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Reformationsfest mit Gedenken an Paul Gerhardt

GruenbergDie Bethlehemsgemeinde Grünberg der SELK feierte einen Gottesdienst zum Reformationsfest mit dem Gedenken an den Liederdichter Paul Gerhardt, der vor 350 Jahren verstarb. Superintendent em. Wolfgang Schillhahn leitete den Gottesdienst. Als Gastprediger war SELK-Bischof Hans-Jörg Voigt aus Hannover gekommen. Seine Predigt hatte Paul Gerhardts Lied „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ zum Inhalt, dabei zog er Querverbindungen zwischen den einzelnen Liedstrophen und dazu passenden Bibelworten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen hielt Bischof Voigt einen fünfteiligen Vortrag zum Leben von Paul Gerhardt, der in Gräfenhainichen geboren wurde. Bildlich unterstützt wurden die Stationen durch die Präsentation von heutigen Aufnahmen der Orte, in denen Paul Gerhardt wirkte. Geschildert wurde die Schulzeit in Grimma, die er in der Fürstenschule St. Augustin verbrachte.

Es folgten die Stationen des Theologiestudiums an der Universität in Wittenberg, wo er als Hauslehrer sein Studium finanzieren musste, sowie nach dem Studium die Anstellung in Berlin, wo er im Haus des Kammergerichtsrats Berthold ebenfalls als Hauslehrer tätig war, da infolge der Wirren des 30-jährigen Krieges keine Pfarrstellen besetzt wurden. Dort lernte er seine spätere Ehefrau kennen. Von Berthold vermittelt erhielt er nach dem Krieg 1651 eine Stelle als Pfarrer in Mittenwalde, die er für 6 Jahre innehatte. Anschließend wurde er in der Berliner Nikolaikirche als zweiter Diakon eingesetzt. Den Dienst versah er dort, bis er 1666 entlassen wurde, da er nicht bereit war, der Forderung des damaligen Landesfürsten nachzukommen, von seiner lutherischen Haltung zum Abendmahl abzulassen und die reformierte Lehre anzuerkennen, die vom Kurfürsten als Hof- und Beamtenreligion festgelegt wurde. Nach seiner Entlassung in Berlin zog Paul Gerhardt ins kursächsische Lübben, wo er wieder eine Anstellung als Pfarrer erhielt und bis zu seinem Tod 1676 lebte.

Bischof Voigt erläuterte, dass Paul Gerhardt bereits in der Zeit in Wittenberg erste Lieder dichtete, in der Berliner Zeit verarbeitete er die Kriegserlebnisse in Liedtexten, in die auch theologische Themen einflossen. Vertont wurden seine Lieder von Johann Crüger, der in Berlin als Kantor tätig war, sowie von dessen Nachfolger Johann Ebeling. Dieser veröffentlichte eine erste Gesamtausgabe der Liedertexte von Paul Gerhardt.

Nach jeder neuen Station des Lebens des Liederdichters sangen die Anwesenden einzelne Strophen einiger seiner Lieder, begleitet von Martin Groß am Klavier. Am Ende wurde Bischof Voigt mit einem Geschenk gedankt für seinen Dienst an diesem Tag.

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