Einkehrkonvent Berlin-Brandenburg tagte | 24.08.2019

Lehre von der Kirche, Gesangbuch, Stettin-Besuch
SELK: Einkehrkonvent Berlin-Brandenburg tagte

Hohenselchow-Groß Pinnow, 24.8.2019 - selk - Vom 20. bis zum 22. August trat der Pfarrkonvent des Kirchenbezirks Berlin-Brandenburg der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) zu einem Einkehrkonvent in Hohenselchow-Groß Pinnow zusammen. Nach Begrüßung und Andacht durch Superintendent Peter Brückmann (Berlin-Wedding) wurden die Konventualen umfassend durch ihren leitenden Geistlichen über Beratungsgegenstände des Kirchenbezirksbeirates sowie aus dem Kollegium der Superintendenten informiert. Als Gast informierte SELK-Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover) über die Arbeit der Kirchenleitung. Die Pfarrer berichteten über Herausforderungen aus ihren Gemeinden.

Die Lehre von der Kirche

Nachmittags referierte zunächst Bischof Voigt zur Lehre von der Kirche. Grundlegend wies der leitende Geistliche auf neutestamentliche Schriftaussagen zur Lehre von der Kirche hin und markierte die wesentlichen Aussagen zu dieser Thematik in den Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche. Gleichwohl, so der Bischof, sei zu fragen, wie mit dem Phänomen umzugehen sei, dass dieses konfessionsgebundene lutherische Kirchenverständnis sowohl bei Gästen als auch bei Gemeindegliedern teils auf Unverständnis stoße. Umgekehrt sei aber auch die Frage zu stellen, wie mit anderen Kirchen, kirchlichen Gemeinschaften und Kirchgliedern anderer Konfessionen umgegangen werden könne, die der SELK theologisch nahe seien, hinsichtlich derer aber eine offizielle Feststellung von Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft nicht möglich sei. Voigt stellte deutlich den Zusammenhang von Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft her: "Kirchengemeinschaft ist Abendmahlsgemeinschaft! Abendmahlsgemeinschaft ist Kirchengemeinschaft!". Der leitende Geistliche der SELK wies darauf hin, dass auch bei gegenläufigen Wahrnehmungen in der Zulassungspraxis der SELK dennoch am Grundsatz von Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft festzuhalten sei. Gleichwohl habe ein Pfarrer in seelsorgerlicher Verantwortung einen Handlungsspielraum, der auch genutzt werde. Neben den theologischen Aspekten erinnerte der Bischof daran, dass die SELK eine Minderheitenkirche ist und aufgrund dieser Vorfindlichkeit vermehrt zu Erklärungen genötigt sei. "Kognitive Mehrheiten sind frei von Begründungserfordernissen, während Minderheiten ständig angefragt sind!"

Sodann referierte SELK-Bischof i.R. Dr. Jobst Schöne (Berlin-Zehlendorf) und stellte den Konventualen seine Sicht auf die Lehre der Kirche der SELK - teils in sehr persönlichen Anmerkungen - vor. Ausgehend von der Studie des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg, die den 20 evangelischen Landeskirchen und 27 katholischen Bistümern in der Studie des Zentrums präsentiert wurden, dürften die Glocken in den christlichen Gotteshäusern Alarm schlagen: Die Kirchgliederzahlen der beiden großen Kirchen werden sich in den kommenden Jahrzehnten drastisch verringern, bis zum Jahr 2035 um 22 Prozent, bis zum Jahr 2060 sogar um 49 Prozent - von nunmehr 44,8 Millionen Kirchgliedern auf 22,7 Millionen Kirchglieder. Zudem werden die Kirchensteuereinnahmen um etwa die Hälfte einbrechen. Von dieser Entwicklung dürfte auch die SELK betroffen sein. Jedoch scheine die SELK weithin diese Entwicklungen nicht zur Kenntnis zu nehmen. Er vermisse eine Unruhe in der SELK, über diese Entwicklung zu debattieren. Deutschland werde Missionsland. Nicht nur der demographische Wandel, sondern auch die Austrittsbereitschaft und die steigende Mobilität würden Kirchenaustritte gerade bei 25-35-Jährigen begünstigen. Ein laues Christentum finde keine Abnehmer. Es herrsche eine diffuse Konsenstheologie und nicht selten seien Trivialbotschaften in Predigten wahrzunehmen, nicht nur in Kirchen der Ökumene. Schöne machte deutlich, dass zwar die Bevölkerungszahl Berlins stetig steige, aber in den Gemeinden kaum Interessierte ankommen würden. Dies sei im 19. Jahrhundert - gleichfalls in Berlin - anders gewesen. Der Zuzug damals habe dazu geführt, dass aus der Gemeinde Berlin-Mitte heraus die bis heute existierenden Gemeinden Berlin-Wedding und Berlin-Wilmersdorf entstanden seien.

Der emeritierte Bischof verwies auf einen Aufsatz des lutherischen Theologen Hermann Sasse (1895-1976) "Über die Frage nach der Existenzberechtigung und Sendung unserer Evangelisch-lutherischen Kirche Altpreußens" hin (in: www.edition-ruprecht.de/katalog/titel.php?id=363) und ermutigte die Konventualen eben dieses Memorandum zu lesen, da es ihm vorkomme, als sei es in unseren Tagen geschrieben. Im Rückgriff auf den Göttinger Kirchenhistoriker Prof. Dr. Thomas Kaufmann forderte Schöne mehr Theologie und eine schonungslose Analyse über den Zustand der Kirche. Er nehme Defizite, Schwächen und verpasste Chancen wahr, die zu Kirchengliederschwund, Traditionsabbruch und Bindungsschwäche geführt hätten. So vermisse er die Vernetzung der Gemeinden in das Gemeinwesen zu Vereinen, Parteien, Kunst und Kultur und sehe kaum eine Präsenz in den Medien. "Gibt es eine Strategie unserer Kirche, wie es weitergehen kann? Worauf konzentriert die SELK ihre finanziellen und personellen Kräfte? Wofür steht die SELK?", fragte der Referent an. Er wünsche sich eine konfessionsgebundene evangelisch-lutherische Kirche, die theologisch und ethisch klar aufgestellt sei und in der in Gesetz und Evangelium gepredigt werde sowie sowohl die Liturgie als auch die Agende verbindlicher Rahmen sei. Irrlehre gehöre als solche klar und eindeutig benannt. Das Abendmahl gehöre in das Zentrum der Gemeinden und die häufige Sakramentsfeier in die Mitte des Gottesdienstes. Die Beichte sei wieder oft anzubieten. So wünsche er sich, dass die Gemeinden Zufluchtsorte für Verunsicherte werden möchten.

Das neue Gesangbuch der SELK

Der zweite Konventstag wurde mit einem Beicht- und Abendmahlsgottesdienst eröffnet, in dem Pfarrer Edmund Hohls (Berlin-Wilmersdorf) die Predigt hielt und Pfarrer Dr. Gottfried Martens D.D. (Berlin-Steglitz) als Liturg fungierte. Der Kantor der Kirchenregion Ost, Georg Mogwitz (Leipzig), begleitete nicht nur die Choräle, sondern führte in einer nachfolgenden Einheit die Konventualen in das neue Gesangbuch ein, das in der zweiten Jahreshälfte 2020 für die SELK erscheinen soll. Mogwitz stellte mittels einer Grafik den Liedbestand des neuen Gesangbuches vor. Insgesamt sei der Liedbestand gewachsen, wobei 60 Prozent altes Liedgut und 40 Prozent neues Liedgut seien. Die theoretischen Einheiten wurden durch gemeinsames Singen von Liedern und Introiten aufgelockert. Besonders bei den neuen Tönen für die Introiten komme eine Umstellung auf die Gemeinden zu. Vom germanischen Chordialekt werde mit dem neuen Gesangbuch die romanische Melodieform eingeführt.

Stettin-Besuch und Predigtarbeit

Nachmittags machten die Konventualen einen Ausflug in das nahe gelegene polnische Szczecin (Stettin). Neben einer zweistündigen Dampferfahrt auf der Oder fand eine Stadtführung durch einen zertifizierten Stadtführer statt, der mit viel Kenntnis die Stadt und ihre Geschichte erläuterte. Der Abend schloss in einem Restaurant in Stettin.

Am dritten Konventstag stand die Besinnung auf einen der bevorstehenden Bibelabschnitte zur Predigt (Das Evangelium nach Lukas, Kapitel 7, Verse 36-50) auf dem Programm, bevor sich die Pfarrer rückblickend mit Veranstaltungen des Kirchenbezirks befassten und bevorstehende Ereignisse in den Blick nahmen. Die neue verabredete Arbeitsweise des Konvents - Abläufe optimieren. Leitung stärken. Inhalte fördern. Entlastung ermöglichen - wurde begrüßt und soll auf den folgenden Konventen weiter praktiziert werden. Der Konvent endete mit Gebet und Segen.

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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
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