Konvent Berlin-Brandenburg tagte | 13.07.2018

Predigtlehre und Verhältnisbestimmung Staat/Kirche
SELK: Einkehrpfarrkonvent in Wittenberg

Wittenberg, 13.7.2018 – selk – In der Lutherstadt Wittenberg fand kürzlich ein Einkehrkonvent des Kirchenbezirks Berlin-Brandenburg der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) statt. Als Tagungsort diente die „Alte Lateinschule“, ein von der Lutherischen Kirche−Missouri Synode (USA) und der SELK getragenes internationales Studien- und Begegnungszentrum.

Aspekte der Predigtlehre

Pfarrerin Kathrin Oxen, Leiterin des „Zentrums für evangelische Predigtkultur“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), informierte die Konventualen über die Arbeit des Instituts. Anhand einer Präsentation gab sie „Impulse der dramaturgischen Predigt für die homiletische Fortbildung“. Die EKD, so Oxen, habe erkennen müssen, dass Homiletik (Predigtlehre) und Gottesdienst in der Fortbildung kaum vorkommen würden. Daher habe die EKD in ihrem Reformprozess „Kirche der Freiheit“ aus dem Jahr 2006 mit Gründung dieses Instituts gegengesteuert. Es lasse sich ein „Schweigen über das Kerngeschäft“ Predigt und Gottesdienst in der Pfarrerschaft der EKD feststellen, da dort Angst vor der Bewertung der Predigt vorliege. Denn gerade bei der Predigtkritik liege eine Verletzungsgefahr vor. Daher sei der Ansatz des Predigtinstituts nicht, Predigten zu bewerten, sondern sich mit den Predigern als deren Begleiter auf den Weg zu machen. Hierbei kritisierte Oxen auch die Aus bildung an den evangelischen Fakultäten im Bereich der Praktischen Theologie. Die in der akademischen Welt gelehrte sogenannte lebensweltliche Homiletik stehe im Gegensatz zur aus den USA kommenden new homiletics, die den Bibeltext und die Auslegung desselben im Fokus habe. Im weiteren Verlauf ihres Vortrages hörten die Konventualen, dass die Predigt gestaltete Sprache sei. Eine Predigt, so Oxen, gelinge oder misslinge in der Gestaltung der Sprache. Hierbei sei auch die Rhetorik wichtig, wie die Predigt vorgetragen werde. Grundsätzlich seien die Prediger zur cura homileticia, zur pflegenden und sorgenden Zuwendung zur Predigt, verpflichtet. In der konkreten Begleitung von Predigern werde gefragt, wie sie predigen wollen. Zu diesem vom Prediger selbst festgelegten Ziel würden sie begleitet. Hier gebe es verschiedene Ansätze, wie den lebensweltlichen Zugang mit der Ausgangsfrage, wie bin ich als Prediger geworden, der ich bin? Der systematisch-lösungsorientierte Ansatz versuche, ressourcenorientiert mit den Stärken und Schwächen der Prediger zu arbeiten. Im Folgenden stellte Oxen einen Ablauf einer solchen Begleitung anhand von zehn Punkten vor. Anschließend wurde mit der Vortragenden rege diskutiert.

Zum Verhältnis von Staat und Kirche

Prof. i.R. Dr. Werner Klän (Lübeck), emeritierter Inhaber des Lehrstuhls für Systematische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule der SELK in Oberursel, führte in das vom Pfarrkonvent gewünschte Thema „Staat und Kirche bei Hermann Sasse und Friedrich Wilhelm Hopf“ ein. Nach Einführung in Leben und Werk der beiden Theologen aus dem 20. Jahrhundert bezeichnete Klän die Unterscheidung von Staat und Kirche als kulturelle Errungenschaft. Im Rückgriff auf die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche rief er die Zwei-Regimenten-Lehre in Erinnerung und stellte die beiden Arten von Gerechtigkeit, die passive vor Gott und die aktive vor den Menschen, vor. Auch Martin Luthers Auslegung des vierten Gebots nehme die Verfasstheit des gesamten christlichen Lebens in den Blick. Zwar gehe es Luther um eine Gehorsamsethik, jedoch keineswegs um blinde Untertanenmentalität. Zwar sei die Obrigkeit göttlicher Stiftung, sie habe aber nicht das Recht, über die S eelen zu regieren, also über das zu bestimmen, was die Menschen zu denken hätten. Hierbei denke Luther nicht im Sinne einer Individualethik, sondern in größeren Kontexten, wie dem Rechtswesen oder der Ökonomie. So sei auch die Geschöpflichkeit Grund der Menschenwürde, nicht aber die Gottesebenbildlichkeit. Die Folgen aus der Errungenschaft der Unterscheidung von Staat und Kirche sei nun, dass ein Staatskirchentum kein Modell der Zukunft sei. Denn die Gefahr bestehe, dass die Kirche sich nicht selbst „regiere“, sondern vom Staat regiert werde. Dies komme einer Aufhebung des kirchlichen Rechts gleich. So könne es aus lutherischer Perspektive keinen christlichen Staat geben, zumal er heute säkular sei. Klän sieht die Gefahr, dass der areligiöse und säkulare Staat seinerseits neue pseudoreligiöse Züge annehme und neue Religiosität setze. So würden heute Begriffe wie Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit durch politische Parteien und durch Setzung von Recht religiös au fgeladen und geformt. Die Theologie sei aber eine ideologiekritische Wissenschaft, während Ideologie eine Gesellschaft über die Sprache und auch Sprechverbote formen möchte. Die Folge einer ideologisierten Gesellschaft mit ihrer eigenen Religiosität sei die Entstehung von Parallelgesellschaften, Milieus und „Blasen“, in die sich Menschen flüchten. So sei es befremdlich, wie ein Konventualer meinte, dass in Deutschland Gerichte vorschreiben würden, welche Tauftheologie zu gelten habe. Wer sich als Flüchtling der gerichtlich verordneten Tauftheologie nicht unterordne, dessen Asylantrag werde abgelehnt und die Abschiebung drohe. Ein anderer Konventualer kritisierte die Frühsexualisierung schon im Kindergarten. Die Kirche habe ihrerseits nun nicht die Aufgabe dem Staat anzusagen, wie er die Probleme lösen solle. Gleichwohl dürfe er sich beratend positionieren. Eine Neutralität gegenüber dem Staat könne es für die Kirche jedoch nicht geben, auch wenn sie kein politische s Mandat habe. Wo der Staat Gottes Willen missachte, habe die Kirche ihr Wächteramt auszuüben und dem Staat gegenüber auch das Gericht Gottes anzusagen. Es schloss sich ein reger Austausch − auch aufgrund der aktuellen politischen Lage in Deutschland − an.

Thema „Datenschutz“ und Abendmahlsgottesdienst

Neben Berichten und Terminabsprachen beschäftigte sich der Konvent mit der neuen Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union und der Richtlinie über den Datenschutz in der SELK, zu denen Pfarrer Markus Büttner (Berlin) als Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenbezirks Anmerkungen für die praktische Arbeit machte, so zur Gestaltung eines Impressums für den Internetauftritt und zum Umgang mit persönlichen Daten von Gemeindegliedern in den Gemeindebriefen.

Im Rahmenprogramm des Konventes führte Renate Skirl die Konventualen professionell durch die Schlosskirche und das Schloss.

Der Konvent feierte einen Abendmahlsgottesdienst in der Kapelle der „Alten Lateinschule“, in dem Pfarrer Matthias Krieser (Fürstenwalde) die Predigt hielt. Der Pfarrkonvent ging mit dem Reisesegen zu Ende.

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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
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