinden des Menschen zur Hilfe für den anderen nicht verloren. Soziales Handeln sei in der Schöpfung angelegt. "Ebenso grundlegend ist auch, dass im Sündenfall und der damit verbundenen Erlösungsbedürftigkeit des Lebens das Urdatum der Diakonie liegt. Bevor wir überhaupt diakonisch tätig werden können, widerfährt uns Gottes Diakonie. Wir sind Gottes ,Diakoniefälle'", führte Süß aus. Darum seien Schöpfung und Erlösung diakonische Taten Gottes, die jeder Aktion des Menschen und der Kirche vorausgingen.

Weiter meinte Süß, dass Gottes Diakonie sich als Inkarnation der Barmherzigkeit verstehe. Denn zu Weihnachten sei Gott Mensch geworden und wende sich der Welt zu. In diesem Kind in der Krippe berührten sich Himmel und Erde. Auch das Geschehen am Karfreitag sei diakonische Tat. Es sei die Hingabe des Gottes Sohnes an seine Welt. Auf dem Hügel von Golgatha berührten sich wieder Himmel und Erde. Die Diakonie der Kirche sei daher keine Dienstleistung, sondern sie leiste Dienst am anderen, der Beistand brauche. Diese Haltung sei das Maß für profilierte Diakonie. Süß stellte besonders die Geschichte vom barmherzigen Samariter (Die Bibel: Das Evangelium nach Lukas, Kapitel 10, Verse 25 bis 37) und die Weltgerichtsrede aus Matthäus 25 (Die Bibel: Das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 25, Verse 31 bis 46) in den Blickpunkt.

Sodann führte der Referent den Zuhörerinnen und Zuhörern vor Augen, dass Jesus sowohl geheilt als auch gelehrt habe. Die Verkündigung des Evangeliums und der Dienst am Nächsten gehörten zusammen. Aus dem gottesdienstlichen Geschehen gesegnet und gesandt sende der dreieinige Gott die Seinen in die Welt hinein, um den Nächsten zu dienen.

Wie dies im Naëmi-Wilke-Stift in Guben praktisch geschieht, führte Süß mit Hilfe eines aufwendig produzierten Films vor.

Anschließend sprach der Gemeindepastor der Mariengemeinde, Pfarrer Markus Büttner, dem Rektor seinen Dank aus - nicht nur für den Vortrag, sondern auch für die vielfältige Unterstützung, die das Stift und der Rektor der Gemeinde in vergangenen drei Jahren gewährt haben. Als eine der ganz wenigen Gemeinden der SELK unterhält die Mariengemeinde einen gemeindeeigenen Kindergarten als diakonische Einrichtung. Wie das Naëmi-Wilke-Stift in Guben gehört die Mariengemeinde mit ihrem Kindergarten zum Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. In den vergangenen Jahren hat es im Kindergarten der Mariengemeinde umfangreiche Veränderungsprozesse in struktureller, baulicher, inhaltlicher und personeller Hinsicht gegeben, die von Rektor Süß und dem Stift freundlich begleitet wurden.

Nach einer regen Aussprache mit Kaffee und Kuchen endete das 45. Kirchweihjubiläum mit einer Vesperandacht in der Marienkirche.

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