Angedacht!


„Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen. Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

2. Mose 14,13f


LiDr. Andrea Grünhagenebe Leserinnen und Leser,

was für ein ungewöhnliches Wort der Heiligen Schrift hören wir da an diesem Osterfest. Das Volk Israel ist auf der Flucht vor dem Heer des Pharaos, das ihnen nachjagt. Hinter ihnen liegt die Erfahrung des Passah, der Nacht, als der Engel des Herrn die Erstgeborenen der Ägypten schlug, die Häuser der Juden, deren Türen mit dem Blut der Passahlämmer gezeichnet waren, aber verschonte.

Auf dem Weg durch die Wüste erfahren sie Gottes Hilfe und seinen Schutz. Als Wolkensäule bei Tag und als Feuersäule bei Nacht führt er sie oder stellt sich zwischen sie und die Streitwagen der Ägypter. Doch als das Volk am Schilfmeer anlangt, geraten sie in Panik, machen Mose Vorwürfe, wollen am liebsten umkehren und meinen, in einer Sackgasse gelandet zu sein. In dieser Situation spricht Mose die oben angeführten Worte.

Mir kommt der spontane Gedanke: „Führen sich viele Menschen in unserem Land nicht gerade so auf wie das Volk Israel am Schilfmeer? Riesenlamento, Schuldzuweisungen und Vorwürfe an jede beliebige Adresse (nur nicht an die eigene), besinnungslose Furcht, wütendes Rumgebrülle. Da möchte man doch wie Mose sagen: „Nun seid doch um Himmels Willen einmal still! Bei all der (künstlichen) Aufregung verpasst ihr sonst noch etwas Wesentliches, nämlich die Hilfe Gottes. Nein, Gott hat der Pandemie, die uns alle in Atem hält, bislang nicht mit einem Handstreich ein Ende gemacht. Warum, das weiß er allein. Manch einem hat er den Tod und sein Heer sehr nahekommen oder sie gar in die Fluten des Todes stürzen lassen.

Und doch bezeugt uns Gottes Wort an diesem wie an jedem Osterfest neu: Wir versinken, aber wir werden nicht ertrinken. In der Sackgasse des Todes greift der Herr der Heerscharen ein. „Wie tief Kreuz, Trübsal, Angst und Pein: mein Heiland greift allmächtig drein, Halleluja, Halleluja, führt mich heraus mit seiner Hand. Wer mich will halten, wird zuschand. Halleluja, Halleluja.“ (ELKG 85,12).

So hat es das Volk Israel am Schilfmeer erfahren. Als kein Weg mehr offen schien, öffnete sich das Meer und sie konnten hindurchziehen. Aber ihre Verfolger wurden von den Fluten verschlungen.

So hat es Christus erfahren, als er ins Grab gelegt wurde. „Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha, ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah, dennoch dringt als Überwinder Christus durch der Todes Tür …“, so hat es Friedrich von Bodelschwingh gedichtet.

So erfahren auch wir es an den Grenzen zwischen Leben und Tod und noch im Tod. Wenn das aber so ist, dann kann uns ja nichts wirklich schaden oder uns Angst machen. Deshalb gilt auch an diesem Ostern für uns persönlich für alles, was uns bedrückt und bekümmert: „Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird.“

Vielleicht erwartet nicht jeden von uns ein ganz großer Durchbruch, aber das Heil in Christus wird sich zeigen, vielleicht in Kleinigkeiten. Jeder Gottesdienst zu Ostern lehrt uns, etwas davon zu sehen, in der Liturgie werden wir Teil dieser Geschichte. Wo in der Osternacht eine Gemeinde der brennenden Osterkerze in die dunkle Kirche folgt, erinnert sie sich damit an die Feuersäule, die vor Gottes Volk herzieht. Osterlicht und Taufwasser erinnern an den Auszug aus Ägypten, aus dem Tod in die Freiheit. So heißt es dann auch im Lobgesang der Osternacht: „Dies ist das Fest der Ostern, da geopfert wird das wahre Passahlamm Christus, dessen Blut die Türen der Gläubigen zeichnet und das Volk bewahrt vor Tod und Verderben. Dies ist die Nacht, da Gott sein Volk aus Ägypten befreit und trockenen Fußes durch die Fluten des Meeres geleitet hat. Dies ist die Nacht, da Christus die Bande des Todes zerrissen hat und aus der Hölle als Sieger erstanden ist.“

Darum: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Andrea Grünhagen

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