Gedenktag Johannes des Täufers (24. Juni)


Johannes der Täufer sprach: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“
(Johannes 3,30)

„Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus.“
(Apostelgeschichte 19,4)

Johannes

In der lutherischen Tradition gibt es bei allen Feiertagen des Kirchenjahres nur zwei, die einen Geburtstag zum Anlass haben. Das eine ist, ganz klar, Weihnachten am 25.Dezember, wo es um die Geburt Jesu Christi geht. Das andere ist das Fest der Geburt Johannes des Täufers am 24.Juni. Die Datierung ist dabei nicht zufällig, sondern biblisch, denn aus den Geschichten, die uns am Anfang des Lukasevangeliums von Jesus und Johannes, die über ihre Mütter Maria und Elisabeth miteinander verwandt waren, berichtet werden, lässt sich schließen, dass Johannes ein halbes Jahr vor Jesus geboren wurde. Auf der Nordhalbkugel der Erde machen die konkreten Daten, nämlich jeweils im Zusammenhang der Winter- bzw. Sommersonnenwende sogar anschaulich, was Johannes der Täufer von sich selbst bezeugt: Jesus muss wachsen und groß werden, er muss abnehmen und kleiner werden.

Denn Johannes ist nur der Vorläufer für den Größeren, der nach ihm kommen sollte. Paulus hat es später gut in einer Predigt in Ephesus beschrieben: Die Taufe des Johannes war eine Bußtaufe zur Vorbereitung auf das Kommen des Messias. Er hat zum Glauben an Jesus aufgerufen.

Was ist das Größte an Johannes? Dass er sich immer zurückgenommen hat, nichts an Ruhm oder Geltung für sich wollte und immer nur Jesus den Vortritt gelassen hat. Der Täufer hat die Aufgabe, die von Gott her der Sinn seines Lebens sein sollte, erfüllt. Seine Predigt war scharf und klar und er hat dafür am Ende auch mit dem Leben bezahlt. Am 29.August begeht die Kirche den Tag der Enthauptung Johannes des Täufers. Nichts liegt an dem Menschen Johannes, der Jesus und viele seiner Zeitgenossen getauft hat, aber alles an Jesus, der mit Heiligem Geist und Feuer taufen sollte. Und doch hat Johannes diesen weiteren prominenten Feiertag im Kirchenjahr, mit dem sich auch viele Bräuche verbinden, die allerdings zum Teil auch noch aus der vorchristlichen Zeit stammen und mit der Sommersonnenwende zu tun haben.

Was Johannes den Täufer neben seiner kompromisslosen Klarheit auszeichnete, war seine Demut. Johannes macht sich selbst klein. Jesus aber macht ihn groß. Er lässt sich von Johannes im Jordan taufen und macht sich seinerseits nun klein, nimmt das Zeichen der Buße auf sich, obwohl er für nichts Buße zu tun braucht – und das wissen sowohl Jesus als auch Johannes. Jesus muss sich nicht im Glanz seiner Anbeter und Nachfolger sonnen, er ist die Sonne selbst. Und er selbst macht seinen Diener und Vorläufer groß: „Wahrlich ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist, als Johannes der Täufer; der aber der kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er.“ (Matthäus 11,11)

Wenn das nicht ein Grund ist, Johannes den Täufer an seinem Feiertag in Ehren zu halten!


Foto: Glasfenster der Zionsgemeinde Hamburg (leicht bearbeitet)

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