SELK-Theologe im idea-Pro-und-Kontra | 20.02.2020

Braucht die Predigt große Gefühle?
SELK-Theologe äußert sich in idea-Pro-und-Kontra

Wetzlar, 20.2.2020 - idea/selk - In den Kirchen kommen der gottesdienstlichen Verkündigung und der Erklärung des Wortes Gottes hohe Bedeutung zu. Aber die Predigt hat es heute schwer: zu lang, zu monoton, nicht mehr zeitgemäß, wird kritisch beklagt. Sollten Predigten lieber große Gefühle wecken, mitreißen und zu Tränen rühren? Dazu äußerten sich jetzt sich zwei evangelische Theologen in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Für Predigten, die große Gefühle wecken, plädiert der Theologe und Rhetorik-Dozent Dr. Arndt Schnepper (Braunschweig). Er ist Autor des Buches "Predigt braucht Gefühl", das im März im Verlag SCM R. Brockhaus erscheint. Gefühle seien bei einer Predigt immer im Spiel - es frage sich nur, welche. Es sei keine Nebensache, ob eine Predigt Interesse und Neugier oder Langeweile und Unlust wecke. "Das Gefühl ist die Schwester des guten Gedankens", meint Schnepper. Beides sei unerlässlich, damit eine Predigt Gehör finden und Gottes Geist wirken könne. "Zum Glauben gesellen sich sowohl Informationen, die ich kenne, als auch Emotionen, mit denen ich fürchte, liebe und vertraue." Wer Glauben wecken wolle, dürfe deswegen weder Gefühle noch Gedanken außer Acht lassen. Es sei eine durch und durch evangelische Überzeugung, dass Predigten große Gefühle brauchten. Schon der Marburger Professor Andreas Hyperius (1511-1564) habe in einer der ersten reformatorischen Predigtlehren geschrieben, ein Prediger müsse vor allem "darauf bedacht sein, Affekte zu erregen".

Die Gegenposition vertritt der Pfarrer der Heilig-Geist-Gemeinde Görlitz und Propst der Kirchenregion Ost der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Pfarrer Gert Kelter. Die biblisch-christliche Predigt nehme immer den Einzelnen und dessen Lebenssituation mit Geist, Leib und Seele empathisch in den Blick. Insofern dürfe sie durchaus gefühlvoll sein und bei den Zuhörenden Emotionen wecken. Davon zu unterscheiden sei aber "gefühlsduselige Effekthascherei, die Gottes Wort als Sprungbrett nutzt oder missbraucht, aber nicht sachgerecht und seelsorglich auslegt". In "emotionalen, sogenannten charismatischen Strohfeueransprachen" legten Prediger es darauf an, bei den Zuhörenden sichtbare Gefühlsausbrüche wie Tränen, Schluchzen, "Lachen im Geist" und "frommes Seufzen" hervorzurufen. Was auf diese Weise zum Vorschein komme, seien "elende menschliche Gefühle, die kommen und gehen, die aber nicht trösten und die im Alltag nicht geistlich tragen", so Kelter.

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Ein Bericht von selk_news /
Redaktion: SELK-Gesamtkirche /
Quelle: Evangelische Nachrichtenagentur idea | 18.2.2020
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