Reformationsgedenken in Marburg | 16.02.2016

Reformatorische Themen im Vortrag und in der Musik
SELK: Pfarrbezirk Marburg eröffnet Veranstaltungsreihe

Marburg, 16.2.2016 - selk - Der Pfarrbezirk Marburg/Treisbach/Warzenbach der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) hat am vergangenen Sonntag eine Reihe von neun Veranstaltungen zum Reformationsgedenken 2017 (500 Jahre lutherische Reformation) in der Auferstehungskirche Marburg eröffnet. Die überwiegende Mehrheit der Vorträge und der musikalischen Darbietungen finden in diesem Jahr statt.

Den Auftakt zu der Veranstaltungsreihe bildete am Sonntag eine musikalische Abendandacht mit alter und neuer Musik zum Zuhören und Mitsingen zu reformatorischen Themen.

Der Abend orientierte sich inhaltlich an den sogenannten vier Exklusivpartikeln, mit denen Luthers Theologie zusammengefasst wird. Das vierfache "Allein" lässt erkennen, worum es der Reformation ging: Allein die Schrift, allein Christus, allein die Gnade, allein der Glaube.

Zu jedem der vier zusammengehörenden Grundthemen der Reformation standen alte Choräle und neueres Liedgut auf dem Programm. Kurze theologische Einführungen von Superintendent Manfred Holst, Gemeindepfarrer im gastgebenden Pfarrbezirk, und Hinweise zu den Liedern von Hanns Pommerien gliederten den Abend. Zu Beginn wurden die Besucherinnen und Besucher des Abends mit dem Lied "Herr, für dein Wort sei hoch gepreist" in die Zeit der Reformation zurückversetzt, in dem das Lied im Stehen und ohne jegliche Begleitung gesungen wurde. Am Anfang der Reformation stand das Volk bei den Gottesdiensten, es gab weder eine musikalische Begleitung noch Orgelmusik in den Kirchen. Der evangelische Choral war zunächst ein Protestlied der Reformation und ermöglichte so, die Inhalte weiterzutragen und zu verbreiten. Die Lieder mussten sich reimen und leicht zu lernen sein, damit die Bevölkerung verstehen konnte, worum es der Reformation ging.

Neben den Chorälen wurden in den vier Teilen des Abends ebenso neuere Lieder angestimmt und mit Cajon und Klavier begleitet. Hartmut Raatz beeindruckte die anwesenden Zuhörerinnen und Zuhörer mit seiner virtuosen Begleitung der neueren Lieder am Klavier. Ralf Wicke musizierte an der Orgel. Die Gesamtleitung hatte Hanns Pommerien übernommen, der auch den zehnköpfigen Chor dirigierte und mehrere Stücke mit der Violine begleitete.

Der erste Impuls galt dem "sola scriptura", dem das Lied "Wie eine Quelle ist dein Wort" aus heutiger Zeit folgte. Die Lieder und Gedanken erinnerten daran, dass die Reformation sich nicht zuletzt dem intensiven "Bibelstudium" Luthers verdankte, der im Römerbrief ein neues Verständnis der Rechtfertigung des schuldigen Menschen vor Gott "entdeckte". In diesem Teil klang zum einen die Freude daran an, dass Gott nicht schweigt, sondern mit den Menschen spricht. Zum anderen folgte die Bitte um Gottes Geist zum Hören und Verstehen, zum Vertrauen und Lieben. Gottes Wort wirkt im Menschen weiter und lässt Glauben, Geduld und Hoffnung entstehen.

Im zweiten Teil stand Jesus Christus im Mittelpunkt. In dem Weihnachtslied "Lobt Gott, ihr Christen alle gleich" wird an den fröhlichen Tausch zwischen Gott und Mensch erinnert. Dieses Bild vom Tausch entstammt der mittelalterlichen Brautmystik und zeigt an, was die Geburt Jesu für den Menschen bedeutet. Luthers Osterlied "Christ lag in Todesbanden" durfte nicht fehlen. Dazu wurde ein Satz von Michael Praetorius zu Gehör gebracht.

In dem Lied "Anker in der Zeit" wird Jesus Christus sowohl als Anker in der Zeit und Ursprung allen Lebens als auch als die bedingungslose Liebe Gottes besungen, die alles trägt und nie vergeht.

Der dritte Teil war der Gnade Gottes, "sola gratia", gewidmet und begann mit dem Lied "Aus Gnaden soll ich selig werden", den der Chor mit dem Chorsatz von Hermann Schulz zu Gehör brachte. Die Gnade Gottes ist nicht zu verdienen, sie bleibt reines Geschenk. Alles Bemühen um Liebe und gute Leistungen haben hier ihr Recht verloren. Das Lied "Allein deine Gnade genügt" nimmt dieses Thema auf.

Im letzten Teil ging es um dem Glauben, "sola fide", der mit dem Choral "Wer nur den lieben Gott lässt walten" in einem Satz von Johann Sebastian Bach gesungen wurde. In der Reformation wird das Verständnis des Glaubens nicht als eine eigene Entscheidung oder eine Leistung des Menschen verstanden, sondern als ein Geschenk Gottes und das Wirken des Heiligen Geistes. So führen die Aufforderungen zu glauben zurück in die Bitte um Gottes Geist und zur Hinwendung zum Wort. Der Glaube führt jedoch weiter und lässt die Menschen nicht dort stehen, wo sie sind. Im Hören auf Jesus Christus kann es sein, dass Gott andere Träume oder Pläne für einen Menschen hat als er selbst. Diese Dimension des Glaubens als ein Wagnis wurde in dem Lied "Wer Gott folgt, riskiert seine Träume" aufgenommen.

Den Abschluss bildete Luthers Choral "Nun freut euch liebe Christen gmein", der seine eigene Lebens- und Glaubenserfahrungen aufgreift und in einen Dialog der menschlichen Seele mit Christus weiterführt. Es ist ein Lied der Freiheit gegenüber den Schicksalsmächten dieser Welt, der Sünde, dem Tod und der bösen Macht des Teufels. Nichts und niemand kann Jesus Christus und den, der ihm glaubt, voneinander trennen. So lässt sich nach Martin Luther leben, lieben, hoffen - und sterben.

Pfarrer Holst schloss den Abend mit einem Luthergebet, dem Segen und der Einladung zum nächsten Abend mit Professor Dr. Christoph Barnbrock (Oberursel) am 21. März und einem Thema, zu dem Barnbrock eine Veröffentlichung plant: "Predigthören - eine Entdeckungsreise". Auch dieser nächste Abend wird mit Musik begleitet werden.

Die Besucherinnen und Besucher der Auftaktveranstaltung waren im Anschluss zu einem Austausch und zur Begegnung eingeladen. In den nachfolgenden Gesprächen wurde deutlich, dass diese Verknüpfung von Musik und Theologie hilfreich und weiterführend war. Manche wünschten sich einen ähnlichen zweiten Abend.

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