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Jahreslosung für 2029 steht fest: Daniel gewinnt

Jahreslosung 20292029 wird dreistellig. Die 100. biblische Jahreslosung heißt dann: „Du bist von Gott geliebt.“ Erstmals überschreibt ein Bibelvers aus dem Buch Daniel ein Kalenderjahr. Darüber hat die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) am 25. März in Berlin entschieden. Nicht als simples „Gefällt mir“, sondern in leidenschaftlicher Auseinandersetzung – ganz im Sinne der Schrift. „Die Bibel, das sind ja nicht lauter Liebe-Gott-Geschichten, sie handeln schon mal von Stinkwut oder von Sprachlosigkeit“, sagt die Vorsitzende, Jutta Henner. Bei der Jahrestagung wurden außerdem die zwölf biblischen Monatssprüche für 2029 festgelegt, vier aus dem Alten und acht aus dem Neuen Testament. Die Losungen werden drei Jahre im Voraus gewählt, damit sie sich nicht zu stark dem Zeitgeist dienstbar machen. Das Wort Daniel 9,23 erhielt die meisten Stimmen, weil es „Evangelium pur ist“, so Florian Voss von der Deutschen Bibelgesellschaft.

Lotta, Elin und Jakob sind aus Potsdam zur ÖAB-Jahrestagung gekommen. Sie dürfen als Jugenddelegierte mitstimmen. Ihr Lehrer Matthias Vogt begleitet sie. Dafür gemeldet hat sich das Trio freiwillig – „ohne genau zu wissen, was auf uns zukommt. Ich hatte keine klare Vorstellung, wie die Losung entsteht. Ich dachte an Auslosen“, sagt Jakob. Der Begriff legt das ja nahe. Die handfeste Diskussion um den Vers macht ihm Spaß.

30 Delegierte bilden vier Arbeitsgruppen. Die Teams bringen je zwei Vorschläge für die 100. Jahreslosung ein, die sie vorab hinter verschlossenen Türen diskutiert haben. Gyburg Beschnidt, Delegierte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, leitet das Plenum. „Die Losung gilt für ein ganzes Jahr, sie sollte plakativ genug sein, das zu tragen“, mahnt sie. Der Wunsch nach einem kurzen Bibelvers schwingt im Gesagten mit.

Der Vorschlag, die das Finale eröffnet, ist Sprüche 31, Vers 8. Ein langes Bibelwort. „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“ Der Saal im Haus der Diakonie in Berlin-Mitte leistet dem prompt Folge. Hände schießen in die Höhe, Wortmeldungen werden ausgetauscht: Ein klares Anliegen, das die Kirche als Gegenmodell zur Welt kennzeichne, die sich für Minderheiten einsetzt, sagen die einen. Zu binnenfokussiert, entgegen die anderen. Gerade die Jahreslosung strahle in den Kontext aus, also in die Gesellschaft. Ein zu belehrender Vers komme nicht gut. Das Wort wird abgewählt.

„Was die Erwachsenen sagen, kann ich teilweise nachvollziehen. Teilweise auch nicht“, sagt Lotta. Die Neuntklässlerin stellt fest: „Viele der vorgeschlagenen Losungen handeln von Gemeinschaft. Das finde ich wichtig. Christen kümmern sich um andere.“

Der nächste Kandidat für die Jahreslosung 2029 ist der spätere Gewinner, Daniel 9,23: „Du bist von Gott geliebt.“ Jutta Henner staunt: „Eine Jahreslosung aus dem Buch Daniel gab es bisher nie.“ Diesmal sind gleich zwei Verse vorgeschlagen, weiterhin 10,19: „Friede sei mit dir.“ Beide kurz, beide im Kontext strittig. Wolfgang Baur, Delegierter des Katholischen Bibelwerkes aus Stuttgart, ordnet den ersten Vorschlag ein: Die Formulierung „von Gott“ stehe im Hebräischen nicht da. Zugleich sei der Vers der Jahreslosung von 2028 (1. Korinter 13,13) zu ähnlich. Besser zu viel Liebe als zu wenig, raunt die Gegenseite. „Liebe, das ist doch das Wichtigste“, erklärt Jakob. Applaus für den Schüler, der Spruch bleibt in der engeren Auswahl. Jutta Henner stellt klar: „Wir reden hier über die 100. Jahreslosung. Die braucht schon ein biblisches Leitmotiv.“

Biblischen Bezug finden auch Elise und Marie wichtig, die Jugenddelegierten des CVJM. „Eine Jahreslosung muss mit Jesus oder mit Gott zu tun haben“, betont Elise, „das ist für mich der Kern der christlichen Botschaft.“ Marie ergänzt: „Wenn ich an meine Generation denke, wenn jemand die Losung liest und zum ersten Mal von Jesus hört – oder von Gott. Das ist deutlich.“ Beide haben andere Favoriten. Marie stimmt für Hebräer 10,24: „Lasst uns einander anspornen zu Liebe und zu guten Werken.“ Elise hebt die Hand für Jesus’ Zuspruch an Bartimäus: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ Beide Verse schaffen es nicht in die Endauswahl. „So spricht heute niemand mehr. Eine Jahreslosung darf nicht zu sperrig sein. Und eine Frage ist auch schwierig“, begründet Matthias Baral vom Jugendverband entschieden für Christus versöhnlich in Richtung der Jugenddelegierten. Gyburg Beschnidt findet: „Dieses Buch steckt voller guter Sprüche. Die Losung muss aber eben nicht nur gut sein, sondern eingängig.“ Die Neuntklässlerinnen sehen das genauso: „Die Losung ist kein Satz, der von jedem kommt.“

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