„Homberger Synode“: Hessen-Nord tagt an historischem Ort
Am Wochenende vor Palmarum (27. und 28. März) tagte in Homberg (Efze) die Synode des Kirchenbezirks Hessen-Nord der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). Anlass für die Ortswahl war das 500. Jubiläum der „Homberger Synode“, die Landgraf Philipp von Hessen 1526 nach Homberg einberufen hatte und die der Auslöser für die Einführung der Reformation in Hessen war. Auf der diesjährigen Synode begrüßte Superintendent Christian Utpatel (Homberg) erstmals die Synodalen. In seinem Bericht verwies er auf die stabile Situation des Bezirks.
Alle dem Bezirk zustehenden Pfarrstellen sind besetzt. Mit dem Diakonissenwerk in Korbach sowie der Beteiligung am Gertrudenstift in Großenritte ist der Bezirk Heimat für zwei der noch verbliebenen diakonischen Einrichtungen der SELK. Die stabile Situation stehe aber „auf wackligen Füßen“: bevorstehende Ruhestände, fehlender Pfarrernachwuchs und die drohende Kirchenspaltung seien Herausforderungen, auf die sich der Bezirk rechtzeitig einstellen müsse. „Jede Gemeinde muss in der Lage sein, ihr Gemeindeleben auch ohne Pfarrer aufrechterhalten zu können“, so Utpatel, „und zwar nicht irgendwann, sondern binnen der nächsten drei Jahre.“
Der Bezirk ist auf solche Herausforderungen vorbereitet: Als Ergebnis eines bereits vierjährigen Strukturprozesses hat die Synode konkrete Maßnahmen beschlossen. So sollen alle Gemeinden einheitliche Software für Adressen- und Finanzverwaltung einführen, um Vertretungen und Kooperationen zu vereinfachen. Auch wurde die Bezirksordnung geändert: Zukünftig ist nicht mehr der Pfarrer automatisch für die Leitung des Vorstandes zuständig, sondern jeder Kirchenvorstand kann sich selbst eine*n Vorsitzende*n wählen. Die Synode hat außerdem zugestimmt, dass die Gemeinden Marburg, Treisbach und Warzenbach zu einer gemeinsamen Gemeinde zusammengeführt werden. Die Gemeinde Sachsenberg gibt ihren eigenen Gemeindestatus auf und wird zukünftig Predigtort der Gemeinde Korbach. Zugleich wird der Predigtort Osterfeld, wo schon seit geraumer Zeit keine Gottesdienste stattgefunden haben, auch offiziell aufgegeben.
Die gesamtkirchlichen Herausforderungen standen im Mittelpunkt des Berichtes, den der im vergangenen Jahr neugewählte Propst Jörg Ackermann (Melsungen) der Synode gab. Dabei ging er insbesondere auf die Folgen der Beschlüsse des Allgemeinen Pfarrkonvents und der Kirchensynode ein. Die Arbeit der daraus resultierenden Kommissionen zu „Einheit“ und „Trennung“ nehme viel Zeit und Kraft in Anspruch. Ausführlich erörtert wurde auch, dass einige Gemeinden ihre Finanzzusagen für 2027 nur unter Vorbehalt abgegeben haben.
Ein besonderer Höhepunkt der Synode war ein Vortrag von Dr. Volker Mantey über das 500. Jubiläum der Homberger Synode. Volker Mantey ist Pfarrer der Elisabethkirche in Marburg und Propst des Sprengels Marburg der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck (EKKW). In seinem so kurzweiligen wie fundierten Vortrag verwies der Kirchengeschichtler auf die große Bedeutung der Homberger Synode. Erstmals seien durch den Landgrafen Vertreter der Landstände wie auch der Kirche zusammengerufen worden, um eine für Staat und Kirche relevante Frage gemeinsam zu beraten. Dieses Treffen „von Laien und Geistlichen“ ist damit die Grundlage für das synodale Prinzip evangelischer Kirche geworden. Zu den Folgen der Homberger Synode gehörten die Gründung einer ersten protestantischen Universität in Marburg und die Umgestaltung von Klöstern zu Schulen und Krankenhäusern. Mantey ging auch ausführlich auf die aktuellen Herausforderungen der Kirche ein. Man müsse sich von dem Prinzip „jede Gemeinde ein Pfarrer“ verabschieden: Gemeinden sollten ihre Angelegenheiten selbst regeln, Pfarrer seien dann als geistliche Begleiter für größere Regionen zuständig. Diese Veränderungen betrachtete Volker Mantey als große Chance für die Kirche: Die Konzentration auf kleine, aber aktive Gruppen von Christen könne „dem Heil, das wir dieser unheilen Welt zu verkünden haben“, ganz neue Aufmerksamkeit verschaffen. Das Jubiläum der Homberger Synode wird in diesem Jahr mit einem großen Festprogramm begangen.