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500 Jahre Reformation in Hessen – Festakt in Homberg (Efze)

500 Jahre Reformation InterviewZu einer Auftaktveranstaltung für das Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation in Hessen“ aus Anlass der Homberger Synode von 1526 hatte die Evangelische Kirche von Kurhessen Waldeck (EKKW) und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in die Stadtkirche St. Marien in Homberg (Efze) eingeladen. Mehr als 200 geladene Gäste aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft waren der Einladung am Samstag, 21. Februar 2026, gefolgt. Unter ihnen auch der leitende Geistliche der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover), der Superintendent des Kirchenbezirks Hessen-Nord, Christian Utpatel (Homberg) und Gemeindeglieder der dortigen SELK-Gemeinden.

Dass diese Reformation europäische Dimensionen angenommen und das Leben verändert habe, beschrieb Festredner Dr. Mario Fischer, Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) aus Wien. Alle Menschen hätten durch sie eine neue Stellung vor Gott und in der Gesellschaft erhalten, denn Fürsten setzten sich für Kirchenreformen ein, städtische Räte gründeten Schulen und Gemeinden übernahmen die Armenfürsorge. Er nannte die Reformation „eine befreiende Kraft des Evangeliums.“ GEKE ist eine Kirchengemeinschaft zwischen reformierten und lutherischen Kirchen in Europa auf der Basis der Leuenberger Konkordie von 1973. Die SELK ist dieser Kirchengemeinschaft als lutherische Bekenntniskirche nicht beigetreten.

Während des Festaktes wurde eine Bachkantate aufgeführt, die durch zwei Interviewteile zur Bedeutung der Homberger Synode unterbrochen wurde. Propst Dr. Volker Mantey vom Sprengel Marburg stellte die Fragen. Seine Gesprächspartner waren unter anderem Bischöfin Dr. Beate Hofmann (EKKW), Regierungspräsident Mark Weinmeister sowie der römisch-katholische Bischof des Bistums Fulda, Dr. Michael Gerber. Bischöfin Hofmann betonte in ihrem Redebeitrag, dass die Kirche in ihren Entscheidungen auch heute an das Evangelium Jesu Christi gebunden sei. Bischof Gerber erinnerte daran, dass Franz Lambert von Avignon, der eine von Luther kritisierte Kirchenordnung für Hessen entworfen hatte, natürlich seine Erfahrungen als ehemaliger Franziskanermönch eingetragen habe.

In einem zweiten Teil wurden die Pröpstin EKHN, Sabine Bertram-Schäfer, die Vizepräsidentin der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Evelyn Korn, sowie der Bischof der SELK, Hans-Jörg Voigt interviewt. Voigt erinnerte daran, dass es 1526 die lutherischen Bekenntnisse noch nicht gab, wenn man von den altkirchlichen Bekenntnissen absehe. Erst 1529 veröffentlichte Luther den Großen und den Kleinen Katechismus und ein Jahr später, 1530, wurde das Grundbekenntnis der lutherischen Kirche, die Augsburger Konfession, auf dem Reichstag in Augsburg vorgestellt. Die Relevanz der Bekenntnisse liege darin, dass Kirche daran auch heute inhaltlich erkennbar werde. In einer sich rasant verändernden Zeit sprächen die Heilige Schrift und die Bekenntnisse der Kirche besonders die Grundkonstanten der menschlichen Existenz aus Geborenwerden, Heranwachsen, Lieben, Kinder erziehen, Krankheit und Leiden und Sterbenmüssen an. Bischof Voigt sagte zudem: „Die SELK ist stolz darauf, mit der SELKiade ihre größte Jugendveranstaltung im Jubiläumsjahr 2026 nach Homberg zu holen. Am Himmelfahrtswochenende vom 14. bis 17. Mai kommen Jugendliche aus allen Teilen Deutschlands nach Homberg zu sportlichen Spielen aber auch zu Gottesdiensten, Andachten, zu Bibelarbeit und Gebet.“

Im Nachgang der Veranstaltung äußerte sich Bischof Voigt gemeinsam mit Superintendent Utpatel gegenüber SELK-Medien dankbar für die Einladung zum Festakt. Aus Sicht seiner Kirche habe das landesherrliche Kirchenregiment, das mit Philip von Hessen begann, auch seine Schwierigkeit, meinte Voigt weiter. Als der Preußische König 1866 Hessen annektierte, konnten die später so genannten „renitenten“ lutherischen Pfarrer den Bemühungen um eine Union zwischen Reformierten und Lutheranern nicht folgen. So könne man die „Hessische Renitenz“, eine Vorgängerkirche der SELK, als eine Folge des landesherrlichen Eingriffs in Kirchenangelegenheiten sehen, meinte Voigt. Weitere Informationen zur Bedeutung der Homberger Synode sowie das umfangreiche Programm des Festjahres finden sich auf www.synode500.de.

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