SELK-Aktuell

Missionsdirektor in Brasilien unterwegs

Missionsdirektor BrasilienVom 21. August bis zum 6. September besuchte Missionsdirektor Edmund Hohls mit seiner Frau Annegret die Schwesterkirche der SELK, IELB, in Brasilien. Dort arbeitet die sozial-diakonisch-missionarische Mitarbeiterin der Lutherischen Kirchenmission (Bleckmarer Mission) e.V. (LKM), Andrea Riemann, im Kinder- und Altenheim in Moreira und im Projekt Sonnenstrahl in Canoas, der drittgrößten Stadt im Bundesstaat Rio Grande do Sul. Sie hatte eine ausgedehnte Besuchsreise in Gemeinden und Institutionen der IELB vermittelt und vorbereitet, die nicht nur Einblicke in ihre eigene Arbeit, sondern weit darüber hinaus auch in viele andere diakonische und kirchliche Einrichtungen gewährte. In Porto Alegre trafen sie den Präses der IELB, Pastor Geraldo Schüler, sowie den Leiter der Diakonischen Einrichtungen, Pfr. Dr. Airton Schroeder, zu einem ausführlichen Gespräch.

„Was uns auf dieser Brasilienreise besonders beeindruckte, ist die Herzlichkeit der Menschen und das hohe sozial-diakonische Engagement der brasilianischen Schwesterkirche, da sie wüsste, dass die herausfordernden Lebensumstände vieler Menschen dadurch verbessert würden,“ fasst Missionsdirektor Edmund Hohls seine Eindrücke zusammen. So berichtete der Leiter der Kindertagesstätte der Evangelisch-Lutherischen Wohltätigkeitsvereinigung (AELCA) in Porto Alegre, Pastor Jose Daniel Steimetz, von vielen Hürden, die er mit seinem Team täglich zu bewältigen habe: 200 Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 14 Jahren wird in der Tagesstätte eine zuverlässige Betreuung geboten. Wenn die Kinder tagsüber nicht in der Schule seien, seien sie hier – und umgekehrt. Ob die Räumlichkeiten den Anforderungen eines Deutschen Jugendamtes genügen würden? Diese Fragen stellt sich der engagierte Pastor nicht, weil er weiß, dass seine Tagesstätte der beste Ort für die Kinder ist, an dem zudem jedes Kind einmal täglich eine warme Mahlzeit bekommt.

Dabei gibt Pastor Jose Steimetz unumwunden zu, dass sie immer wieder vor scheinbar unlösbare Probleme gestellt werden. Wenn er dann die Verwaltungsleiterin frage, ob er am Seminar gefehlt habe, als man das Fach Diakonie unterrichtete, pflege sie zu sagen: „Die Unterrichtsstunde findet jetzt statt.“ „Biblisch fundierte, ev.-lutherische Theologie mit Herz und Verstand: Diakonie nicht verstanden als etwas, das die Kirche (auch) noch tut, sondern Pfarrer und Gemeinden erkennen vielmehr diakonische Situationen als missionarische Chancen und nutzen diese“, so der Missionsdirektor der LKM.

An drei Schulen in Canoas, die Andrea Riemann in dem Projekt Sonnenstrahl betreut, hält Schulpastor Altair Santos vor der monatlichen Vergabe von Lebensmittelpakten eine Andacht. Er und Andrea Riemann fragen einmal im Jahr nach den Lebensumständen, bspw. ob jemand mittlerweile eine Arbeitsstelle bekommen hat, oder ob Aussicht auf eine solche bestünde. Die Hilfe sei nicht auf Dauer angelegt, sie solle Hilfe zur Selbsthilfe sein. „Aber wenn jemand zu schwach ist, den sprichwörtlichen Fisch zu fangen, so muss man ihm helfen, damit er überhaupt einen Fisch fangen kann,“ sagt Andrea Riemann. An den Schulen erlebten die Besucher aus Deutschland den überwältigenden Dank der Schulleiter, der Lehrer und der Schüler. So habe die große Hilfsbereitschaft deutscher Gemeinden nach der Flutkatastrophe im Mai 2024 in Canoas und Porto Alegre es ermöglicht, dass der Schulbetrieb bald wieder aufgenommen werden konnte. „Ohne die Hilfe aus Deutschland hätten wir die Schulen schließen müssen,“ resümiert die Gründerin Etna Bierhals-Borkert.

In Sao Paulo hatten Annegret und Edmund Hohls Gelegenheit, eine vor 15 Jahren begonnene missionarische Arbeit der Friedensgemeinde kennen zu lernen. Etwa 15 Kinder kamen an diesem Nachmittag zusammen, hörten eine biblische Geschichte, die lebhaft von einer Kindergottesdienstmitarbeiterin – sie ist außerdem Präsidentin des Kirchenvorstandes ihrer Gemeinde - erzählt und durch kreative Nacharbeit gefestigt wird. Im Anschluss daran wird noch gesungen, es werden ein oder 2 Spiele gespielt und die Kinder bekommen eine kleine Mahlzeit. Ein Junge sagt zum Abschied: „Ich bin immer sehr traurig, wenn die Tür samstags verschlossen bleibt.“ Gemeinde als Hort, als Wohlfühlraum, wo Kinder Kinder sein können, wo sie Zuwendung und Liebe erfahren und spüren, wo sie vom Heiland der Welt hören und ihm ihre Loblieder singen.

Mehr als 500 Gemeinden der IELB engagieren sich heute stark sozial-diakonisch. Zudem wird die Notwendigkeit sozialen Engagements bei der theologischen Ausbildung zukünftiger Pfarrer berücksichtigt, wie der Präses der Kirche, Pastor Geraldo Schüler, Porto Alegre, betont. So habe Pastor Dr. Airton Schroeder, Leiter der Diakonischen Einrichtungen, noch 2 Wochen vor der Flutkatastrophe in Canoas und Porto Alegre im Mai 2024 am Seminar in Sao Leopoldo einen Kurs in Katastrophenhilfe gehalten.

Die Frage, was die Selbständige Ev.-Luth. Kirche von der IELB, einer wachsenden Kirche, die erkannt habe, dass „Glaube in der Liebe tätig“ sei (Galater 5,6), lernen könne, treibe ihn seitdem um, berichtet Edmund Hohls. Eine theologische Einstellung, die ihm sehr imponiert habe, betont er. Er glaube, dass auch in Deutschland Türen offen seien, Menschen in Not zu helfen und das Evangelium glaubwürdig zu bezeugen.

Auf dem Foto v.l.n.r.: Pfarrer Geraldo Schüler (Präsident der IELB), Annegret Hohls, Edmund Hohls, Pfarrer Dr. Airton Schroeder (Leiter der Diakonischen Einrichtungen der IELB)

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