Allgemeiner Pfarrkonvent trifft sich zu einer Sondertagung
Am 30. Oktober fand im Tagungszentrum Kloster Haydau im hessischen Morschen eine Sondertagung des 15. Allgemeinen Pfarrkonvents (APK) der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) statt. An der ganztägigen Sitzung des APK nahmen 79 stimmberechtigte Konventuale teil. Stimmberechtigt sind alle aktiven, ordinierten Pfarrer der SELK. Eingeladen waren auch Pastoralreferentinnen, Pfarrer im Ruhestand, die Laienmitglieder der Kirchenleitung, Vikare und Pfarrdiakone. Sie alle haben auf dem APK kein Stimmrecht, jedoch das Recht sich mit Wortbeiträgen beratend einzubringen.
Der leitende Geistliche der SELK, Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover), eröffnete den Konvent mit einem Beichtgottesdienst in dem Propst Jörg Ackermann (Melsungen) und Propst Andreas Rehr (Hamburg) bei der Lossprechung assistierten. Einziges Thema des Sonderkonvents war die Beschlussfassung über das von der Synodalkommission Einheit (SynKo Einheit) in Zusammenarbeit mit der Beratungsfirma „Kairos“ erarbeitete Konzept „Wegzeit“, SELK-Aktuell berichtete im Vorfeld.
Zunächst stellten die Mitglieder der Einheitskommission die komplexen Strukturen des Prozesses vor. Dabei assistierte Dr. Valentin Dessoy von „Kairos“. Bereits im Vorfeld wurden die Unterlagen auf selk.de sowie allen Konventualen zur Verfügung gestellt. Die Mitglieder der SynKo Einheit beantworteten die zahlreichen Fragen zum Prozess. Immer wieder, besonders jedoch am Nachmittag, bestand Gelegenheit zur Aussprache, die intensiv genutzt wurde. Dabei wurden kritische Rückfragen und ablehnende Stellungnahmen ebenso deutlich benannt wie die Unterstützung und Befürwortung für den Prozess „Wegzeit“.
Zur Abstimmung stand ein Hauptantrag an den Allgemeinen Pfarrkonvent (APK) von Kirchenleitung und Kollegium der Superintendenten (KLKollSup), der mit folgendem Wortlaut in der Woche zuvor herausgearbeitet wurde: „Der APK erklärt seine Zustimmung zur Entscheidung von KL|KollSup, den Prozess "Wegzeit", der von der SynKo Einheit erarbeitet wurde, in der SELK zu starten." In den zahlreichen Wortbeiträgen konnten die Konventualen zu diesem Hauptantrag ausführlich Stellung beziehen.
Vor der finalen Abstimmung über den Hauptantrag wurde zunächst einem Antrag mehrheitlich zugestimmt, der den APK in eine Zwischenentscheidung zur Fortführung des Prozesses „Wegzeit“ einbeziehen würde. Ein weiterer Antrag, die Beschlussfassung des Hauptantrages zu ergänzen, fand hingegen keine Mehrheit. In diesem Antrag hieß es: „Der Antrag von KLKollSup wird ergänzt um: Dabei wird der Begriff ‚ergebnisoffen‘ hinsichtlich ‚Einheit in Verschiedenheit‘ aus allen Wegzeit-Unterlagen und der Kommunikation derselben gestrichen. Es wird in den Dokumenten und der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit der Eindruck vermieden, eine Union könnte am Ende der Wegzeit stehen.“
Danach stand der Antrag eines Konventualen zu einem Quorum hinsichtlich des Hauptantrages zur Diskussion. Ziel des Antragstellers war es, den Wunsch nach einer „breiten Mehrheit“ oder eines „Commitments“ mittels eines konkreten Zustimmungswerts zu quantifizieren. In diesem Zusammenhang äußerte Dr. Valentin Dessoy von „Kairos“, dass für ihn eine Zustimmung von 80 % der Pfarrer Voraussetzung für seine weitere Mitwirkung sei. Schließlich wurde der Antrag eines 80%-Quorums mehrheitlich abgelehnt.
Zum Ende der Sitzung stand eine Entscheidung über den Hauptantrag: „Der APK erklärt seine Zustimmung zur Entscheidung von KLKollSup, den Prozess "Wegzeit", der von der SynKo Einheit erarbeitet wurde, in der SELK zu starten." In geheimer Abstimmung wurde dieser Antrag zwar mit einfacher Mehrheit mit 49 Ja-Stimmen, 28 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen angenommen, die Zustimmung von rund 62 % der anwesenden, stimmberechtigten Konventualen verfehlt damit aber die von Herrn Dr. Dessoy für eine Weiterarbeit vorausgesetzte Mindestzustimmung (80 %).
Das Präsidium des APK, bestehend aus Bischof Hans-Jörg Voigt D.D., Propst Burkhard Kurz, Propst Jörg Ackermann und Propst Andreas Rehr (Propst Stefan Dittmer fungierte in seiner Rolle als Mitglied der SynKo Einheit) erklärte, dass für den Fall eines solchen Abstimmungsergebnisses im Vorfeld festgelegt wurde, dass nun die Kirchenleitung und das Kollegium der Superintendenten (KLKollSup) zu einer Online-Sondersitzung zusammentreten müssten, um die eingetretene Situation und das weitere Vorgehen zu beraten. Das Präsidium dankte den Mitgliedern der SynKo Einheit sowie Herrn Dr. Dessoy für die umfangreiche Arbeit am Prozess „Wegzeit“, was von den Konventualen mit Applaus unterstützt wurde.