SELK auf Bonhoeffer-Kongress vertreten | 31.01.2020

"Wie werden die künftigen Generationen weiterleben?"
SELK-Hochschulkräfte bei Bonhoeffer-Kongress in Südafrika

Stellenbosch (Südafrika)/Oberursel, 31.1.2020 - selk - Alle vier Jahre findet ein internationaler Kongress statt, bei dem die Theologie und das Wirken des vor 75 Jahren ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer diskutiert und weiter erforscht wird. In diesem Jahr hatte die Universität Stellenbosch (Südafrika) zum XIII. Internationalen Bonhoeffer-Kongress eingeladen, der unter der Themenstellung stand: "Wie werden die künftigen Generationen weiterleben? Bonhoeffer und die Reaktion auf unsere gegenwärtige Krise und Hoffnung".

Fünf Tage lang diskutierten Theologinnen und Theologen aus allen Kontinenten die Theologie und Gegenwartsbedeutung des Werkes Dietrich Bonhoeffers. Aus den Reihen der Lehrkräfte der Lutherischen Theologischen Hochschule (LThH) Oberursel der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) nahmen Prof. Dr. Christoph Barnbrock und Prof. Dr. Christian Neddens sowie Dr. med. Anne-Katharina Neddens an dem Kongress teil.

In einer der Seminar-Sitzungen referierte Prof. Barnbrock zu "Beichte als ,Durchbruch zur Gemeinschaft'. Impulse von Dietrich Bonhoeffers Theologie in einer individualisierten und polarisierten Welt". Im Anschluss an Bonhoeffers Formulierung aus einer Schrift "Gemeinsames Leben", dass die Beichte einen "Durchbruch zur Gemeinschaft" darstelle, arbeitete Barnbrock heraus, dass es in unserer Welt ein eher fremder Gedanke sei, dass das Eingeständnis (und die Vergebung) von Schuld zur Gemeinschaft führe. Vielmehr seien doch Tendenzen zu beobachten, Gemeinschaft mit anderen gerade dadurch zu erreichen, dass Menschen sich selbst ins rechte Licht rückten und Andersdenkende verurteilten. Hier zeigte der Oberurseler Theologe auf, wie wahre Gemeinschaft eben erst dann möglich sei, wenn auch die Schattenseiten des Lebens im Miteinander ihren Platz hätten.

Prof. Neddens referierte gemeinsam mit seiner Frau Dr. Anne-Katharina Neddens, die an der Oberurseler Klinik Hohe Mark als Oberärztin tätig und auch Lehrbeauftragte an der LThH ist, in einer weiteren Gruppeneinheit zum Thema: "Schuld - Trauma - Resilienz. Impulse von Dietrich Bonhoeffer und Hans Joachim Iwand aus theologischer und psychosomatischer Perspektive". Seit Längerem ist bekannt, dass traumatische Erfahrungen sich auch in der zweiten und dritten Generation auswirken. Aber auch Erfahrungen geschichtlicher Schuld und Quellen der Resilienz haben ihre Auswirkungen auf nächste Generationen. In seinem Beitrag konfrontierte das Ehepaar Neddens Erfahrungen aus der psychotherapeutischen Praxis mit Überlegungen Bonhoeffers und Iwands während des Zweiten Weltkrieges und in der Zeit danach, wie eine neue Generation mit den inneren und äußeren Wunden aus Krieg und Diktatur weiterleben könne. In beiden Anschauungsfeldern zeige sich, wie die Rückbesinnung auf die religiösen Quellen der Resilienz, insbesondere auf die Glaubenstraditionen der Familie, Heilung, Neuanfänge und Schritte der Versöhnung ermögliche.

Für die Oberurseler Delegation war es bewegend wahrzunehmen, wie im Post-Apartheid-Südafrika die Fragen von Unterdrückung, Gerechtigkeit und Hoffnung bleibend aktuell sind und was für interessante Querverbindungen sich zur Theologie Dietrich Bonhoeffers ergeben, die dadurch nicht nur für den südafrikanischen Kontext hochaktuell erscheint.

Die Beiträge des Kongresses sollen demnächst auf Englisch publiziert werden. Eine parallele deutsche Veröffentlichung der Oberurseler Beiträge mit einer knappen Handvoll weiterer Vorträge ist anlässlich des 75. Todestages Bonhoeffers in der Hochschulzeitschrift "Lutherische Theologie und Kirche" geplant.

Im Rahmen der Südafrikareise traf Prof. Barnbrock als Rektor außerdem auch auf einen ehemaligen LThH-Studenten, Dr. Heinz Hiestermann, der jetzt als Dozent am Lutheran Theological Seminary in Tshwane (Pretoria) zu arbeiten beginnt. Gemeinsam berieten sie, wie die bestehende Kooperation zwischen beiden Ausbildungsstätten aufrechterhalten und intensiviert werden könne.

--------------------

Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
selk_news werden herausgegeben von der Kirchenleitung der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Schopenhauerstraße 7, 30625 Hannover, Tel. +49-511-557808 - Fax +49-511-551588, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Copyright © 2020 | SELBSTÄNDIGE EVANGELISCH-LUTHERISCHE KIRCHE (SELK)