Angedacht!
Für den 4.Sonntag nach Trinitatis 2026 gibt uns der derzeitige Praktikant im Kirchenbüro der SELK einmal Anteil an seinen Gedanken zu einem Bibelwort. Zuvor stellt er sich kurz vor:
Mein Name ist Jonah Eitzeroth. Ich bin derzeit Praktikant im Kirchenbüro der SELK und freue mich, die Möglichkeit zu haben, in die Aufgabenfelder des Kirchenbüros einzutauchen. Ich bin 16 Jahre alt und komme aus der Gemeinde Widdershausen/Obersuhl. Zu meinem Praktikum gehört auch die Gelegenheit, Beiträge zu verfassen. Diese Aufgabe habe ich gerne angenommen und mit Freude bearbeitet, um einige Gedanken zum Wochenspruch Römer 12, Vers 21 zu teilen.
„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“
Römer12,21
Liebe Leserinnen und Leser,
im Laufe des Lebens wird nahezu jeder Mensch mit Anfeindungen oder Beleidigungen konfrontiert – sei es wegen seines Glaubens, seiner Herkunft, seiner persönlichen Überzeugungen oder sogar seiner Lebensweise. Doch wie sollen wir Christen damit umgehen? Und was machen wir, wenn diese Anfeindungen gegen uns Überhand nehmen oder sogar in Mobbing enden?
Der Apostel Paulus beantwortet diese Fragen im Brief an die Gemeinden in Rom im 12. Kapitel. In Vers 21 schreibt er an die Christen in Rom: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Diese Aufforderung sollte den damals verfolgten Christen zeigen, wie sie mit Anfeindungen umgehen und in schwierigen Situationen handeln sollen.
Wahrscheinlich war es damals genauso wie heute schwer vorstellbar, warum und wie man auf Anfeindungen oder bösen Willen „mit Gutem“ reagieren soll. Dieser Gedanke des Apostels war auch für die römischen Christen neu, da Vergeltung damals als angemessene Reaktion auf Unrecht galt. Mit diesem anderen Prinzip zeigte Paulus den unterdrückten Christen, dass sich wahre Stärke nicht in Rache zeigt, sondern darin, das Böse durch gutes Handeln zu überwinden. Dies kann beispielsweise dadurch geschehen, dass man für seine Verfolger betet, damit sie zu Gott finden.
Bereits im vorherigen Vers fordert Paulus die Christen sogar dazu auf, ihrem Feind zu essen zu geben, wenn er hungert, und ihm zu trinken zu geben, wenn er dürstet (vgl. Römer 12,20). Dennoch ist Vers 21 keinesfalls ein Aufruf zur Schwäche. Paulus wollte nicht, dass Christen sich alles gefallen lassen oder in Passivität verfallen. Vielmehr fordert er sie auf, einen anderen Weg des Kampfes zu wählen – den Kampf mit den Mitteln Gottes. Dieser Vers, in dem Paulus zur Liebe, Geduld und zum Vertrauen auf Gott aufruft, bildet den Höhepunkt der Verse 17 bis 21, in denen er den Umgang mit Feinden und dem Bösen beschreibt. So fordert er die Christen außerdem auf, sich nicht selbst zu rächen, sondern dem „Zorn Gottes“ Raum zu geben, da der Herr selbst Vergeltung üben wird (vgl. Römer 12,19).
Soll man nun als Christ bei Anfeindungen und Bedrängungen gar nichts tun und warten, bis die Rache des Herrn kommt? Nein, denn Paulus bezieht sich mit dieser Aussage auf persönliche Rache. Christen sollen und dürfen sich – auch nach den Prinzipien Gottes – verteidigen und wehren, wenn sie einem körperlichen Angriff ausgesetzt sind. Sie sollen jedoch keine spätere Vergeltung planen oder einen Gegenschlag vorbereiten. Stattdessen sollen sie für ihre Feinde beten und Gott darum bitten, ihnen ihre schlechten Taten zu vergeben.
Das griechische Wort für „überwinden“ ist besonders aussagekräftig. Paulus verwendet das starke Verb νικῶ, das auch mit „siegen“ übersetzt werden kann. Dadurch macht er deutlich, dass das Gute das Böse nicht nur überwinden, sondern über das Böse siegen kann. Auch heute beeinflusst dieser Vers noch bekannte Persönlichkeiten. So betonten beispielsweise Martin Luther King Jr. und Desmond Tutu ähnliche Gedanken. Vielleicht können auch wir auch uns und andere, vor allem in diesen Zeiten, öfter an diesen Vers erinnern, sodass wir auch bei Auseinandersetzungen und Anfeindungen, für die andere Person beten und ihr mit Liebe begegnen und der Welt das geben, was sie vielleicht gerade am Dringendsten braucht. Ein bisschen mehr Liebe und Gutes.