SELK-Aktuell

Gedenken der Euthanasieopfer

Guben PutzaktionAm 30. Mai 1940 hielten zwei graue Busse vor dem Naëmi-Wilke-Stift. 32 Menschen mit Beeinträchtigungen, die bis dahin in der Obhut des Stiftes lebten, Kinder und Erwachsene, mussten einsteigen. Sie wurden nach Brandenburg/Havel gebracht und kamen nie wieder zurück. Nur die Todesmeldungen kamen – nach und nach. In Brandenburg/Havel befand sich eine Tötungsanstalt für „unwertes“ Leben. Nachdem der Vorstand des Stifts davon erfuhr, versuchte er, die übrigen Pfleglinge zu schützen. Doch vergebens, im Laufe des Jahres 1941 wurden noch einmal 16 Kinder abgeholt und getötet.

„Unwertes“ Leben, eine furchtbare Vorstellung, die zur Zeit des Nationalsozialismus auf schreckliche Art umgesetzt wurde.

An diese Verbrechen erinnern auf dem Campus der Stiftung zehn Stolpersteine. In einer kurzen Andacht rief Rektor Markus Müller am heutigen Tag zur Wachsamkeit auf. „Das alles – die Massenvernichtung von ‚unwertem‘ Leben – sorgte dafür, dass die Menschenwürde an den Anfang des Grundgesetztes gestellt wurde: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt.“ Und Rektor Müller weiter: „Die Menschwürde erwirbt man nicht. Man besitzt sie, weil man Mensch ist. Dies war 80 Jahre lang akzeptiert in unserem Land. Wir müssen aufpassen, dass sich nicht rein libertäre und egoistische Denkweisen, die nur die Macht des Stärkeren gelten lassen, durchsetzen und zu neuem Unrecht und Menschenvernichtung führen.“

Im Anschluss an die Andacht wurden die Stolpersteine geputzt und wieder zu neuem Glanz gebracht. Sie erinnern uns daran, dass wir das Lebensrecht von Menschen mit Beeinträchtigungen achten und fördern.

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