Angedacht!


"Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird.“

Jeremia 23,5


LiDr. Andrea Grünhagenebe Leserinnen und Leser,

als der Prophet Jeremia diese Worte sprach, stand das Königshaus der Familie Davids in Jerusalem nahezu vor dem Aus. Menschlich war da nicht mehr viel zu erwarten. Der amtierende König, Zedekia, hatte militärisch und politisch längst verloren, er war ein von den Besatzern des Landes eingesetzter Scheinkönig.

Kein Wunder, dass dies alles Fragen aufwarf. Besonders die, was eigentlich mit den Versprechen sei, die Gott selbst den Königen David und Salomo für das Bestehen und Blühen ihrer Dynastie gegeben hatte. War das nun alles hinfällig?

Die Sehnsucht nach „Recht und Gerechtigkeit“ war groß im Land. Mit diesen beiden Begriffen wird im Alten Testament oft bezeichnet, was einen guten Herrscher auszeichnen soll.

Und nun darf Jeremia mehr ankündigen, als er selbst wahrscheinlich zu fassen vermochte. Der Name dieses zukünftigen Herrschers „Der Herr ist unsere Gerechtigkeit“ (Jeremia 23,6) ist zunächst ein Kontrast zum Namen des Königs Zedekia, der sprachlich dasselbe bedeutet, wofür aber der aktuelle König gerade nicht steht. Wir lesen das Prophetenwort vom Neuen Testament her als Ankündigung des Messias Jesus Christus, den endzeitlichen Davidssohn.

Als der ewige Gottessohn Mensch wurde, hat Gott zu allen Verheißungen für das „Haus David“ sein „Ja und Amen“ gesprochen. Jesus hat durch seinen Tod und seine Auferstehung ins Werk gesetzt, dass der Herr unsere Gerechtigkeit geworden ist.

Nicht selten stehen auch wir vor der Frage, was eigentlich mit all den Zusagen Gottes in der heiligen Schrift, die uns seine Hilfe, seinen Beistand, seine liebende Nähe, sein rettendes Eingreifen bezeugen und versprechen, nun ist? Vielleicht ist in Ihrem Leben davon gerade gar nichts zu sehen? Vielleicht haben Sie auch Sehnsucht nach „Recht und Gerechtigkeit“?

Dann mag der Gedanke trösten, dass Gottes Erfüllung nicht nur bei Jeremia oft viel größer ist als seine Verheißung. Nur ist es nötig, zu warten, bis seine Zeit gekommen ist. Im Advent lernen wir, zu warten. So wie Israel auf den Messias zu warten lernte.

Immer wieder sieht seine Erfüllung auch anders aus, als wir sie uns vorgestellt haben. Wer hätte denn damals den Spross Davids in dem Kind im Stall von Bethlehem vermutet? Aber das macht Gottes Versprechen nicht weniger wahr. Ganz im Gegenteil, auch für uns.

Andrea Grünhagen

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