Gilberto da Silva: Reformationsvortrag | 31.05.2017

Reformation: Kontinuität und Umbruch
SELK: Gilberto da Silva zu Gast in Kronberg

Kronberg, 31.5.2017 - selk - Am gestrigen Dienstag sprach Prof. Dr. Gilberto da Silva, Professor für Historische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Oberursel, im Wappensaal der Burg Kronberg (www.burgkronberg.de) über das Thema "Reformation: Kontinuität und Umbruch". Der Vortrag gehörte zu einer Reihe von Veranstaltungen auf der Burg im Zeichen des Reformationsgedenkens 2017.

Anhand einer reformatorischen Mühlenallegorie einer Flugschrift aus dem Jahr 1521 sprach da Silva Kontinuitäten und Umbrüche an, die die Reformation mit dem Mittelalter verbanden. Im Bereich der Kontinuitäten nannte da Silva als Beispiele den im Mittelalter starken Wunsch nach einer Kirchenreform, die Anliegen der humanistischen Bewegung und die sozialpolitischen Bewegungen (Ritter und Bauern), die vom Mittelalter aus in die Reformationszeit übergingen und durch die Reformation eine andere Dynamik erhielten. Hierzu vergaß er nicht, zur Freude der Teilnehmer Hartmut XII. von Cromberg, Ritter und bedeutender Anhänger der Reformation auf der gleichnamigen Burg, zu erwähnen. Im Bereich der Umbrüche wies der Oberurseler Kirchenhistoriker auf den zentralen theologischen Paradigmenwechsel "von den Leistungen zum Glauben" hin, der anhand von "Exklusivitätsausdrücken" (sola gratia, sola fide, solus Christus, sola scriptura) markiert wurde, sowie auf das "Priestertum aller Getauften", das auch eine neue Ekklesiologie inaugurierte. Als Umbruch sei allerdings auch die Einführung der Multikonfessionalität in Westeuropa im Zeichen einer Kirchenspaltung zu betrachten, was auch zu Gewalt und Krieg geführt habe. Bei allem Feiern im Gedenkjahr 2017 sah da Silva die Gefahr, dass diese negative Seite, die auch zum Reformationsprozess gehöre, ausgeblendet werde. Darüber hinaus kritisierte er manche "enthusiastische" und "ahistorische" Verbindung zwischen Luther und Freiheit beziehungsweise Reformation und Freiheit im Jahr des Reformationsgedenkens 2017, die eher postaufklärerische Vorstellungen auf die Reformation rückprojizieren würden. Denn Luther und die Reformation müssten in ihrem historischen Kontext verstanden werden, damit man wisse, worum es eigentlich gegangen sei, und daraus Schlüsse für heute ziehen könne.

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