Angedacht!


„Er hat noch niemals was versehn
in seinem Regiment,
nein, was er tut und lässt geschehn,
das nimmt ein gutes End.“

Paul Gerhardt (ELKG 230,17)


LiDr. Andrea Grünhagenebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie, was ich Ihnen in diesem Jahr zum Erntedankfest wünsche? Ich wünsche Ihnen, dass Sie so richtige fröhliche, zuversichtliche und dankbare Predigten hören werden. Ach, wenn sich die Kirche der lutherischen Reformation doch gerade jetzt auf ihre Glaubensschätze besinnen würde! Uns allen wäre geholfen und allen um uns herum, die gar nichts vom Glauben und der Kirche wissen, wäre auch geholfen.

Was für Glaubensschätze ich meine? Na, ich wünsche mir, dass wir uns auch im Angesicht der Pandemie, die uns alle beschäftigt, verunsichert, die unseren Alltag verkompliziert und in verschiedener Hinsicht bedrohlich ist, nicht vergessen, was wahr ist und wahr bleibt. Ja, wir erleben gerade so etwas wie eine Naturkatastrophe. Und Naturkatastrophen und der Zweifel am Schöpfer sind sozusagen böse Zwillinge. Darum sollten wir gerade jetzt an diesem Erntedankfest nochmal genau im Katechismusschatz nachlesen: „Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat, samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele … erschaffen hat und noch erhält, mit allem was not tut für Leib und Leben mich reichlich und täglich versorgt, wider alle Gefahr behütet und vor allem Übel behütet und bewahrt.“ Ist das wahr oder nicht? Hat der treue Gott dich erhalten, reichlich und täglich versorgt und behütet und bewahrt? Wenn du noch soweit bei Bewusstsein bist, dass du dir diese Frage stellen kannst, dann hat er es doch wohl getan. Warum denkst und redest du dann oft so, als wäre das nicht wahr?

Aber wir haben ja noch mehr Schätze, und auf einen will ich besonders den Blick lenken. Nämlich die Lieder von Paul Gerhardt, die im Gesangbuch zu finden sind. Dieser Pfarrer und Liederdichter hat die Schrecken von Krieg und Pest erlebt, hat fast seine ganze Familie begraben müssen und konnte auch in theologischen Auseinandersetzungen seinen Mann stehen. Und wenn so einer im Jahr 1653 dichten kann: „Gott hat noch niemals was versehn, in seinem Regiment“, dann kannst du sicher sein, das bezeugt jemand, der erfahren hat, dass es wahr ist. Gott sitzt nämlich im Regiment, das war Paul Gerhardt ganz wichtig. Er war nicht den Mächten ausgeliefert, die Politik oder Seuche heißen, er war immer in der Hand seines Gottes.

Ich habe es einmal selbst erlebt: In einer Familie war jemand sehr ernsthaft krank und alle in großer Sorge vor der Zukunft. Da kam ihr ehemaliger Gemeindepastor zu Besuch und, konfrontiert mit den ganzen Nöten und Ängsten, sagte er nur einen Satz: „Ich glaube an Gott den Allmächtigen!“

Das ist nämlich gerade die entscheidende Frage, ob du nur so eine vage Gottesvorstellung oder einen allmächtigen Gott hast. Und wenn du den hast, dann kannst du, wie Paul Gerhardt fest davon ausgehen, dass alles, was Gott tut oder geschehen lässt (nebenbei bemerkt, etwas anderes gibt es ja gar nicht. Dinge geschehen, weil Gott sie tut oder geschehen lässt, sonst hat da keiner was mitzureden), ein gutes Ende nehmen wird. Allerdings, die Lieder dieses Dichters enden immer im Himmel. Dieses gute Ende ist jedenfalls schon mal garantiert. Und für alles andere, das durchaus oft anders ausgeht als wir das wollen, gilt: „Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, schafft Rat und lässt dich nicht.“ (ELKG 230, 14)

Ja, solche Prediger wie Luther oder Paul Gerhardt oder jenen Pastor, den ich gerade erwähnt habe, die hätten wir jetzt nötig, die uns das jetzt sagen könnten. Aber ob wir sie haben oder nicht, wir können doch schon mal mit den Schätzen anfangen, die wir haben. Wenn wir eine angstmachende Zeitungschlagzeile aus dem Augenwinkel wahrnehmen, die nächste ungute Meldung auf dem Bildschirm erscheint, im Fernsehen wieder Studien und Fallzahlen präsentiert werden oder uns bedrohliche Bilder und Gedanken anfallen, dann sagen wir innerlich deutlich: „Ich glaube an Gott den Allmächtigen!“ und sprechen zu uns selbst: „Wohlauf mein Herze, sing und spring, und habe guten Mut. Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.“ (ELKG 230, 13)

Ich wünsche Ihnen allen so ein mutiges Erntedankfest!

Andrea Grünhagen

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