Christliche Flüchtlinge getrennt unterbringen | 23.02.2016

Soll man christliche Flüchtlinge getrennt unterbringen?
SELK-Bischof bezieht in einem Pro und Kontra bei idea Stellung

Wetzlar, 23.2.2016 - idea/selk - In deutschen Flüchtlingsheimen hat es wiederholt Übergriffe radikaler Muslime auf Christen gegeben. Betroffene berichteten von Beleidigungen wie auch körperlicher Gewalt. Sollten christliche Flüchtlinge deshalb getrennt von muslimischen untergebracht werden? Führende kirchliche Repräsentanten äußern sich dazu in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Der Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover), bejaht die Frage. Er verweist auf Erfahrungen von Asylbewerbern, die Gemeinden der SELK angehören. Sie hätten wiederholt Drangsalierungen, wie körperliche Angriffe oder Beschimpfungen als "Kuffar" (Ungläubige), erdulden müssen. Dabei seien etwa Ketten mit Taufkreuzen vom Hals gerissen und Bibeln zerstört worden. Voigt: "Da kann man doch nicht warten, bis die politische Aufklärung über die Regeln unserer Gesellschaft greift!" Deshalb fordere er als Notlösung die getrennte Unterbringung von Personen, die dies wünschten. Dem Bischof zufolge sind Christen in den Aufnahmeeinrichtungen - anders als in der übrigen Gesellschaft - in der Minderheit. Der Staat sei aber verpflichtet, auch dort Religionsfreiheit und die Achtung der Menschenwürde durchzusetzen - notfalls durch separate Unterkünfte. Wie christliche Flüchtlinge müssten auch alleinstehende Frauen und stillende Mütter geschützt werden.

Dagegen lehnt der Präsident der Diakonie Deutschland, Pfarrer Ulrich Lilie (Berlin), eine getrennte Unterbringung sowohl nach Religion wie auch nach sexueller Orientierung ab. Das wäre ein "falsches Signal". Nachhaltiger sei es, über Respekt vor Andersgläubigen aufzuklären und diese Rechte vor Ort auch durchzusetzen. Die zentralen Ursachen für Konflikte in Flüchtlingsunterkünften sind laut Lilie nicht die Glaubensunterschiede, sondern die räumlichen Verhältnisse und der damit verbundene psychische Druck: "Alle Flüchtlinge leiden unter der Enge, mangelnder Beschäftigung und die Unsicherheit über ihre aufenthaltsrechtliche Perspektive." Religiös begründete Anfeindungen und Übergriffe dürften nicht bagatellisiert werden. Aber dies gelte auch für Attacken gegen Frauen, Kinder, Schwule und Lesben.

Der Chef der evangelischen Diakonie: "Wer andere Menschen aufgrund ihrer Religion, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung beleidigt oder gar angreift, muss die Konsequenzen unseres Rechtsstaates spüren."

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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
Quelle: idea. Evangelische Nachrichtenagentur , 23.2.2016 / selk_news werden herausgegeben von der Kirchenleitung der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Schopenhauerstraße 7, 30625 Hannover, Tel. +49-511-557808 - Fax +49-511-551588, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!---> Informationen aus Kirche und Gemeinden in Wort und Bild
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