Mehrgenerationenfreizeit in Karchow
Worauf liegt dein Fokus? Mit dieser Frage starteten am 10. August knapp 50 Menschen in eine Freizeit, zu der sowohl Familien, Alleinstehende und Menschen aller Altersgruppen eingeladen waren. Unter der liebevollen Leitung von Ulrike und Rolf Pietrusky aus der Gemeinde Jabel und ihrem Team konnten sich die Angereisten einige Tage mit Programm aus Andachten, Bibelgesprächen für Junge und Ältere, freier Gestaltung am Nachmittag und bestem Essen aus fachkundigen Händen fallen lassen. Und das bei bestem Wetter.
Während die meisten in den Zimmern des alten Pfarrhauses der Christlichen Freizeit- und Bildungsstätte Karchow in Mecklenburg-Vorpommern Quartier nahmen, zelteten auch einige im weitläufigen Garten und auch tagsüber konnten die meisten Aktivitäten draußen stattfinden. Platz, um sich auch mal aus dem Weg zu gehen gab es für die unterschiedlichen Altersgruppen zur Genüge: Die Jüngsten bevölkerten zumeist einen sehr kletterbaren Apfelbaum und waren darin kaum zu sehen. Die Teenies zogen als Bande von Ort zu Ort, am ununterbrochenen Gekicher aber immer gut zu finden. Die Erwachsenen fühlten sich in verschiedenen Hängematten oder auf den Sitzgelegenheiten im Schatten wohl und waren meist in Gespräche, Kartenspiele oder Bücher vertieft, wenn sie sich nicht gerade um eines der Allerjüngsten zu kümmern hatten. Der jeweilige Fokus war also klar verteilt. Ich bin das Brot des Lebens, ich bin das Licht der Welt, ich bin die Tür und der gute Hirte. Mit diesen „Ich-bin“-Worten Jesu beschäftigten wir uns vormittags in altersgerechten Gesprächsgruppen. Erstaunlich war, wie die Worte über die Gespräche hinaus vom Verlauf der Freizeit und unseren Aktivitäten wieder aufgenommen wurden: Der leckere Speiseplan sah nicht nur Brot vor, sondern jeden Tag mehrere frisch gebackene Kuchen. Als hätte der Himmel es gewusst, bestaunten wir am Dienstag gemeinsam die partielle Sonnenfinsternis. Ein fachkundiger Teilnehmer bündelte mithilfe eines Fernglases das besondere Licht am Abend dieses Tages und projizierte es gekonnt auf eine Zeltwand, sodass alle unbeschadet das Spektakel miterleben konnten. Als es Nacht wurde, verließen wir durch die eine Tür des eingezäunten Geländes gewohntes Terrain und betraten dahinter das weite Feld, über dem der noch viel weitere Sternenhimmel mit reichlich Sternschnuppen auf uns wartete. Und im Irrgarten zu Bollewick suchten wir am Tag darauf unbeirrt nach dem Ausgang. Gegen Ende der Woche bekamen wir Besuch vom Posaunenchor der Gemeinde Jabel und ihrem Hirten in spe und seiner Frau. Durch die Abende dieser Tage begleitete uns recht heiter Ulrich Hubs „Lahme Ente, blindes Huhn“ als Gute-Nacht-Geschichte, in der zwei herzerwärmende Geflügel mit jeweils ganz eigenem Fokus den Weg aus ihren persönlichen Beschränkungen suchen. Persönlich wurde es in den Bibelgesprächen, die viel Raum boten, um den Fokus der anderen auf die Worte Jesu wahrzunehmen. Wir dachten gemeinsam darüber nach, welchen Fokus der Sprecher der „Ich-bin“-Worte selbst eigentlich hatte und was dieser mit seinem Fokus auf uns heute zu tun hat.
Das gemeinsame Nachdenken mündete am vorletzten Tag in einen Freizeitgottesdienst: In der Kirchruine Dambeck wurde das Leben gefeiert, das Leben, das Gott für uns will und uns schenkt, weil er sich schenkt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Umgeben von den Feldsteinen der Ruine sangen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von dem, was nicht hinter Mauern bleiben kann: „Herr, du bist mein guter Hirt: Sorgst für mich an jedem Tag. In Trauer, in Sorgen, selbst wenn Dunkelheit mein Leben einnimmt, muss ich doch nichts fürchten, denn du bist bei mir, mein Gott, denn du bist mein guter Hirt.“
Mit Geborgenheit, viel Licht und Weite, guten Gesprächen, neuen Gedanken und Bekanntschaften im Gepäck bin ich wieder abgereist. Den Fokus neu ausgerichtet.