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An dieser Stelle werden auf selk.de regelmäßig Bücher vorgestellt: zum Lesen, zum Verschenken, zum Nachdenken, zum Diskutieren – Buchtipps für anregende Lektürestunden. Die hier veröffentlichte Buchvorstellungen hat Angelika Krieser verfasst.
Wiederentdeckt: John Bunyans „Pilgerreise“
„Die Pilgerreise“ des englischen Baptistenpredigers und Schriftstellers John Bunyan (1628-1688) zählt zu den Klassikern der christlichen Erbauungsliteratur. Das Werk entstand während einer zwölfjährigen Haftstrafe, zu welcher der Autor verurteilt wurde, weil er außerhalb der anglikanischen Staatskirche gepredigt hatte.
In der Form eines Abenteuerromans beschreibt das Buch in zahlreichen Bildern mit eingeschobenen Bibelzitaten die Lebensreise eines Christen. Im ersten Teil des Buches macht sich ein Mann namens Christ aus seiner Heimatstadt Verderben auf, nachdem ihm ein Mann mit Namen Evangelist den Weg durch die enge Pforte nach dem Berg Zion gewiesen hat. Auf diesem Weg sieht sich Christ vielen Versuchungen und Gefahren ausgesetzt; er muss Kämpfe bestehen, erhält aber auch immer wieder himmlische Stärkung und Weisung, bis er endlich sein Ziel erreicht. Der zweite Teil beschreibt die Lebensreise von Christs Frau namens Christin und ihrer vier Söhne, die anfangs nicht mit ihrem Mann gemeinsam ausziehen wollte, jedoch schließlich ebenfalls zur ewigen Stadt gelangt.
Taufe, Abendmahl, Beichte und Gemeindegottesdienst benennt Bunyan in seinem Werk an keiner Stelle wörtlich, allerdings lassen sich manche Bilder in diese Richtung interpretieren. Das Buch richtet seinen Scheinwerfer eher auf die Mühen und Kämpfe eines christlichen Pilgers als auf lutherische Sakramentstheologie. Trotzdem ist es kein Aufruf zur Werkgerechtigkeit: Immer wieder wird die göttliche Gnade als Heil- und Stärkungsmittel beschrieben, dagegen die Gesetzlichkeit klar als Irrweg verworfen.
Auch im 21. Jahrhundert kann die Lektüre dieses Buches noch wertvoll sein, gibt es doch heute ebenfalls manchen Sumpf der Verzweiflung zu umgehen, manchen Jahrmarkt der Eitelkeiten zu überqueren. Zeitlose Weggefährten heißen Schwätzer, Heuchler und Kleinglaube, aber auch Treu, Hoffnungsvoll und Rechtschaffen.
„Die Pilgerreise“ will das Gewissen schärfen und immer wieder dazu ermutigen, unbeirrt den Weg bis ins himmlische Ziel weiterzugehen, bis endlich unter großem Jubel die ewige Stadt erreicht ist. Wer kein altes Exemplar des Buches zur Hand hat und sich kein neues kaufen möchte, findet den Text auch HIER frei im Internet im Rahmen des „Projekt Gutenberg“.
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